Coronavirus

25. Februar 2020 09:24; Akt: 25.02.2020 10:03 Print

Wird die Schweiz auch Städte abriegeln?

In Italien wurden zur Eindämmung des Coronavirus ganze Ortschaften abgeriegelt. Kommt auf die Schweiz das Gleiche zu?

Gesundheitsminister Alain Berset informiert zu den Vorbereitungen in der Schweiz. (Video: 20M)
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In Italien hat der lokale Ausbruch der durch das Coronavirus verursachten Krankheit (Covid-19) bereits sieben Tote gefordert, über 200 Fälle sind bestätigt. Um eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen, wurden elf Ortschaften abgeriegelt. Der Karneval in Venedig wurde abgebrochen sowie Spiele der ersten Fussball-Liga und andere Grossveranstaltungen abgesagt.

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In der Schweiz ist man noch weit von solchen Massnahmen entfernt, denn bis zum Montagnachmittag gab es hierzulande noch keinen bestätigten Fall. Doch auch bei uns sind vergleichbare Massnahmen vorgesehen, wenn die öffentliche Gesundheit der Schweiz gefährdet ist. Das sieht das Epidemiengesetz vor.

Neue Massnahmen

Laut dem Pandemieplan (PDF) wird zwischen normaler, besonderer und ausserordentlicher Lage unterschieden. Zurzeit befinden wir uns in der normalen Lage. Die Behörden von Bund und Kantonen bereiten sich vor und stellen sicher, dass das Land optimal vorbereitet ist, sollte es bestätigte Fälle geben.

Laut Bundesamt für Gesundheit gehören zu den bereits getroffenen Massnahmen eine Intensivierung der Tests bei Personen mit grippeähnlichen Symptomen. Zudem wird die Kapazität für Tests ausgeweitet, damit man Betroffene möglichst schnell erkennt und die Kontaktpersonen identifizieren kann. Diese und weitere zum jetzigen Zeitpunkt getroffenen Massnahmen sollen verhindern, dass die normale Lage in eine besondere Lage umschlägt.

Schulschliessungen und Veranstaltungsverbote

Das wäre der Fall, wenn es nicht nur einzelne bestätigte Fälle in der Schweiz gibt, sondern nicht mehr zurückverfolgt werden kann, wo sich die Patienten angesteckt haben. Wenn sich die Krankheit also unkontrolliert ausbreitet und aufgrund der erhöhten Ansteckungs- und Ausbreitungsgefahr die öffentliche Gesundheit der Schweiz gefährdet ist.

In einer besonderen Lage kann der Bund Massnahmen zur Eindämmung empfehlen. Im englischen Sprachraum wird vom Social Distancing gesprochen, das heisst, dass die Menschen untereinander Distanz halten müssen. Zu diesem Zweck können die Kantone Schulschliessungen und Veranstaltungsverbote anordnen. Flächendeckende Schulschliessungen müssen direkt vom Bundesrat verfügt werden.

Schulschliessungen können dabei zwei bis vier Wochen dauern, je nach Pandemieverlauf. Von Verboten betroffen wären private und öffentliche Veranstaltung ab 50 Teilnehmern. Auch Unternehmen können zur Umsetzung des Distanzhaltens verpflichtet werden.

Abriegelung einzelner Gebiete

Der Bundesrat kann weiter den Zugang zu einem von der Krankheit betroffenen Gebiet vorübergehend einschränken. Er kann also einzelne Ortschaften abriegeln, so dass sie auch nicht mehr verlassen werden dürfen. Die zuständigen Behörden können zudem öffentliche oder private Unternehmen schliessen oder diesen gegenüber bestimmte Vorschriften zum Betrieb, zum Beispiel Hygienemassnahmen, verfügen.

All diese Massnahmen sind allerdings nur zielführend, wenn sie möglichst frühzeitig zu Beginn einer Epidemie zum Einsatz kommen und gleichzeitig die Bevölkerung die nötigen Hygienemassnahmen umsetzt. Da behördlich verordnetes Distanzhalten zu beträchtlichen wirtschaftlichen Ausfällen führen kann, etwa weil Arbeitnehmer nicht mehr am Arbeitsplatz erscheinen können, ist es nur für Worst-Case-Szenarien angemessen.

Im Pandemieplan wird festgehalten, dass neben der Beurteilung von Nutzen und Risiko für die öffentliche Gesundheit auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen in Betracht zu ziehen sind. Grundsätzlich dürfen die Massnahmen nur so lange angeordnet werden, wie es notwendig ist, um die Verbreitung einer übertragbaren Krankheit zu verhindern.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MadChengi am 25.02.2020 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Büchse der Pandora ist weit offen

    Die Schweiz ist so dicht besiedelt, das ganze Land müsste hermetisch abgeriegelt werden. Dazu ist es aber längst zu spät, ich vermute dass bereits mehrere Dutzende Infizierte ohne Symptome unterwegs sind. Diese Leute fahren ÖV hin- und her zur Arbeit, kaufen im Supermarkt ein, über Mittag gehen sie alle in die Kantine oder Restaurants. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet, und nichts auf der Welt kann das wieder rückgängig machen.

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  • MadChengi am 25.02.2020 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Warten wir mal ab was passiert

    Laut BAG und europäischen Politikern brauche es halt eben schon zuerst mal eine Spezielle Situation um Schengen aufzuheben und die Grenzkontrollen zu verschärfen. Man warte erst mal bis es zu konkreteren Fällen komme. Versteh' ich das richtig; man will erst mal warten bis alles zu spät ist. Naja, die Wirtschaft muss laufen, Gott Mammon steht über allem. Was erwartet man von einer komplett auf Materialismus ausgerichtete Gesellschaft, sie sterben lieber als aufzuhören ihren Geschäftli nach zugehen. Die Krabbelmenschen (wir Angestellten) haben keine Wahl, jeder muss Brötchen verdienen.

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  • ledini kraft am 25.02.2020 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gorona virus

    die Schwriz wartet bis es zu spät ist wie immer

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jacky am 25.02.2020 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Das in der Schweiz Städte abgeriegelt werden oder Schulen geschlossen werden ist eine Illusion. Wir müssen alle zur Arbeit und unseren Beitrag an die Wirtschaft leisten - sowas kann sich die Schweiz nicht leisten....Wir werden arbeiten bis zum umfallen....

  • Swiss Opa am 25.02.2020 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich kenne das grösste Virus

    Das grösste aller Virusse ist der Mensch. Er vernichtet zerstört und verwüstet... und er vermehrt sich jedes Jahr. Auch passt er sich an jede Situation an. Er kommt ohne und mit Fleisch aus in der Sahara und im Nordpol.

  • Jeffrey Spector am 25.02.2020 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Eldorado

    für Aktienkäufer. Jetzt kriegt man viele Qualitätspapiere für einen grossen Corona Rabatt. Einfach wunderbar. Nach 6 Monaten ist alles wieder im Griff, die Aktien steigen wieder, 3 Prozent der Erdbevölkerung verschieden und somit die CO2 Emissionen auch schön gesenkt dieses Jahr. Die Natur wird es den 97 Prozent Überlebenden danken.

  • DD am 25.02.2020 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    Als ob in China eine Sperrung der Städte geholfen hätte... und ihr überlegt wirklich etwas in der Schweiz abzuriegeln? Geht eigentlich noch?

  • Too late am 25.02.2020 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    lässt sich sowieso nicht aufhalten...

    Anscheinend nimmt es nur die Schwachen und Alten, also immungeschwächte Personen. Dann kann man die AHV und Pensionskasse wenigstens wieder ausgleichen-