Volksdroge

08. Januar 2020 17:22; Akt: 08.01.2020 17:22 Print

Nasenspray-Sucht wie bei Sido kann schlimm enden

Geschwollene Nasenschleimhäute sind unangenehm. Doch wer es mit Nasenspray übertreibt, leidet noch viel mehr. Mitunter hilft nur noch eine Operation.

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Bei einer Erkältung können ... ... abschwellende Nasentropfen oder -sprays ein Segen sein. Doch übertreiben und zu lange nutzen sollte man sie nicht. Denn der in vielen Sprays enthaltene Wirkstoff Xylometazolinhydrochlorid hat ein sehr grosses Abhängigkeitspotenzial. Diese Erfahrung musste auch Rapper Sido machen, wie er Anfang 2020 in seiner Insta-Story bekannt gab. Seit 15 Jahren sei er von Nasenspray abhängig. Er versprach seinen Fans, gegen seine Sucht ankämpfen zu wollen. Der Stoff Xylometazolinhydrochlorid bewirkt, dass sich die Blutgefässe in der Nasenschleimhaut zusammenziehen, diese abschwillt und man wieder frei atmen kann. Nutzt man das Spray länger als sieben oder maximal zehn Tage droht ein sogenannter Rebound-Effekt. Das heisst: Sobald die Wirkung des Nasensprays nachlässt, schwellen die Schleimhäute übermässig an, was dazu verleitet, ihn erneut zu benutzen. Das Resultat ist eine Art dauerhafter Schnupfen, weil der Nasenspray die Symptome zwar kurzfristig lindert, sie aber gleichzeitig aufrechterhält. Mit der Zeit trocknen zudem die Nasenschleimhäute aus und verkrusten. Dann kommt es oft zu Nasenbluten. Weiteres Problem: Unter den Krusten fühlen sich auch Bakterien wohl und vermehren sich. Weil diese faulige Substanzen absondern, kommt es irgendwann zu einer Stinknase, auch Ozaena (übel riechender Nasenpolyp) genannt. Im schlimmsten Fall kann die Schleimhaut so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, dass sich sogar die äussere Form der Nase verändert. Das Ergebnis könnten unter anderem sogenannte Sattelnasen sein wie man sie von Boxern ... (Im Bild: Sven Ottke, Ex-Boxer und Dschungelcamp-Teilnehmer 2020) ... oder Kokain-Abhängigen kennt. Damit sich die Schleimhäute wieder erholen und selbst aktiv werden können, müssen sie von den abschwellenden Wirkstoffen entwöhnt werden. Dies am besten über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg, ... ... in dem man allmählich auf Kinderpräparate, Inhalationen, Meerwassersprays oder bepantholhaltige Nasensalben umsteigt. Auch kortisonhaltige Sprays können helfen. All diejenigen, die befürchten, die Zeit nicht zu überstehen und wieder rückfällig zu werden, können zwischen zwei ambulanten Eingriffen wählen. So können die geschwollenen Schleimhäute entweder mittels Radiofrequenz erhitzt und zum Schrumpfen gebracht oder operativ verkleinert werden. Ganz auf Nasenspray sollte man trotz seines grossen Suchtpotenzials nicht verzichten, vor allem nicht vor dem Schlafengehen. Schliesslich hilft Schlaf, akute Infektionen zu überwinden.

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Rapper Sido ist süchtig – nach Nasenspray. Das offenbarte der 39-Jährige am Montag in seiner Insta-Story. Allein ist er mit diesem Problem bei weitem nicht. Weltweit können Menschen nicht die Finger davon lassen.

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Verantwortlich für das hohe Abhängigkeitspotenzial des Sprühmedikaments ist der Wirkstoff Xylometazolinhydrochlorid. Wird er in die Nase geschossen, sorgt er dafür, dass sich die Blutgefässe in der Nasenschleimhaut zusammenziehen, diese abschwillt und man wieder frei atmen kann.

Nicht länger als eine Woche verwenden

An sich ist das eine prima Sache. Allerdings nur, wenn man den Spray nur kurzfristig – am besten sieben, maximal zehn Tage verwendet. Ansonsten droht ein sogenannter Rebound-Effekt.

Das heisst: Sobald die Wirkung des Nasensprays nachlässt, schwellen die Schleimhäute übermässig an, was dazu verleitet, ihn erneut zu benutzen. Das Resultat ist eine Art dauerhafter Schnupfen, weil der Nasenspray die Symptome zwar kurzfristig lindert, sie aber gleichzeitig aufrechterhält.

Laut Medizinern ist das ähnlich wie beim Kraftsport, wo durch regelmässiges Wiederholen der Übungen das Muskelwachstum angeregt wird.

Unschöne Folgen

Mit der Zeit trocknen zudem die Nasenschleimhäute allmählich aus und verkrusten. Dann kommt es häufig zu Nasenbluten. Das einzige Problem ist das jedoch nicht, denn unter den Krusten fühlen sich auch Bakterien äusserst wohl und vermehren sich. Weil diese faulige Substanzen absondern, kommt es irgendwann zu einer Stinknase, von Experten Ozaena (übelriechender Nasenpolyp) genannt.

Im schlimmsten Fall kann die Schleimhaut so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, dass sich sogar die äussere Form der Nase verändert. Das Ergebnis könnten unter anderem sogenannte Sattelnasen sein, wie man sie von Boxern oder Kokain-Abhängigen kennt (siehe Bildstrecke oben).

Schrittweise Entwöhnung

Damit die Schleimhäute wieder selbst aktiv werden können, müssen sie von den abschwellenden Wirkstoffen entwöhnt werden. Dies am besten über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg, in dem man allmählich auf Kinderpräparate, Inhalationen, Meerwassersprays oder bepantholhaltige Nasensalben umsteigt. Auch kortisonhaltige Sprays können helfen.

Bei allen Varianten müssen die Betroffenen sich auf eine verstopfte Nase und eine mühsame Atmung einstellen.

All diejenigen, die befürchten, die mühsame Phase nicht zu überstehen und wieder rückfällig zu werden, können zwischen zwei ambulanten Eingriffen wählen. So können die geschwollenen Schleimhäute entweder mittels Radiofrequenz erhitzt und zum Schrumpfen gebracht oder operativ verkleinert werden.

Ganz auf Nasenspray sollte man trotz seines grossen Suchtpotenzials nicht verzichten, vor allem nicht vor dem Schlafengehen. Schliesslich hilft Schlaf, akute Infektionen zu überwinden.

Rapper Sido gibt nun alles, um von seiner Sucht loszukommen. (Video: Instagram.com/shawnstein)

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mida am 08.01.2020 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entwöhnungstip

    Guten Tip zur Entwöhnung: Erst nur noch ein Nasenloch sprühen, bis sich das andere regeneriert hat ( etwa 14 Tage) ; dann den Spray ganz weglassen. Nach nochmal 14 Tagen ist alles gut. So habe ich mir die Sucht nach 2 Jahren abgewöhnt und es war gar nicht so mühsam.

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  • Lisa am 08.01.2020 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ex Nasenspray Junkie

    Bei mir half nur ein kortisonhaltiges Nasenspray um davon loszukommen. (Abgewöhnung dauerte ca 10 Tage) Nun bin ich Seit ca 15 jahren clean und wenn ich mal Schnupfen habe benutze ich das Kortison haltige Spray.

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  • pinky am 08.01.2020 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme Sucht

    Ich war fast 2 Jahre abhängig von Nasenspray. In dieser Zeit hat diese Sucht meinen Alltag sehr negativ beeinflusst, von verpatzten Tauchferien über grossen finanziellen Aufwand bis hin zu Turkeys (schlimme Entzugserscheinungen), wenn der Spray grad nicht zur Hand war! Weggekommen davon bin ich nur durch einen kurzen zweimaligen operativen Eingriff, von einem HNO-Spezielisten durchgeführt. Seither habe ich NIE WIEDER einen Nasenspray angerührt!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • outgriffin am 11.01.2020 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oxymetazolin macht nicht süchtig und ist sogar orp

    Nasivin (Oxymetazolin) macht nicht süchtig, ist orphan und wird in Deutschland in der Augenheilkunde bei Bindehautentzündungen erfolgreich eingesetzt. Solange halt die Schweizer auf die massive Werbung der Novartis und ihrer Generika Firmen hereinfällt, werden sie halt zu Xylometazolin greifen. Dieses kann Kinder sogar ins Koma legen (nicht orphan) und die Sucht ist schon lange bekannt. Aber es gibt in der CH zahlreiche Generika, während es von Nasivin nur Nasivin gibt.

  • Dana2012 am 11.01.2020 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    Nasensprays auf Sorbitol-Basis machen auch die Nase frei, bewirken aber keine Abhängigkeit, da die Wirkung auf Osmose beruht.

  • nisosmu am 11.01.2020 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was soll's

    So kommt Sido wieder in die Medien. Ansonsten nichts interessantes?

  • Ex am 11.01.2020 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    9 Jahre

    9 Jahre lang, jede Woche eine Flasche Triofan!

  • 5Ger am 11.01.2020 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meerwasser

    Ich hatte das auch mal. Es stimmt, es war sehr schlimm. Seither gibt's bei mir, auch bei den schlimmsten Erkältungen, nur noch Nasenspray auf Basis von Meerwasser.