Denisova-Mensch

22. Dezember 2010 17:00; Akt: 22.12.2010 15:02 Print

Neandertaler-Bruder in Asien unterwegs

Ein bislang unbekannter Urmensch bevölkerte vor Zehntausenden Jahren weite Teile Asiens. Das zeigt die Analyse eines Fingerknochens, der in einer Höhle in Südsibirien entdeckt wurde.

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Wie ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift «Nature» berichtet, teilt der nach seinem Fundort benannte Denisova-Mensch gemeinsame Ahnen mit dem Neandertaler. Später vermischten sich die Urmenschen mit Gruppen des modernen Homo sapiens, die heute auf Papua-Neuguinea leben.

Des mindestens 30 000 Jahre alte Fingerknochens wurde 2008 zusammen mit einem Backenzahn in der Denisova-Höhle im südlichen Sibirien ausgegraben. Nun entschlüsselten die Wissenschaftler um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig die Erbinformationen aus dem Kern einer Zelle. Demnach stammt der Knochen von einer jungen Frau.

Der Denisova-Mensch teilt eine gemeinsame Herkunft mit dem Neandertaler. Vorläufer beider Homininen verliessen Afrika vor etwa 300 000 bis 400 000 Jahren und spalteten sich danach auf. Die Neandertaler besiedelten vor allem Vorderasien und Europa, während die Denisova-Menschen weiter östlich in Asien lebten.

Der moderne Mensch wanderte dagegen erst vor etwa 75 000 Jahren aus Afrika aus. In Vorderasien vermischte er sich mit den Neandertalern, wie das Forscherteam um Pääbo erst kürzlich entdeckt hatte. Die aktuelle Analyse zeigt, dass auch der nun entdeckte Urmensch Kontakte zum Homo sapiens unterhielt: Sein Erbgut hat auffällig viele Parallelen zu Populationen, die heutzutage auf Papua-Neuguinea leben. Deren Vorfahren, so folgern die Forscher, müssen sich einst mit Denisova-Menschen vermischt haben.

«Die Tatsache, dass der Denisova-Mensch in Südsibirien entdeckt wurde, aber zum Erbmaterial heute lebender menschlicher Populationen in Neu-Guinea beitrug, zeigt, dass diese Urmenschen während des Pleistozäns in Asien weit verbreitet gewesen sein müssen», sagt David Reich von der Universität Harvard.

(Quelle: «Nature», Online-Vorabveröffentlichung, Vol. 468, S. 1053 - 1060)

(ap)