Geschlechtsbestimmung im Ei

09. November 2018 12:18; Akt: 09.11.2018 12:18 Print

Neues Verfahren bewahrt Küken vor dem Schreddern

Wo nur Legehennen gebraucht werden, werden männliche Küken, kaum sind sie geschlüpft, zu Tierfutter. Eine neue Technologie soll das künftig verhindern.

So funktioniert das neue Verfahren. (Video: Seleggt)
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Lange wurde daran geforscht, nun ist ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei marktreif. Damit könnte die Massentötung männlicher Küken bald der Vergangenheit angehören. Vorgestellt wurde die Technologie gestern von der deutschen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

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Das sogenannte Seleggt-Verfahren wurde von einer gleichnamigen Firma entwickelt, hinter der der Supermarktkonzern Rewe und ein Technologieunternehmen stehen. Per Laser wird über ein winziges Loch in der Eierschale eine Probe aus dem Ei entnommen und auf Anwesenheit bestimmter Hormone untersucht. Männliche Bruteier können dadurch bereits vor dem Ausbrüten aussortiert werden.

Noch nicht serienreif

Nach Angaben von Seleggt ist das Verfahren marktreif und soll in einem nächsten Schritt zur Serienreife gebracht werden. In ersten Läden in Berlin sind die Eier, die aus Legebetrieben mit dem neuen Verfahren stammen, bereits erhältlich. Die Eier sind etwas teurer als konventionelle Freilandeier. So kostet ein Sechserpack zurzeit 10 Cent mehr.

Parallel will Seleggt ein Geschäftsmodell entwickeln, um seine Technik allen Brütereien in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert, in der Schweiz sind es etwa 500'000. Die Tötung erfolgt, weil die Männchen später keine Eier legen und im Vergleich zu weiblichen Küken auch nicht genug Fleisch ansetzen.

Kritik vom Tierschutz

Dem Verfahren wenig abgewinnen kann die deutsche Umweltschutzorganisation Bund. Deren Agrarexpertin Katrin Wenz forderte ein «grundsätzliches Umdenken». Eier der männlichen Küken noch vor dem Schlüpfen auszusortieren, sei keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht, «denn Hennen müssen auch weiterhin Höchstleistung erbringen».

Sinnvoll sei es vielmehr, die Geflügelwirtschaft auf «Zweinutzungslinien» umzustellen, forderte Wenz. Damit sind Hühnerrassen gemeint, die sowohl für die Eier- als auch für die Fleischproduktion geeignet sind – bei denen also auch männliche Küken aufgezogen werden könnten und ihr Fleisch dann vermarktet würde.

(jcg/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 09.11.2018 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klartext!!

    Das wurde verflucht nochmal Zeit!!! Es ist unglaublich was da hinter dem Rücken der Konsumenten für oberkrankes Zeugs abläuft. Z.B. auch heute der Bericht, dass 50 Tonnen Rüebli vernichtet werden sollten, da sie zu gross für den Verkauf sind...! In was für einer gestörten Form von Nahrungs-Oekonomie leben wir hier eigentlich?!!

    einklappen einklappen
  • Dance am 09.11.2018 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott sei dank

    Wo ich das vor 3 Jahren gesehen habe, hat mir das schlaflose Nächte gebracht. Wie kann man so was mit ein Lebewesen machen wo so süss sind und keine Schuld tragen das Sie falsches Geschlecht haben. Nur um Leute zu befriedigen beim einkauf???

  • Cecile am 09.11.2018 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich das richtig,

    auch in der Schweiz werden männliche Küken geschreddert????!!!!!! Weiss das jemand?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kathrin am 10.11.2018 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Hühner

    Die ganze Eierindustrie ist Tierquälerei und Proftigier. Wir haben uns als Famile eigene Hühner zugelegt. Wir pflegen, hüten und "verwöhnen" sie. Sie geniessen bei uns ein tolles, freies Leben. Nimmt die Legeleistung ab, was solls. Sie geniessen ihren Lebensabend und wir sind dankbar, täglich frische, echte biologische Eier aus artgerechter Tierhaltung erhalten haben. Finanziell rechnet es sich nicht ganz, dafür sind unsere Hühner handzahm und wir haben viel Freude daran. Es geht nicht um Vermenschlichung, aber um Achtung und Wertschätzung, und die kommt auch vom einem Huhn mehrfach zurück!

  • F.R. am 10.11.2018 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Güggeli Suppe

    Diese geschredderte Küken werden in einige Länder als Suppe zubereitet. Sehr schmackhaft und besser als Tierfutter zu verwenden.

  • Heidi Heidnisch am 10.11.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das haben die Männer verdient

    Würde sogar mehr zahlen, wenn dadurch sichergestellt wird, dass die männlichen Kücken auch weiterhin geschreddert werden. Kommt schliesslich als Tierfutter anderen Tieren zu gute.

  • Nepo am 09.11.2018 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas teurer

    In der Ei 10 Cent, in der CH 1 Fr. Wetten?

  • Stavi am 09.11.2018 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sarkasmus

    Die mänlichen Küken fühlen sich sicher pudelwohl, wenn sie lebendig geschreddert werden. Es gibt dazu einen makaberen Witz: Der Direktor der Hühnerfabrik ist Vater geworden. Die Hebamme sagt ihm "Herr Direktor, es ist ein Junge. Wollen Sie ihn sehen oder soll ich ihn sofort schreddern?".