Engpass in den USA

17. April 2015 10:51; Akt: 17.04.2015 10:51 Print

Niemand will Gift für Hinrichtungen liefern

von Michael Baumann - Den USA geht das Gift für Hinrichtungen aus, wogegen es in der Schweiz für Sterbehilfe erhältlich ist. Warum kommen die einen ans Gift, die anderen nicht?

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Den US-Gefängnissen fehlt das für Hinrichtungen verwendete Gift Pentobarbital. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Über 300 Menschen sollen im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Doch nur noch für zwei von ihnen steht das Gift bereit. Denn sämtliche Hersteller weigern sich, Substanzen für die Tötung zu liefern. «Wir wollen das Leben der Menschen verbessern und verlängern», sagt Nicolas Dunant, Pressesprecher des Pharmaunternehmens Roche. Weshalb Schweizer Sterbehilfeorganisationen die Substanzen trotzdem erhalten, sagt der Apotheker Albert Ganz.

Herr Ganz, wieso liefern Sie Exit und Dignitas das Medikament Pentobarbital, während die USA leer ausgehen?
Ich liefere nur, wenn ein Arzt einem Sterbewilligen ein Zeugnis ausstellt. Damit unterstützen wir die Selbstbestimmung des Menschen – auch was seinen eigenen Tod betrifft. Bei einer Hinrichtung kann von Freiwilligkeit keine Rede sein.

Wieso stellen die USA die Substanzen nicht selbst her?
Das wäre eigentlich gar nicht so kompliziert. Pentobarbital lässt sich in einem einfachen Labor in einer Woche herstellen. Aber vermutlich findet sich kein Chemiker, der dazu bereit ist.

Gibt es einen Schwarzmarkt für das Todesgift?
Natürlich. Ich selbst analysiere ab und zu Pentobarbital, das Sterbewillige im Internet gekauft haben. Für die US-Gefängnisse kommt aber eine illegale Bezugsquelle nicht in Frage – denn rechtlich machen sie mit den Hinrichtungen ja etwas Legales.

Wenn niemand das Gift liefert, drohen den Todeskandidaten doch viel schlimmere Methoden, etwa Erschiessen.
Mit diesem Argument will man doch nur die Hersteller für die Todesstrafe einspannen. Einzig wenn sich alle weigern, die Substanzen zu liefern, wird die Todesstrafe hoffentlich bald abgeschafft.