Haus auf Schienen

21. Mai 2012 07:25; Akt: 22.05.2012 10:34 Print

Nur ein Gewitter kann die Mega-Züglete stoppen

Die Schienen sind gelegt, die Rollen montiert, der Countdown läuft: Am Dienstag um Punkt 11 Uhr fällt in Zürich-Oerlikon der Startschuss für die grösste Gebäudeverschiebung Europas. Die Spannung steigt.

So funktioniert die Hausverschiebung. (Quelle: YouTube/itenbau)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit 120 Jahren steht beim Bahnhof Zürich-Oerlikon ein unübersehbares Backsteinhaus, ein letzter Zeitzeuge einer blühenden Industrieepoche. Jetzt muss das 6200 Tonnen schwere, 80 Meter lange und 12 Meter hohe ehemalige Direktionsgebäude der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) wegen dem Bau der SBB-Durchmesserlinie um 60 Meter verschoben werden. Auf Stahlschienen wandert das Haus ab kommenden Dienstag Zentimeter um Zentimeter zum neuen Standort – genauer gesagt um vier Meter pro Stunde.

Seit zehn Monaten laufen die Vorbereitungen für die 11 Millionen Franken teure Züglete. Das Gebäude wurde zuerst angehoben und auf Pfähle gestellt. «Die Nervosität steigt, das wird ein ganz spezieller Tag für mich», sagt Rolf Iten, Chefplaner der MFO-Verschiebung, zu 20 Minuten Online. Obschon die Wetterfrösche für Dienstag starke Regenfälle voraussagen, bleibt der Innerschweizer cool. «Nur bei einem Gewitter müssten die Arbeiten unterbrochen werden.» Wenn alles optimal läuft, dauert die grösste Gebäudeverschiebung Europas nur 15 Stunden. Die Verantwortlichen haben aber bis zu vier Zügeltage eingeplant.

Jeder Millimeter zählt

«Die grösste Herausforderung während des ganzen Prozesses ist, ein Absenken des Gebäudes zu verhindern», so Iten weiter. Denn bei einem Haus dieser Grösse hat eine lokale Senkung verheerende Konsequenzen für das ganze Gebäude: Es kann überall Risse geben, die später aufwendig saniert werden müssten. Deshalb überwachen 30 elektronische Sensoren das ganze Haus. Sie registrieren bereits eine Senkung von einem Zehntelmillimeter.

Auch das Fundament am neuen Standort muss dem Koloss von mehreren tausend Tonnen standhalten können. Dafür werden Pfähle sorgen, die bis auf den festen Untergrund im Boden reichen.

Allfällige Leichen sollten die jetzigen Mieter übrigens besser noch aus dem Keller holen. Das Untergeschoss kann nicht gezügelt werden.

20 Minuten Online überträgt die Verschiebung des MFO-Gebäudes am 22. Mai ab 11 Uhr live.

(am)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Horst Phettberg am 21.05.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Déjà vu?

    Das habe ich doch schonmal gesehen.. Ach ja: Monty Phyton's "Der Sinn des Lebens". Da wird zu Beginn ein Gebäude auf ganz ähliche Weise verschoben..

  • Nubo am 21.05.2012 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Oft fahre ich an diesem Gebäude vorbei. Und jedes mal denke ich: "Was ist denn daran so besonders?" Das Gebäudesteht nicht mal unter einem "Schutz". Das Geld hätte ich lieber für anderes gebraucht.

    einklappen einklappen
  • Linda B. am 21.05.2012 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    enormer Aufwand

    einerseits toll dass das gebäude erhalten bleibt, andererseits sind 11 millionen zügelkosten schon enorm!! viel glück beim verschieben

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tamara am 21.05.2012 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ZUGELN

    Das Spektakel werde ich mir im Fernseher anschauen, mal was anderes und sicher intetessant!

  • Alexander am 21.05.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Projekt

    Gut ist, dass bei diesem Projekt kein einziger Steuerfranken eingesetzt werden muss! Bin gespannt, wie das funktioniert und neidisch auf meine Frau, die von Ihrem Arbeitsplatz die beste Sicht auf die Züglete hat.

  • Horst Phettberg am 21.05.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Déjà vu?

    Das habe ich doch schonmal gesehen.. Ach ja: Monty Phyton's "Der Sinn des Lebens". Da wird zu Beginn ein Gebäude auf ganz ähliche Weise verschoben..

  • joel am 21.05.2012 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spannend

    nice :-) zum glück morgen frei werd ich ma vorbeischauen gehn. Sowas sieht mab ja nicht alle tage :-P

    • meier hans am 21.05.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      schwierig

      könnte schwierig werden, es wird alles mit security abgeriegelt.

    • Steff am 21.05.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ich nicht

      Ich leider nicht, aber das hätte ich mir gerne angeschaut :(

    einklappen einklappen
  • René Zollinger am 21.05.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät...

    Wieso jetzt plötzlich beginnen irgendwas zu schützen? In den vergangenen 10-20 Jahren wurde ja schon alles was Oerlikon ausgemacht hat platt gemacht... Jetzt wegen einem Gebäude sentimental werden ist wieder mal typisch Zürich... Den Retortenstadt-Stempel hat Oerlikon eh schon....