Gefährdete Helfer

01. März 2013 12:14; Akt: 01.03.2013 13:07 Print

Ohne Wildbienen brechen die Ernten ein

Bisher ging man davon aus, dass die Arbeit der Honigbienen genügt, um Nutzpflanzen optimal zu bestäuben. Dem ist nicht so: Ohne Wildbienen und andere Insekten sinken die Erträge der Landwirtschaft.

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Wildbienen wie die Langhornbiene, die von Pro Natura 2010 zum Tier des Jahres bestimmt worden war, sind entscheidend für reiche Ernten. In der Schweiz gibt es rund 580 Wildbienenarten. 45 Prozent von ihnen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten und bedrohten Arten. (Bild: Keystone/Pro Natura/Nicolas J. Vereecken)

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Ein grosses internationales Forscherteam mit Schweizer Beteiligung räumt mit der Vorstellung auf, dass Honigbienen alleine die Bestäubung von Pflanzen sicherstellen. Wildlebende Bienen und andere Insekten scheinen eine weitaus grössere Bedeutung zu haben.

Rund 50 Wissenschaftler hatten weltweit etwa 600 Anbauflächen entweder selbst unter die Lupe genommen oder vorliegende Studien darüber ausgewertet. Dabei untersuchten sie, ob die Honigbiene allein die Bestäubung von Mais, Raps, Obstbäumen und Co. gewährleisten kann oder ob auch andere Insekten eine Rolle spielen.

Die Resultate waren in allen untersuchten Anbausystemen eindeutig: «Egal, wie viele Honigbienen in einem Feld sind, der Ertrag wird immer gesteigert, wenn wildlebende Insekten an der Bestäubung beteiligt sind», sagte Mitautor Christof Schüepp von der Uni Bern der Nachrichtenagentur SDA.

Denn die wildlebenden Bestäuber wie Wildbienen oder Schwebfliegen sind effizienter: Wenn sie gleich viele Blüten besuchen wie Honigbienen, verdoppelt sich der Fruchtansatz, also der Anteil der Blüten, die zu Früchten werden, wie die Forscher online im Fachmagazin «Science» berichten.

«Erträge können nur dann maximiert werden, wenn auch wildlebende Insekten im Feld vorkommen», lautet Schüepps Fazit. Er hat zur Studie Daten zur Bestäubung von Kirschblüten im Berner Mittelland beigetragen.

Maximale Erträge nur mit Wildbienen

Honigbienen werden häufig als Ersatz für wildlebende Insekten betrachtet. Die Studie zeigt, dass dies nicht zutrifft: «Wir würden ohne die wilden Bestäuber einen substanziellen Teil der Ernte verlieren», betonte Mitautor Jaboury Ghazoul von der ETH Zürich, der die Bestäubung von Kaffeeplantagen in Indien erforscht, in einer Mitteilung der Hochschule.

Auch die Artenvielfalt fiel ins Gewicht: Je artenreicher die Bestäuber in einem Anbausystem waren, desto grösser war der Fruchtansatz. Auch hier fanden die Forschenden heraus, dass dies unabhängig davon ist, wie häufig Honigbienen Blüten aufsuchten, wie die ETH schreibt.

Ghazouls Sorge gilt denn auch der Insektenvielfalt und weniger der Honigbiene. «In Europa gingen in den vergangenen Jahrzehnten viele natürliche und halbnatürliche Lebensräume von bestäubenden Insekten verloren», sagte er.

Drei Viertel der Nutzpflanzen weltweit müssen obligatorisch von Insekten bestäubt werden. «Die Studie ist ein Appell an Forscher, Politiker und Landwirte, Wege zu suchen, um die wildlebenden Bestäuber in der Agrarlandschaft zu fördern», sagte Schüepp. Denn die Landwirtschaft käme nicht ohne sie aus.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • heike j. am 02.03.2013 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine lobby

    die gründe sind längst bekannt, die politik tut nicht viel bis gar nichts. bei einer konzernrettung hätte man längst milliarden rein gesteckt. schade haben bienen keine lobby.

  • Andreas am 01.03.2013 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Bienenzüchter und Greenpeace fordern ein Verbot von Bienengefärdenden Herbizieden. Die Bauernlobby kontert mit dem Argument von Ernteausfällen durch Schädlingsbefall. Welch Ironie!

    einklappen einklappen
  • Naturfotograf am 02.03.2013 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser wie auch viele andere Beiträge......

    .......zeigt doch einmal mehr wie sensiebel und komplex der Zusammenhang unserer Natur funktioniert............wir müssen wirklich ernsthaft aufpassen das dieses Gleichgewicht nicht noch mehr aus dem Lot gerät!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Naturfotograf am 02.03.2013 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser wie auch viele andere Beiträge......

    .......zeigt doch einmal mehr wie sensiebel und komplex der Zusammenhang unserer Natur funktioniert............wir müssen wirklich ernsthaft aufpassen das dieses Gleichgewicht nicht noch mehr aus dem Lot gerät!!!!

  • leserli am 02.03.2013 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Problem Mensch

    Der Mensch wird immer erst gescheiter wenn es zu spät ist. Er wird weiterhin alles zerstören und danach merken, dass man Geld nicht essen kann.

  • heike j. am 02.03.2013 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine lobby

    die gründe sind längst bekannt, die politik tut nicht viel bis gar nichts. bei einer konzernrettung hätte man längst milliarden rein gesteckt. schade haben bienen keine lobby.

  • Erika am 02.03.2013 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den Tieren helfen

    Ich werde sofort so ein Bienen Hotel kaufen. Ich liebe diese Tierchen und habe viele Blumen im Garten die immer voller Bienen sind. Ich habe schon Behausungen für Marienkäfer schlupfwespen usw. Wir müssen unseren Tieren helfen, da sie nicht mehr genug Unterschlupf finden in der Natur.

  • Henriette am 02.03.2013 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bienen

    Der Mensch selbst ist sein grösster Feind!