Müll im Meer

02. Mai 2014 17:46; Akt: 02.05.2014 22:24 Print

Ozeane sind dreckig bis auf den Grund

Forscher haben den Meeresboden im Atlantik und im Mittelmeer untersucht – und überall Müll gefunden. Selbst Tiefseegräben sind voll davon. Die Experten sind schockiert.

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Die Meere Europas sind bis hinunter in die Tiefseegräben mit Plastikmüll und anderen Abfällen verschmutzt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Christopher Pham vom Meeresforschungsinstitut der Universität der Azoren in Portugal. Bei einer weiträumigen Studie zur Müllverteilung und -dichte auf dem Meeresboden rund um Europa fand das Team an allen untersuchten Stellen Abfall, wie es im Fachjournal «PLOS one» berichtet.

Pham und seine internationalen Kollegen nutzten für ihre Untersuchung fast 600 Bild- und Videoaufzeichnungen sowie Grundschleppnetzfänge von 32 verschiedenen Stellen des Meeresbodens im Atlantik und im Mittelmeer. An all diesen Stellen lag Abfall: von den flachen Küstenregionen bis zu 4500 Meter tiefen Tiefseegräben, und selbst am 2000 Kilometer von der Küste entfernten Mittelatlantischen Rücken.

Hauptsächlich Plastikmüll

Die höchste Abfalldichte fanden die Wissenschaftler in unterseeischen Gräben wie beim Lisbon Canyon vor der Küste Portugals. Das liegt unter Umständen daran, dass diese Gräben oft die flachen Küstengewässer mit der Tiefsee verbinden. Durch sie treibt der Abfall von den Küsten in tiefere und weiter abgelegene Regionen.

Plastik, vor allem Flaschen und Plastiksäcke, stellt mit 41 Prozent den Grossteil des gefundenen Abfalls. Ein weiteres Drittel besteht aus Fischereimüll wie Netzen und Leinen. Zudem fanden Pham und seine Kollegen Glas, Metall, Holz und Papier, aber auch Keramik und zahlreiche unidentifizierte Gegenstände.

Abfall ist vor dem Mensch da

«Die grosse Menge an Abfall, die den Tiefseeboden erreicht, ist ein ernstes weltweites Problem», erklärte Pham in einer begleitenden Pressemitteilung des Fachjournals. «Unsere Ergebnisse unterstreichen das Ausmass dieses Problems und zeigen die Notwendigkeit, Massnahmen gegen eine weitere Anreicherung von Abfall im Meer zu ergreifen.»

Mitautor Kerry Howell von der britischen Universität Plymouth fügt hinzu: «Der grösste Teil der Tiefsee ist vom Menschen noch unerforscht, und viele Stellen haben wir zum ersten Mal besucht. Wir waren schockiert zu sehen, dass unser Abfall schon vor uns da war.»
Nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Dieser gefährdet die Umwelt in vielerlei Weise.

Tiere, insbesondere Meeressäuger, Schildkröten und Vögel, können sterben, wenn sie den Abfall fressen oder sich darin verfangen. Auch können beispielsweise giftige Substanzen freigesetzt oder die Ausbreitung gebietsfremder Arten gefördert werden.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernhard am 02.05.2014 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Erst wenn...

    Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

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  • Hans Muster am 02.05.2014 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei

    Der Mensch ist hirnlos, das sieht man täglich: da werden Zigarettenstummel aus den fahrenden Autos geworfen, Becher irgendwo hin gestellt, Verpackungen neben den Container, alte Billette neben den Ticketautomaten geworfen etc. etc.. Sowas kann man an einem Tag in Zürich sehen, für mich unbegreiflich. Manchmal kann ich's nicht lassen und muss meinem Unmut kundtun, was dann für Reaktionen kommen ist noch bedenklicher. Vor allem ist schlimm, das sowohl jung und alt so achtlos mit dem Abfall umgehen, dabei sollten die älteren doch Vorbilder sein...

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  • Felix Senn am 02.05.2014 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raschelsäckli

    Aber die lieben Schweizer jammern, wenn die ach so umweltfreundlichen Raschelsäckli an der Kasse abgeschafft werden. Die werden ja auch immer artig und korrekt entsorgt, deshalb findet man ja auch keine Säcke an den Büschen bei Bächen nach Hochwasser und auch keine Säcke in Baumkronen nachstarken Winden, oder? E guete beim Fisch-mit-Plastikteilen essen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Darwin am 03.05.2014 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtrag

    Ich empfehle allen das Buch: "Der Schwarm" von Schätzigng zu diesem Thema. Dort reagiert das Meer auf die Verschmutzung und zeigt auf, wie klein und hässlich der Mensch doch ist.

    • stevo am 04.05.2014 01:24 Report Diesen Beitrag melden

      Yrr #

      Habe dieses Buch vor 2 Monaten gelesen. Obwohl ich es ca. 5 Jahre verstauben lies ^^ ..ist es noch ein ziemlich aktuelles und sehr fesselndes Buch.

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  • franziskus am 03.05.2014 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pfui

    Wenn ich Abfallsäcke oder Mc Donaldstüten am Strassenrand sehe oder allein der Gedanke an all die 1000ende Zigistummel die jeden Tag aus dem Fenster fliegen..... wir sind ein dummes Tier !! Das hat mit Grün nichts zu tun, jeder packt seinen Müll zusammen, dass ist das mindeste...

  • Chris von Swiss am 03.05.2014 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denn sie wissen nicht.....

    Wir ernten die Nichterziehung! Nur weiter so!

  • Roman am 03.05.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch!

    Sehr komisch, dass darüber Forscher und Experten schockiert sind! Mich verwundert das überhaupt nicht und gewusst habe ich es auch schon vorher und ich bin kein Forscher oder Experte für solche Dinge!

  • M.Rissi am 03.05.2014 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anpacken

    Das Meer als Mülleimer wundert mich nicht was alles entsorgt wird und was via Flüsse dort landet. Gestern konnte ich beobachten wie eine Mutter Ihr Kind bei Rotlicht über den Fussgängerstreifen zerrte die Zigarette auf den Boden warf und weg war Sie. Erziehung gleich null und da wundern wir uns das wir auf eine Katastrophe zusteuern. McDonalds verpackt alles selbst wenn wir es ein paar Meter weiter im Restaurant essen niemandem kommt es in den Sinn soetwas zu verbieten dabei wäre es ja einfach McDonalds zu erziehen z.B. keine Teller und Besteck keine Betriebsbewilligung. Jeder der einmal in Singapur war weiss wie teuer es ist etwas auf den Boden zu werfen, die einzig richtige nachhaltige Möglichkeit zur nacherziehung gewisser Leute. Natürlich müssen wir bei uns selbst anfangen und das Uebel an der Wurzel fassen z.B. Plastiksäcke mehrmals verwenden etc.