Kritik am Hyperloop

14. August 2013 22:54; Akt: 15.08.2013 08:36 Print

Passen die fetten Amis in die Röhre?

von Peter Blunschi - Nach dem ersten Hype um den Hyperloop wird Kritik laut am ambitiösen Projekt von Tech-Unternehmer Elon Musk. Sie zielt auf Kosten und alltägliche Probleme.

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Mit 1200 km/h in 35 Minuten von San Francisco nach Los Angeles: Die am Montag vorgestellten Pläne für den Hyperloop, mit dem Passagierkapseln auf Luftkissen durch Röhren transportiert werden sollen, haben einen enormen Hype erzeugt. Denn im Gegensatz zu anderen utopischen Projekten werden sie durchaus ernst genommen. Das hat einen simplen Grund: Hinter Hyperloop steckt der kalifornische Unternehmer Elon Musk. Der gebürtige Südafrikaner hat mit dem Elektroauto-Hersteller Tesla und dem privaten Weltraum-Unternehmen SpaceX bewiesen, dass er vermeintlich Unmögliches möglich machen kann.

Also auch den Hyperloop? Nach der ersten Euphorie melden sich die Kritiker zu Wort. Und sie haben gewichtige Einwände. Das Grundprinzip hält man zwar für realisierbar: «Ich sehe nichts, was fundamentale Gesetze der Physik verletzt», sagte John Hansman, Professor für Aeronautik und Astronautik am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Doch die praktische Umsetzung sei ein grosses Problem: «Es dürfte enorm teuer werden. Und es gibt eine grosse Zahl an technischen Herausforderungen, etwa die Frage, wie viel Energie das System benötigt», so Hansman in der «MIT Technology Review».

Noch skeptischer zeigt sich Markus Hecht von der Technischen Universität Berlin im Spiegel Online: «Ich halte das Konzept für unrealistisch.» Er verweist auf das physikalische Problem der Abwärme, das in einer leer gepumpten Röhre kaum lösbar sei. Und: «Die Rettung der Passagiere in einem Notfall wäre extrem schwierig.» Auch andere Experten verweisen auf die Frage, wie man die Fahrgäste aus der engen Röhre evakuieren könnte.

Risiko Erdbeben

Eine spezielle Knacknuss ist die Erdbeben-Gefahr, die an der US-Westküste bekanntlich nicht zu unterschätzen ist. Der Hyperloop soll oberirdisch auf Stelzen errichtet werden, was das System flexibel macht. Es soll auch schwere Erdstösse absorbieren. Doch die Kritiker verweisen auf die enorme Geschwindigkeit der Kapseln. Sie sollen bis 1220 km/h erreichen und damit fast mit Schallgeschwindigkeit unterwegs sein. Dies führt zu einen enorm langen Bremsweg. Kann das gut gehen, wenn gleichzeitig die Röhren durchgeschüttelt werden?

Daneben stellen sich profane Alltagsprobleme. Der Einbau von Toiletten ist kaum möglich, von ihrem Gebrauch ganz zu schweigen. Die «Huffington Post» sieht zudem ein weiteres Manko: Wie geht der Hyperloop mit fetten Menschen um? In den USA keine banale Frage, Übergewicht ist hier eine Volksseuche. Mehr als ein Drittel der Amerikaner gelten als fettleibig. Die Projektskizzen sehen für einen Passagier samt Gepäck rund 100 Kilogramm vor. Doch das Durchschnittsgewicht eines Amerikaners beträgt allein etwa 90 Kilo. Ausserdem soll es in der Kapsel weniger Platz geben als in der Economy-Klasse eines Flugzeugs – wie sollen dicke Leute da reinpassen?

Unrealistische Kostenrechnung

Der mit Abstand grösste Kritikpunkt aber sind die Kosten. Elon Musk rechnet für die 600 Kilometer lange Trasse von San Francisco nach LA mit maximal 7,5 Milliarden Dollar. Das wären rund zehnmal weniger als für die geplante Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke. Doch kaum ein Experte hält diesen «Discount-Preis» für realistisch. Für den Landkauf etwa sind eine Milliarde Dollar veranschlagt. Obwohl der Hyperloop weitgehend entlang der Interstate-5-Autobahn verkehren soll, dürfte diese Summe niemals ausreichen. Auch die für den Bau der Röhren eingeplanten 5,5 Milliarden werden als deutlich zu tief beurteilt.

Für das Magazin «The Atlantic» steht fest: «Ohne umfassende Prüfung macht es keinen Sinn, Musks Plan für bare Münze zu nehmen.» Der Berliner Professor Markus Hecht hält solche Pläne ohnehin für «finanziell kaum machbar». Es verweist auf das Swissmetro-Projekt, das die grossen Schweizer Städte unterirdisch mit Geschwindigkeiten über 500 km/h verbinden sollte. Aus Kostengründen kam das Projekt nie über die Planungsphase hinaus, 2009 wurde der Förderverein aufgelöst.

Noch existiert der Hyperloop erst als rudimentäre Skizze, er soll im Open-Source-Verfahren weiterentwickelt werden. Elon Musk dürfte sich der Probleme durchaus bewusst sein. Das Projekt geniesse bei ihm nicht erste Priorität, er sei mit Tesla und SpaceX genügend ausgelastet, erklärte er am Montag. Immerhin zeigte er sich bereit, einen Prototypen zu bauen. Doch bis zur Highspeed-Reise durch den Hyperloop ist es noch ein weiter Weg.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian am 15.08.2013 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    nicht in Kalifornien

    Mehr als ein Drittel in USA, aber Kalifornien hat einen tiefen Wert bei den Übergewichtigen.

  • Roberto Haag am 15.08.2013 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    volles Rohr

    falls Oprah nicht reinpasst wird wohl der Hersteller auf Rassismus verklagt!

  • String am 15.08.2013 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Physiker

    Vor 100 Jahren hatte man denjenigen ausgelacht, der mit einer Rakete auf den Mond will. Heute haben wir mit der ISS sogar eine Basis zwischen Erde und Mond wo sich Menschen tagelang aufhalten. Solche Ideen braucht es. In 100 Jahren haben wir vielleicht keine Züge mehr sondern nur noch solche Röhren. Lacht nie jemand aus, dessen Idee zuerst verrückt klingt, eure Kinder werden von solchen Ideen mal jeden Tag davon gebrauch machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Ettsack am 15.08.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Frage

    So eng werden die Röhren nun auch wieder nicht sein. Schickt die Pfundskerle doch ohne Zug durch. Mit Vakuum sollte das funktionieren, meine ich.

  • Hüge am 15.08.2013 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Plopp!

    ... und wieder einer durch :-)

  • Oliver, Künten am 15.08.2013 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pferde vs Auto

    Diese Ängste hatten wit schon, als sas Auto das Pferd ablöste. Auch hier war der Mremsweg ein Thema.

  • Christian Barca am 15.08.2013 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Elon Musk: the new Steve Jobs!

    Der Staat Kalifornien hat ein einem Highspeedzug Bauprojekt zugestimmt, dass ca. 60 Milliarden Dollar kosten soll. Musk's Idee kostet ein zehntel dabei ist sie schneller, effizienter, sicherer, einfacher und günstiger.

  • Roberto Haag am 15.08.2013 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    volles Rohr

    falls Oprah nicht reinpasst wird wohl der Hersteller auf Rassismus verklagt!