Entscheid Ende Juni

02. Juni 2011 21:56; Akt: 02.06.2011 22:00 Print

Pfahlbau-Dörfer künftig Unesco-Weltkulturerbe?

von Martina Huber - Die Akropolis in Athen und die Pyramiden Ägyptens gehören längst zum Weltkulturerbe der Unesco. Vielleicht zählen bald auch Pfahlbau-Siedlungen im Alpenraum dazu.

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Die Pfahlbauer besiedelten zwischen 5000 und 800 vor Christus rund um die Alpen die Ufer vieler Seen. Da sich unter Wasser Holz und Pflanzenfasern nicht zersetzen, bergen ihre Siedlungen auch heute noch einen Reichtum an Alltagsgegenständen, wie er aus dieser Zeit sonst nirgendwo erhalten ist. Gegenwärtig bewerben sich bei der Unesco 111 Fundstellen aus mehreren Ländern um den Titel als Weltkulturerbe. Der Entscheid fällt Ende Juni.

Die Pfahlbauer waren Bauern

Eigentlich darf man die Pfahlbauer nicht alle in denselben Topf werfen: Die tausend bekannten Fundstellen stammen aus der Jungsteinzeit (5500–2200 vor Christus) und der Bronzezeit (2200–800 vor Christus). Die Hälfte davon liegen in der Schweiz, die restlichen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Slowenien. «Wir unterscheiden 30 verschiedene Kulturgruppen», sagt Archäologe Christian Harb vom Verein Palafittes, der die Unesco-Kandidatur vorangetrieben hat. Diese Einteilung beruhe vor allem auf Keramikfunden. «Ob die verschiedenen Kulturgruppen auch eigene Ethnien mit eigenen Sprachen waren, wissen wir nicht.»
Was die Archäologen aber wissen:

■ Die Pfahlbauer betrieben Ackerbau. Auf ihren Feldern bauten sie unter anderem Gerste, Erbsen und Weizensorten wie Einkorn, Emmer und Hartweizen an – sowie Flachs: Dessen Samen lieferten ihnen Öl, seine Fasern verarbeiteten sie zu Leinenstoff.

■ Auch die Viehzucht trug zur Ernährung bei: Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen lieferten Fleisch und Milch. Ab 3000 vor Christus wurden Rinder zudem als Zugtiere vor Wagen gespannt.

■ Jagd, Fischfang und Sammeltätigkeit ergänzten die Ernährung. Mit Pfeil und Bogen, Harpunen, Netzen und Angelruten jagten die Pfahlbauer fast alles, was sie erwischen konnten: Hirsche, Wildschweine, Fische, Vögel – auch Eichhörnchen und Igel.

■ Während der 4000 Jahre, in denen die Pfahlbauer existierten, realisierten sie auch diverse technologische Fortschritte: Beispielsweise ersetzten sie Steinbeile durch solche aus Kupfer, später durch solche aus Bronze. Aus der Zeit um 3000 vor Christus stammen auch die ältesten erhaltenen Räder.