Schweden

03. Oktober 2017 09:27; Akt: 03.10.2017 14:36 Print

Physik-Nobelpreis geht an Gravitationsforscher

Drei US-Amerikanern gelang der Nachweis der von Einstein vorausgesagten Verkrümmungen der Raumzeit. Dafür erhalten sie nun die höchste wissenschaftliche Ehrung.

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Ehrung für Zweifel an der vollständigen Rationalität der Märkte: Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler. Der Moderator des Podiums hat den US-Forscher eine Stunde vor der Verkündigung per Telefon geweckt. Bild: Screenshot nobelprize.org/Youtube Hat in seinem Testament nichts von einem Wirtschaftsnobelpreis erwähnt: Statue des schwedischen Erfinders Alfred Nobel. Ihnen gelang der direkte Nachweis von Gravitationswellen (v.l.): Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne. Der Nobelpreis für Physik geht zu einer Hälfte an Rainer Weiss. Der 1932 in Berlin geborene Weiss forscht am Massachusetts Institute of Technology... Zur anderen Hälfte geht der Preis an Barry C. Barish und Kip S. Thorne (im Bild). Albert Einstein hatte die wellenartigen Verkrümmungen der Raumzeit, vor rund hundert Jahren vorhergesagt. Ausgelöst werden diese Störungen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit wellenförmig ausbreiten, durch beschleunigte Massen. Besonders grosse kosmische Ereignisse wie die Kollision von Schwarzen Löchern oder die Explosion von Sternen erzeugt Gravitationswellen, die auf der Erde nachweisbar sind. Der Nobelpreis für Medizin geht 2017 an die US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young: Young an der Rockefeller University in New York. (2. Oktober 2017) Die drei Mediziner entschlüsselten einen fundamentalen Mechanismus, wie der Körper sich an den 24-Stunden-Tagesrhythmus anpasst: Jeffrey C. Hall, der an der Brandeis University in Waltham wirkt, vor seinem Haus in Cambridge, Maine. (2. Oktober 2017) Als ihm mitgeteilt wurde, dass er Nobelpreisträger ist, sei Michael Rosbash (auch er Brandeis University) am Telefon zuerst sehr still gewesen. (2. Oktober 2017) Begehrt Trophäe: Eine Nobelpreis-Medaille. (Archivbild 2015)

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Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht zu einer Hälfte an Rainer Weiss, zur andere Hälfte an Barry C. Barish und Kip S. Thorne. Die US-Forscher werden für ihre Beiträge zum Nachweis von Gravitationswellen geehrt.

Rainer Weiss und Kip Thorne haben das LIGO-Konsortium (für Laser Interferometer Gravitationswellen Observatorium) in den 1980er Jahren gegründet, Barry Barish hat sich insbesondere um die erfolgreiche Fortführung des Konsortiums verdient gemacht. Die drei haben damit wesentlich zum Nachweis der Gravitationswellen beigetragen, wie die schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte.

Wellenartige Verkrümmungen der Raumzeit

Albert Einstein hatte die wellenartigen Verkrümmungen der Raumzeit, vor rund hundert Jahren vorhergesagt. Ausgelöst werden diese Störungen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit wellenförmig ausbreiten, durch beschleunigte Massen. Besonders grosse kosmische Ereignisse wie die Kollision von Schwarzen Löchern oder die Explosion von Sternen erzeugt Gravitationswellen, die auf der Erde nachweisbar sind.

Ein direkter Nachweis dieser Wellen gelang jedoch erst am 14. September 2015. Zu diesem Zeitpunkt trafen Gravitationswellen, die von zwei verschmelzenden Schwarzen Löchern in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zur Erde ausgingen, auf den LIGO-Detektor und wurden von diesem als schwaches Signal aufgefangen. (Siehe Infobox)

Neue Ära der Astrophysik

Der Nachweis, der im Februar 2016 bekannt gegeben wurde, sorgte für Furore und läutete eine neue Ära der Astrophysik ein: Forschende haben damit eine neue Möglichkeit, auf Ereignisse im Universum zu «lauschen» und ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Zum LIGO-Konsortium gehören über 1000 Forschende aus 20 Ländern.

Der Nobelpreis für den sensationellen Nachweis sei nur eine Frage der Zeit gewesen, kommentiert Astrophysiker Philippe Jetzer von der Universität Zürich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die drei Preisträger hätten mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften wesentlich zum Gelingen des Unterfangens beigetragen, Weiss mehr als der Experimentator, Thorne eher als Theoretiker und Barish – neben seiner Forschungstätigkeit – als Organisator. Schade sei es trotzdem, dass der Nobelpreis nicht an Forschungskooperationen verliehen werde, so Jetzer.

Ein Kandidat bereits verstorben

Ursprünglich war neben Thorne und Weiss auch der Brite Ronald Drever ein heisser Kandidat für den Gravitationswellen-Nobelpreis, er verstarb jedoch im März 2017, sodass Barish nachrückte. Der 1940 geborene Thorne und der 1936 geborene Barish forschen am California Institute of Technology, der 1932 in Berlin geborene Weiss am Massachusetts Institute of Technology.

Indirekt wurden Gravitationswellen bereits bei zwei einander umkreisenden Neutronensternen beobachtet. Dafür bekamen die US-Astronomen Russell Hulse und Joseph Taylor 1993 den Nobelpreis für Physik.

Preis für Medizin auch an drei US-Amerikaner

Im vergangenen Jahr hatten die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz den Physik-Nobelpreis für ihre theoretischen Arbeiten zum Zustand von Materie erhalten. Den Auftakt der Nobelpreiswoche machte am Montag der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie für die drei US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Das Nobel-Komitee würdigte ihre Arbeiten zur «Inneren Uhr» von Organismen.

Die Auszeichnungen sind mit je neun Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Franken) dotiert. An Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember, werden sie in Stockholm und Oslo verliehen.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Florian Pfeiffer am 03.10.2017 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    fast schon tragisch

    Diese Herren haben es geschaft eine noch von Einstein aufgestellte Hypothese zu belegen und effektive krümmungen im Raum zu messen. Diese Erkenntnis ist Essentziell für das Verständins unseres Universums und 90% der Kommentare sind "mein Handy fällt immernoch auf den Boden"

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  • Zürcher Ex-Pat am 03.10.2017 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Grundlagenforschung für die Zukunft

    Was nützen diese Forschungen? Ganz einfach!! Im 18 Jahrhundert haben erste Physiker die Elektrizität erforscht. Damals nütze das rein gar nichts. Heute können wir ohne Elektrizität nicht leben. Die Antwort auf die Frage,"Was nützt die Forschung von Gravitationswellen" ist: "wir wissen es noch nicht" aber in 100 oder 200 Jahren wird es die Menschheit wissen und vermutlich nützen. Deshalb ist Grundlagenforschung notwendig, für die Zukunft!!

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  • schöberli am 03.10.2017 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    super brain Einstein

    war schon geil, der Einstein.. was er alles im stillen Kämmerlein mathematisch hergeleitet hat.. so dass man 100 Jahre später immer noch empirisch was zum beweisen hat..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi O am 16.10.2017 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Warum bloss?

    Warum kommen in den meisten Kategorien die weitaus meisten Preisträger aus USA mit 320 Mio. Menschen, das heisst nicht einmal 5 % der Weltbevölkerung? Und von diesen 320 Mio. leben 40 % unter der Armutsgrenze. Ist mir nicht ganz koscher. Und es erinnert mich daran, dass die Amerikaner mehr Geld ausgeben für die militärische Rüstung als alle andern Länder zusammen, wobei vieles in USA in einem maroden Zustand ist. Auch bei den Gefängnisinsassen sind die USA Spitzenreiter. Könnte es sein, dass das Nobelpreisgedingse mehr zu tun hat mit Macht und Einfluss als mit wissenschaftlicher Exzellenz?

  • Tina am 05.10.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch Ziegen melken

    ich bin immer wieder erstaunt über die wissenschafts-, forschungs- und fortschrittsfeindlichen Kommentare hier in der Rubrik Wissen. Warum lesen und kommentieren diese Leute die Artikel überhaupt, wenn sie es entweder uninteressant oder nutzlos finden? Als Newton mit einer Formel zur Gravitation kam hättet ihr wohl auch nur gesagt "und jetzt, was bringt's? kann ich dadurch meine Ziegen schneller melken?" sowas zeugt von einem sehr beschränkten intellektuellen Horizont und Verständnis. Auf der Alm bei den Ziegen sind diese Leute sicher besser aufgehoben.

    • Gerd am 05.10.2017 17:25 Report Diesen Beitrag melden

      Skepsis ist angebracht

      Eine gewisse Skepsis ist immer angebracht, wenn es mehr Fragen als Antworten gibt. Dass es überhaupt schwarze Löcher gibt, ist noch nicht einmal bewiesen, aber es ist wissenschaftlich gesichert, dass sie sich neuerdings immer häufiger verschmelzen? Oder, was ist eigentlich mit der Wellenlänge der Gravitationswellen? Den gemessenen Frequenzen von 30 bis 300 Hz entsprechen Wellenlängen (=c/f) von 1000 bis 10000 Kilometern, dagegen sind die LIGO-Arme (4 km) ausgesprochen mickrig. Wenn man sich die Beschreibungen dazu durchliest, passt das was nicht zusammen.

    • marketingleiter am 07.10.2017 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tina

      und was soll so schlecht sein auf der Alp? Lieber Ziegen melken als 8 Std in den 24 Zoll zu schauen.

    • Simi am 07.10.2017 19:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Tina

      Mir sind Skeptiker immer noch lieber als jene, welche sinnlos Menschen beleidigen. Wenn man Skeptiker nicht mit Argumenten entgegnen kann, dann sollt man es grundsätzlich sein lassen. Dann weiss man entweder selber nicht Bescheid, oder der Skeptiker hat einen Wunden Punkt getroffen..

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  • John von Neumann am 04.10.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    So viele unnütze Details erforscht, aber

    keiner scheint einzusehen, dass wir z.B. die Unendlichkeit des Universums mit unserer aktuellen Denkweise und Wissenschaft nicht erklären können. Ergo müssen wir eine andere Denkweisen resp. Logik(en) entwickeln. Wenn sein muss von Null an halt. Und vorteilhaft auch eine ganz neue Art von Computern.

  • Ernst am 04.10.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Goetzenglaube Wissenschaft

    Von wo wollen die Wissen das diese Gravitationswellen von zwei verschmelzenden Schwarzen Löchern in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zur Erde ausgingen? Kann auch sonst irgendeine Anomalie sein welche dazu fuehrte das die vier Kilometer langen Röhren, die rechtwinklig auf dem Boden liegenende LIGO Versuchsanlage um rund 1000 Mal weniger als der Durchmesser des Wasserstoffatomkerns gestaucht und gestreckt wurden. Goetzenglaube Wissenschaft .

    • Marcel am 04.10.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      Wissenschaft

      Und warum willst du das besser wissen als jemand der sein ganzes Leben daran geforscht hat? Ich denke dir fehlt einfach das Verständniss dafür wie solche Resultate erarbeitet werden. Eine Wissenschaftliche Theorie ist nicht einfach nur eine Idee!

    • Ernst am 04.10.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Mediokrität

      Deine Antwort ist ein Paradebeispiel betreffend Glauben und Nichtverstehen. Apropo ist eine Theorie immer nur eine Idee per Definition deshalb wird sie ja Theorie genannt. Wenn es bewiesen wird ist es ein wissenschaftlicher Fakt. Durch das Unterstellen meines fehlenden Verstaendnisses und des nichtverstehens meiner Aussage qualifizierst du dich klar selbst

    • yxcv am 05.10.2017 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      Mann oh Mann

      Der Begriff Theorie hat in der Wissenschaft eine andere Bedeutung als im alltäglichen Sprachgebrauch. Die Theorie beschreibt Vorgänge. Nur als Beispiel: Wenn du Autofahren lernst, dann musst du auch erstmal die Theorie dazu lernen. Die Theorie sagt, bei Roter Ampel stoppen, aber du fährst wohl einfach weiter, weil es ist ja "nur Theorie".

    • Bierernst am 05.10.2017 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Ernst

      Duden-Definition des Begriffs Theorie im wissenschaftlichen Sinne: "System wissenschaftlich begründeter Aussagen zur Erklärung bestimmter Tatsachen oder Erscheinungen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetzlichkeiten", es ist eben mehr als "nur eine Idee"

    • Alfred A. am 08.10.2017 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Ernst

      Wissenschaft ist kein Götzenglaube. Jene, die sich wissenschaftlich betätigen, benützen lediglich die Geheimsprache mit dem "M" und diese M-Sprache ist noch lange nicht allen Leuten geläufig. Übrigens: M steht für Mathematik...

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  • redred am 04.10.2017 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Relativität

    Einstein erklärte Relativität mal so: "n man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität."

    • Lokker am 04.10.2017 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      Und in echt?

      Grosse Gravitationskräfte und bzw. hohe Geschwindigkeiten beeinflussen die Raumzeit. Und diese Bedingungen variieren in Bezug und je nach Standort des Betrachters?

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