Revolution im Cockpit

26. Mai 2014 21:23; Akt: 26.05.2014 22:15 Print

Piloten steuern Flugzeuge nur mit Gedanken

Allein durch gedachte Kommandos ist es Piloten gelungen, ein Flugzeug zu steuern – im Simulator. Nun wollen die Forscher die Technik ins echte Cockpit bringen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Fliegen wie von Geisterhand – was nach Science Fiction klingt, könnte in Zukunft tatsächlich möglich sein. Denn erstmals haben Piloten ein Flugzeug allein mit der Kraft ihrer Gedanken gesteuert. Dies zwar nur in der geschützten Umgebung des Labors, dafür aber mit überraschender Genauigkeit. Das teilte die Technische Universität München (TUM) am Montag mit.

Damit Mensch und Maschine kommunizieren können, werden die Gehirnströme der Piloten mithilfe von Elektroenzephalografie-Elektroden (EEG) gemessen, die mit einer Haube verbunden sind. Die Ströme werden dann in Steuerbefehle umgewandelt. «Es ist nicht so, dass direkt Gedanken gelesen werden, sondern in dem Experiment stellt sich der Pilot Bewegungen seiner Hände vor. Wenn er das nicht macht, fliegt das Flugzeug im Idealfall geradeaus weiter», sagt Luft- und Raumfahrtingenieur Tim Fricke, der das Projekt leitet.

Denke der Pilot etwa ans Essen, ändere das nichts an der Flugbahn, da bei Hunger andere Neuronen aktiv würden. «Es ist meines Wissens das erste Mal, dass das in einem realitätsnahen Simulator gemacht worden ist», sagt Fricke. Es habe aber schon ähnliche Experimente mit Drohnen und mit Autos gegeben.

Hirnströme für das Lenken

Bei dem Gemeinschaftsprojekt der TU München mit der TU Berlin werden speziell jene Hirnströme gemessen, die für das Lenken zuständig sind. Das Ziel der Forscher für die Zukunft ist es allerdings, dass es andersherum funktioniert. «Nämlich dass man als Mensch lernt, Hirnströme zu erzeugen und zu lenken – wie man lernt, ein Musikinstrument zu spielen», ergänzt Fricke. Auch dazu gebe es bereits Versuche.

Bei dem Flugtest stiegen sieben Probanden mit unterschiedlichem Kenntnisstand in den Flugsimulator. Ein Teilnehmer hatte gar keine praktische Erfahrung im Cockpit. Die Genauigkeit, mit der die Versuchspersonen allein durch gedachte Kommandos den Kurs halten konnten, hätte teils sogar den Anforderungen einer Flugschein-Prüfung genügt, sagte Fricke. Auch der Landeanflug bei schlechter Sicht sei einigen gut gelungen.

Umsetzung in weiter Ferne

Die Forscher beschäftigen sich nun mit Anforderungen an das Steuerungssystem und die Flugdynamik. Der Pilot spürt normalerweise Widerstände bei der Steuerung und muss Kraft aufwenden, wenn das Flugzeug zu sehr belastet wird. Das fällt beim hirngesteuerten Fliegen weg. Daher müsse der Pilot auf alternativen Wegen eine Rückmeldung erhalten, ob er etwa das Flugzeug zu stark beansprucht.

Die Forscher wollen ihr Projekt Ende September beim Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress vorstellen. Bis zur Anwendung werde es aber noch lange dauern, sagt Fricke: «Bis es überhaupt die technische Reife erlangt hat, vergehen sicher noch Jahre, Jahrzehnte.»

(fee/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Suzanne am 27.05.2014 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Hat Clint Eastwood 1982 in Firefox auch schon gezeigt.

  • Peter Ilot am 26.05.2014 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gedanken ...

    Aha ... Hoffentlich denkt sich keiner "Scheisse" !

    einklappen einklappen
  • mags frisch am 26.05.2014 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uiuiui

    Hoffendlich denkt der Pilot nicht plötzlich an seine Ferien!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike H am 27.05.2014 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fliegen können ist was anderes

    Schon mal daran gedacht dass ein Pilot zu 95Prozent nicht mit fliegen beschäftigt ist? Für das ist ja der Autopilot. Ich fliege selber, und denke dabei äusserst selten was ich mache obwohl ich keinen Autopiloten habe. Beim Velofahren studiert wohl auch niemand welche Bewegung man machen muss.

  • MaxMonti Calvary am 27.05.2014 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was genau...

    macht nun den Vorteil, gegenüber der manuellen Steuerung aus? Werden dann nur noch Leute ohne Hände und Füsse als Piloten zugelassen oder geht man davon aus, dass der Grossteil der Bevölkerung in Zukunft ohne Gliedmasen auskommen muss? Hier ist, aus meiner Sicht, die Kosten-Nutzen-Frage absolut angebracht.

  • D.Kluge am 27.05.2014 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Unausgereift !!

    Also wenn ich mir das Video genauer betrachte ist das ganze wohl noch nicht so ganz ausgereift. Rechts-Links-Rechts.... Hin und Her. Wo ist da die Mittelstellung? Also ich möchte so nicht Landen... Und wenn der Pilot mal niesen muss machen wir dann einen Looping ?!?! ;-)

  • Strub am 27.05.2014 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abkürzung nach hause?

    und wenn man an die freundin denkt donnert man ihr ins haus oder wie kann man sich das vorstellen?

    • Markus W. am 27.05.2014 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      sowas ähnliches hab ich mir auch gedacht. Ein falscher gedanke und alles ist aus :) das ist wie wenn ich sage: Milch! woran denkst du dann?? genau...

    einklappen einklappen
  • Hanspeter Niederer am 27.05.2014 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliche Forschungsprojekte

    Da gibt es nur eines: dieser Uni die Forschungsgelder kürzen, sodass das Geld nur noch für sinnvolle Projekte verwendet werden kann und nicht sinnlos verbrannt wird wie in diesem Fall. Diese Steuerungsmethode wird nämlich den Stress des Piloten ENORM ERHÖHEN, da er seine Gedanken IMMER unter Kontrolle halten muss. Aber vermutlich geht es sowieso nur um zukünftige Gedankenkontrolle der Bürger im anbrechenden Orwell-Zeitalter.

    • Kain Neiderer am 27.05.2014 20:08 Report Diesen Beitrag melden

      Vielleicht geht es aber auch darum:

      Vielleicht geht es aber auch darum, Wachkomapatienten eine Möglichkeit der Kommunikation zu bieten, oder Querschnittsgelähmten eine gewisse Mobilität zu geben. Dass es sich hier um Flugzeuge als Forschungsobjekt geht, heisst ja nicht, dass man diese Kontrolle durch Gedanken nicht auch auf andere Bereiche anwenden kann.

    • Hanspeter Niederer am 28.05.2014 19:16 Report Diesen Beitrag melden

      Danke für die positive Variante

      @ Kain Neiderer: Ich hoffe einfach, Sie unterschätzen die Kontrollwut und Skrupellosigkeit der Geld-Eliten dieses Planeten nicht. Aber schön wäre es, wenn sich grossmehrheitlich Ihr Szenario durchsetzen würde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

    einklappen einklappen