Zu wenig Weibchen

07. Januar 2019 13:18; Akt: 07.01.2019 13:18 Print

Männerüberschuss macht den Pinguinen zu schaffen

Schlechte Nachrichten aus Punta Tombo: Nicht nur sinkt die Zahl der dort lebenden Pinguine, auch deren Geschlechterverhältnis verschiebt sich.

Bildstrecke im Grossformat »
So sieht es im Tierschutzreservat Punta Tombo in Patagonien für gewöhnlich aus: Hunderttausende Magellan-Pinguine kommen hier alljährlich zum Brüten vorbei. Die Frage ist jedoch: Wie lange noch? (Im Bild: Magellan-Pinguine in Punta Tombo, 2004) Nicht nur ist die Population in den letzten 30 Jahren um 40 Prozent eingebrochen, es gibt auch einen gehörigen Männchenüberschuss. Kamen in den 1980er-Jahren nur 1,5 Männchen auf ein Weibchen, kommen mittlerweile drei Männchen auf eine potentielle Partnerin. Laut Forschern um Natasha Gownaris von der University of Washington liegt das daran, dass bei den Jungtieren überdurchschnittlich viele Weibchen verenden und nach dem Aufenthalt im Meer nicht mehr an Land zurückkehren. Der Anteil der überlebenden Männchen ist mit 17 Prozent demnach um ein Drittel höher als bei den Weibchen, von denen nur 12 Prozent den ersten Winter überleben. Dieses Ungleichgewicht nimmt gemäss den Daten erst mit zunehmendem Alter ab. (Im Bild: Pärchen am Brutplatz) Doch warum trifft es vor allem weibliche Tiere? Die Forscher vermuten Nahrungsmangel als Ursache. So zeigten Studien an tot an die Strände gespülten Pinguinen, dass die überwiegend weiblichen Opfer häufig an Unterernährung starben. Diese könnte sowohl natürliche als auch von Menschen gemachte Gründe haben. So könnten etwa veränderte Ozeanströmungen dafür gesorgt haben, dass Sardellenschwärme, die die Hauptnahrung der Vögel darstellen, kleiner ausfallen oder ganz ausbleiben. Gleiches könnte allerdings auch durch den kommerziellen Fischfang verursacht worden sein. Weitere Studien sollen das nun klären, denn ... ... die Zeit drängt laut den Forschern. Derart dramatisch verschobene Geschlechterverhältnisse wie in Punta Tombo könnten dazu führen, dass eine Art langfristig ausstirbt. Auch an anderen Orten auf der Welt geht es Pinguinen schlechter als auch schon. So wurde 2017 bekannt, dass in der Antarktis tausende Pinguinküken verhungerten – während sie an Land auf ihre Eltern warteten. (Symbolbild) Aus der Kolonie mit rund 18'000 Adelie-Pinguinenpaaren hatten nur zwei Küken die Brutsaison überlebt. (Symbolbild) Französische Wissenschaftler sehen veränderte Umweltbedingungen in der Region nach dem Abbruch des Mertz-Gletschers als Ursache für die Tragödie. (Symbolbild) Durch das Abbrechen im Jahr 2010 habe sich der Meeresabschnitt vor der Pinguin-Kolonie verändert. Aber auch Temperaturschwankungen und Windstärken und Windrichtungen seien Einflussfaktoren.(Symbolbild) All das führt laut den Forschern dazu, dass Pinguingeltern nach der Suche nach Nahrung weitere Strecken zu Fuss zurücklegen müssen. Teilweise seien sie so lange unterwegs, dass die Babys in der Zwischenzeit verhungerten. (Symbolbild)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Tierschutzreservat Punta Tombo im argentinischen Patagonien ist die Heimat Hunderttausender Magellan-Pinguine (Spheniscus magellanicus). Jedes Jahr kommen Brutpaare dorthin, um ihre Jungen aufzuziehen. Doch es werden immer weniger. In den letzten drei Jahrzehnten ist die Population um 40 Prozent eingebrochen.

Umfrage
Was halten Sie von Pinguinen?

Doch das ist noch nicht alles, wie Forscher um Natasha Gownaris von der University of Washington im Fachjournal «Ecological Applications» schreiben: Auch die Zahl der Weibchen ist dramatisch eingebrochen.

Kamen in den 1980er-Jahren nur 1,5 Männchen auf ein Weibchen, kommen mittlerweile drei Männchen auf eine potentielle Partnerin.

Weibchen sterben eher

Um den Ursachen auf den Grund zu gehen, werteten sie die Daten von sogenannten Beringungsstudien aus, die seit 1982 in der Region durchgeführt werden. Aus diesen lässt sich ablesen, wie viele Tiere jeweils vom Meer zurück zu den Nistplätzen finden und wie viele auf hoher See sterben.

Die Auswertung zeigte den Biologen, dass bei den Jungtieren überdurchschnittlich viele Weibchen verenden und nicht mehr an Land zurückkehren. Der Anteil der überlebenden Männchen ist mit 17 Prozent demnach um ein Drittel höher als bei den Weibchen, von denen nur 12 Prozent den ersten Winter überleben. Dieses Ungleichgewicht nimmt gemäss den Daten erst mit zunehmendem Alter ab.

Unterernährung – natürlich oder menschengemacht

Doch warum trifft es vor allem weibliche Tiere? Die Forscher vermuten Nahrungsmangel als Ursache. So zeigten Studien an tot an die Strände gespülten Pinguinen, dass die überwiegend weiblichen Opfer häufig an Unterernährung gestorben waren.

Woher diese Unterernährung kommt, ist noch offen. Sie könnte gemäss Gownaris und ihren Kollegen sowohl natürliche als auch von Menschen gemachte Gründe haben. So könnten etwa veränderte Ozeanströmungen dafür gesorgt haben, dass Sardellenschwärme, die die Hauptnahrung der Vögel darstellen, kleiner ausfallen oder ganz ausbleiben. Gleiches könnte allerdings auch durch den kommerziellen Fischfang verursacht worden sein.

Weitere Studien sollen das nun klären. Die Zeit drängt laut den Forschern. Derart dramatisch verschobene Geschlechterverhältnisse wie in Punta Tombo könnten dazu führen, dass eine Art langfristig ausstirbt.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seppetoni am 07.01.2019 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist, wie es ist

    In der Natur gibt es weder eine Funincello noch eine Partei die ständig nach Quoten ruft.

    einklappen einklappen
  • Remi am 07.01.2019 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues.

    Und anderswo bei Flüssen usw. gibt es aufgrund Hormone im Abwasser immer mehr zeugungsunfähige Männchen/verweiblichte Fische. Auf der Welt sind noch weitere Probleme "hausgemacht".

  • Tobi am 07.01.2019 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Männchen die besseren Jäger?

    Das problem ist ja nicht der männchenüberschuss sonder das sterben der schwachen weibchen. Müsste eigentlich der Titel sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • penguina am 08.01.2019 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lach mich tot

    echt jetzt? "ich habe Angst vor ihnen"? wer bitteschön hat Angst vor penguinen? mal wieder eine tolle Umfrage des 20sekunden Teams

  • Peter am 08.01.2019 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    macht Euch nix draus

    Bei mir ist die Frauenqoute noch um einiges tiefer...

  • Der böse Pinguin am 08.01.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Same Same

    Gleiches Problem hier, nur andere Art und Gattung.

  • Oskar Hunziker am 07.01.2019 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ausselektioniert

    Bei den Menschen vor allem in der dritten Welt werden Mädchen abgemurckst und den sogenannten Herren der Schöpfung wird der Rote Teppich ausgerollt ! Von mir aus könnte es lieber anders rum sein obwohl ich selber auch Männdlich bin ! Finde Frauen einfach besser !

  • Weibchen am 07.01.2019 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    uns auch

    uns auch, aber wir werden trotzdem mit jungen testosteron gesteuerten fremden Männern überrollt