Vorteil für Junge

20. November 2015 10:53; Akt: 20.11.2015 10:53 Print

Politisch korrekte Sprache hilft bei der Berufswahl

von D. von Wartburg - Die männlichen und weiblichen Jobbezeichnungen zu benutzen nervt viele. Doch sie wirken positiv auf die Berufswahl, zeigt eine Studie.

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Pilotin Julia Büsser: derzeit eine von wenigen Frauen in einem Flugzeug-Cockpit. (Bild: Helvetic Airways)

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Pilot und Pilotin: Oft wird gefordert, die männliche und die weibliche Form zu verwenden – der politischen Korrektheit zuliebe. Nur nervig und unnötig, finden viele. Doch: «Die sogenannte geschlechtsneutrale Sprache lohnt sich», sagt Pascal Gygax von der Uni Freiburg. Denn so werden nachweislich Stereotype in Berufen bekämpft (siehe Interview unten).

Das zeigt der Psychologe in einer neuen Studie. Er stellte über 220 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in Vorträgen verschiedene Berufe vor. Die eine Gruppe erhielt Präsentationen mit stereotypen Berufsbezeichnungen, etwa Bauarbeiter oder Kindergärtnerin. Bei der anderen wurde zusätzlich jeweils die weibliche beziehungsweise die männliche Form genannt.

Wirkung bei Frauen und Männern

Das Ergebnis: Wenn beide Formen benutzt wurden, sahen sich mehr Mädchen als Mechanikerin oder Informatikerin. Genauso war es für die Jungs bei weiblich geprägten Berufen: Plötzlich wurde etwa der Kindergärtner zu einer Perspektive.

Zudem trat noch ein weiterer Effekt auf, der selbst die Forschenden überraschte: Die zusätzliche weibliche Bezeichnung bei typisch männlichen Jobs sorgte gar dafür, dass auch die befragten Jungs diesen Beruf attraktiver fanden.

«Viele setzen die Prioritäten falsch»

20 Minuten hat beim Autor der Studie, dem Psychologen Daniel Gygax, nachgefragt, ob es tatsächlich so entscheidend ist, die männlichen und weiblichen Jobbezeichnungen zu benutzen.

Herr Gygax, sind Jugendliche nicht selber schuld, wenn sie sich von Berufsbezeichnungen abschrecken lassen?
Nein. Dies ist eine unbewusste Reaktion, für die die Jugendlichen nichts können und mit der man sie nicht allein lassen darf. Um Geschlechtertrennung in Berufen zu bekämpfen, ist die Nennung beider Formen ein effektives Mittel.

Aber mit Arzt oder Pilot sind doch beide Geschlechter gemeint. Genügt das denn nicht?
Nein. Das Mitmeinen reicht nicht. Man muss die Jugendlichen aktiv ansprechen, um sie abzuholen. Wer mehr Informatikerinnen im Markt möchte, muss auch wortwörtlich nach Informatikerinnen suchen.

Wie bleiben geschlechterneutrale Texte trotzdem noch lesbar?
Es gibt Wege, die Doppelform zu umgehen. Statt von Lehrer und Lehrerin kann man von Lehrkräften sprechen. Das braucht nicht mehr Platz, spricht aber alle an. Ob man das beachtet, ist eine Frage der Priorität. Und die setzen viele falsch. Ich persönlich finde es wichtiger, Geschlechterstereotype aufzuheben, als an simpler Sprache festzuhalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D_ArtagnanII am 20.11.2015 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergenderung

    Ich finde einen anständigen Umgang miteinander wichtiger, als alles zu verweiblichen oder vermännlichen in der Sprache. Dann ist der Mechaniker halt weiblich, na und? Heisst es korrekt "die Mechanik, die Mechaniker (in Einzahl)? Es treibt ja manchmal wirklich seltsame Blüten und am Besten wäre eh die in jeder Beziehung korrekte Bezeichnung z.B. "Lehrkraft".

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  • huschmie am 20.11.2015 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lesen sie die Packungsbeilage

    Am schlimmsten sind die Packungsbeilagen bei Medikamenten. Die sind jetzt doppelt so lange nur weil immer Arzt und Aerztin, Patient und Patientin und Apotheker und Apothekerin geschrieben werden muss. Ein Verschwendung von Papier nenne ich das.

  • Garstig am 21.11.2015 01:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach ignorieren

    Lasst euch doch nicht abschrecken von Stelleninseraten nur für Männer oder nur für Frauen. Wenn es einen echten Grund gibt, warum sie unbedingt einen Mann/eine Frau brauchen, dann schicken sie euch einfach eure Bewerbung zurück. Vielleicht gefällt ihnen aber gerade, dass ihr euch nicht so leicht abschrecken lasst, und geben euch dafür eine Chance.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kraftperson am 22.11.2015 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Person oder Kraft?

    Genau - Anstatt von Lehrerinnen und Lehrern sprechen wir von Lehrkräften oder Lehrpersonen. Entsprechend heisst es auch nicht mehr Schülerinnen und Schüler, sondern Schulpersonen oder Schulkräfte! (ggf. Schulpersönchen oder Schulkräftchen).

  • Genderquer am 21.11.2015 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Genderisierung nervt

    Die ganze Genderisierung ist in den allermeisten Berufen völlig überflüssig. Ich bin der Meinung im Berufsleben sind wir alle einfach nur Menschen, egal ob männlich oder weiblich.

    • ArbeiterIn am 22.11.2015 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Genderquer

      Da stimme ich doch zu, liebe KommentatorIn. Weil in der weiblichen Form die männliche immer enthalten ist, sollte der Einfachheit halber immer diese angewendet werden.

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  • Garstig am 21.11.2015 01:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach ignorieren

    Lasst euch doch nicht abschrecken von Stelleninseraten nur für Männer oder nur für Frauen. Wenn es einen echten Grund gibt, warum sie unbedingt einen Mann/eine Frau brauchen, dann schicken sie euch einfach eure Bewerbung zurück. Vielleicht gefällt ihnen aber gerade, dass ihr euch nicht so leicht abschrecken lasst, und geben euch dafür eine Chance.

  • flamingo am 21.11.2015 01:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch super

    es stimmt nunmal, man fühlt sich unterbewusst eher angesprochen. die endung klärt automatisch die frage, ob für einen bestimmten job auch frau/mann gesucht wird. ausserdem verändert sich sprache ständig. ich benutze beide formen täglich und es ist weder störend noch anstrengend. wer zu faul ist um 1 wort mehr zu sagen als sonst, hat vermutlich noch ganz andere probleme.

  • huschmie am 20.11.2015 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lesen sie die Packungsbeilage

    Am schlimmsten sind die Packungsbeilagen bei Medikamenten. Die sind jetzt doppelt so lange nur weil immer Arzt und Aerztin, Patient und Patientin und Apotheker und Apothekerin geschrieben werden muss. Ein Verschwendung von Papier nenne ich das.