Fliegender Gefechtsstand

07. Januar 2016 07:14; Akt: 07.01.2016 07:14 Print

Putins bombensichere Kommandozentrale

Russland hat einen Jet in Betrieb genommen, der es Präsident Putin auch bei einem Atomkrieg erlaubt, die Kontrolle über seine Streitkräfte zu behalten.

Die Il-80 startet von ihrem Stützpunkt, dem Militärflugplatz Tschkalowski nordöstlich von Moskau. (Video: Youtube/FILINVIDEO)
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Sie werden Doomsday Planes (Flugzeuge des Jüngsten Gerichts) genannt: Düsenjets, die es den Grossmächten erlauben, selbst im Falle eines Nuklearangriffs oder einer Naturkatastrophe militärisch handlungsfähig zu bleiben.

Die Maschinen sind fliegende Kommandozentralen, vollgestopft mit allen erdenklichen Kommunikationstechnologien. So können sie im Ernstfall mit jedem Punkt auf dem Globus in Kontakt bleiben und die dortigen Verbände befehligen.

Putins neuer Jet

Nun haben die russischen Streitkräfe ein neues Doomsday Plane in Betrieb genommen. Wobei neu in diesem Zusammenhang ein relativer Begriff ist. Als Basis für das Flugzeug mit der Nato-Bezeichnung «Maxdome» dient eine Iljuschin Il-80. Die stark modifizierte Version des Il-86 Passagierjets stammt aus den 1980er-Jahren. Insgesamt nutzt das russische Militär vier Exemplare.

Im Innern ist der fliegende Gefechtsstand aber auf dem neuesten Stand der Technik. Seine Bestimmung ist es, im Fall eines Atomkriegs das Leben von hochrangigen russischen Entscheidungsträgern wie Präsident Wladimir Putin zu schützen.

Es hat deshalb ausser im Cockpit keinerlei Fenster und verfügt über Verstärkungen, um es gegen Strahlung und Druckwellen zu schützen. Unter mehreren Kuppeln verbergen sich Antennen und Installationen, die die Kommunikation mit den Streitkräften gewährleisten – auch mit abgetauchten Atom-U-Booten. Was sich genau im Innern der Il-80 verbirgt, ist streng geheim.

Spezial-Jumbos in den USA

Neben Russland verfügen auch die USA mit ihren E-4B über Doomsday Planes. Dabei handelt es sich um modifizierte Jumbos vom Typ B747-200, die offiziell als «National Airborne Operations Center» (Nationale Lufteinsatzzentrale) bezeichnet werden. Die Air Force verfügt über vier solche Maschinen.

Sie sollen den Verteidigungsminister, die Generalstabschefs und hochrangige Militärs im Angriffs- oder Katastrophenfall aufnehmen, damit diese die Streitkräfte aus der Luft weiter befehligen können. Sollten die E-4B ausfallen, können die E-6B Mercury der US-Marine einspringen. Von den auf der Boeing 707 basierenden Flugzeugen kann im Falle eines nuklearen Konflikts ebenfalls die Atom-U-Boot-Flotte geführt werden.

Da die E-4B im Gegensatz zu den vom US-Präsidenten als Air Force One genutzten VC-25 (ebenfalls modifizierte 747) in der Luft aufgetankt werden können, benutzt auch dieser ab und zu eines der «National Airborne Operations Center» auf längeren Strecken. Zudem folgt auf Auslandreisen oft eine E-4B der Air Force One als Back-up.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürgerwürger am 07.01.2016 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    ist schon wichtig, dass man auch noch den Rest der Welt verüsten kann, wenn das eigene Land im Schut und Asche liegt. Auge um Auge...

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  • Jan am 07.01.2016 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt

    Die 707 stammt aus den 60-er und die 747-200 aus den 70-er... Also noch älter

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  • Geistlicher am 07.01.2016 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand interessierts. Alle wissen..

    Ach ist wiedermal Waffenschau .. Ich hoffe sie probieren sie auch gleich aus wieso sonst würden sie sie bauen.. Zum drohen? Zum Angst verbreiten? Zum Macht demonstrieren? Also ich kenne unendlich Mächtigeres und das kommt direkt aus dem Herzen.. Gratis.. Vielleicht deswegen will es niemand..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rapinsel am 07.01.2016 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Give Peace a Chance

    Man sollte in allen Ländern das Militär verbieten und das Geld das man einspart den Menschen aushändigen. Dann gäbe es keine Waffen mehr, kein Militär, keinen Krieg und keine Gewalt. Und die Leute bekämen sogar noch Geld vom Staat. Der Mensch ist ein gutes Wesen, wenn man ihn nicht bedroht, und ihm ein gutes Leben ermöglicht, hat er keinen Grund anzugreifen. Aber weil jedes Land Militär hat, fühlen sich alle immer bedroht. Ein Teufelskreis! Und schuld sind die Mächtigen und das Militär!

    • Kev66 am 07.01.2016 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rapinsel

      Und in vielen Ländern bekämen die Leute bei Naturkatastrophen keine Hilfe.

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  • Geländewinkel am 07.01.2016 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geballtes Wissen....

    Wenn man all die fundierten Kommentare der Strategie- und WAffenexperten liest - zweifellos alles Absolventen einer höheren Offiziersausbildung sowie der Militärwissenschaften an der ETH - merkt man erst, was man als simpler Artillerie-Korporal alles verpasst hat.

  • Mike am 07.01.2016 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    VC-25

    Die VC-25 oder Air Force One kann ebenfalls in der Luft aufgetankt werden.

  • Mc Gyver am 07.01.2016 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Beobachtungen

    Interessante Details dieser Maschine: Keine Fenster, im Gegensatz zur zivilen Version. Zusatztanks unter den Flügeln - das erste Mal das ich so etwas bei einem Flugzeug dieser Art sehe. Der Buckel oben drauf erscheint mir wahnsinnig aerodynamisch ... - Einfluss auf Flugeigenschaften und Reichweite. Keine Möglichkeit für Luftbetankung entdeckt - seltsam.

  • Barac Kobama am 07.01.2016 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    air force one luftbetankung möglich

    ehm ich sah erst grade auf galileo eine reportage über die air force one und dort sagten sie, dass man die air force one auch per luft betanken kann!