Klimawandel

26. September 2012 07:54; Akt: 26.09.2012 10:59 Print

Regen bringt Tieren der Arktis den Hungertod

Es wird mild - und gerade deshalb wird der nächste Winter hart. Ein Paradox? Nicht für die Tiere am Nordpol: Weil Regen statt Schnee niedergeht, legt sich eine Eisschicht über ihre Futterquellen.

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Dicke Eisschicht als Lebensgefahr: Rentiere und Feldmäuse drohen diesen Winter zu verhungern, wenn die Niederschläge zunehmen und das Eis über Essbarem anwächst.

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Der Klimawandel könnte im Nordpolargebiet für Rentiere und Feldmäuse verheerende Folgen haben. Beide Säugetierarten reagieren ähnlich auf milde Winter und damit einhergehende Regenfälle, wie norwegische Forscher in der Fachzeitschrift «Biology Letters» berichten.

Regen statt Schneefall führt zu mehr Bodeneis im Winter, sodass die Tiere weniger Futter finden. Bodeneis entsteht, wenn im Winter Regen auf den liegenden Schnee fällt. Das Wasser gefriert wegen der tiefen Bodentemperatur und deckt Futterpflanzen mit einem regelrechten Eispanzer zu.

Die Wissenschaftler um Audun Stien vom Norwegischen Institut für Naturforschung in Tromsø vermuten, dass das zu einer starken Bedrohung für die Tiere werden könnte. Wegen des Klimawandels könnte es im Winter in der Nordpolregion in Zukunft häufiger regnen als bislang.

Für ihre Langzeitstudie von 1995 bis 2011 haben die Wissenschaftler Rentiere und Feldmäuse auf Spitzbergen, einer Inselgruppe im Nordpolarmeer, gezählt. Dort sind die beiden Tierarten die einzigen pflanzenfressenden Säugetiere.

Mehr Regen lässt Populationen schrumpfen

Die Forscher stellten fest, dass sich die Anzahl beider Tierarten durch das Wetter veränderte. Am stärksten gingen beide Tierpopulationen zurück, nachdem mehr als 15 Millimeter Regen auf Schnee gemessen worden waren.

Während der Studie schwankte die Anzahl der Mäuse an einem bestimmten Ort zwischen 0 und 286 und die der Kälber pro weiblichem Rentier zwischen 0,16 und 0,8. Trotz der unterschiedlichen Lebensräume und Eigenschaften von Mäusen und Rentieren habe das Wetter auf beide Tierarten ähnliche Auswirkungen, schreiben die Wissenschaftler.

Sie hoffen, durch diese Erkenntnisse die Entwicklung der Tierpopulationen bei künftigen Klimaveränderungen besser vorhersagen zu können.

(sda)