Ganz ohne Seile

25. Juni 2017 18:24; Akt: 25.06.2017 18:24 Print

Revolutionärer Lift fährt auch horizontal

Er funktioniert wie eine Magnetschwebebahn und fährt nicht nur in die Höhe, sondern auch quer: ein neuer Lift aus Deutschland.

Die Technik hinter dem neuartigen Lift. (Video: Tamedia/Thyssenkrupp)
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Seit Elisha Graves Otis 1853 den absturzsicheren Lift erfunden hat, hat sich am Grundprinzip kaum etwas geändert. Die meisten Lifte bestehen auch heute noch aus einer Kabine, die an einem Seil hängt und auf Knopfdruck nach oben oder unten fährt. Konstruktionsbedingt sind andere Richtungen nicht möglich.

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Das soll sich ändern. Ähnlich wie die Turbolifte an Bord des Raumschiffs Enterprise soll eine Neuentwicklung des deutschen Industriekonzerns Thyssenkrupp sich auch horizontal bewegen können. Möglich macht das ein neuartiges Antriebsprinzip, das sich die deutschen Ingenieure bei der Magnetschwebebahn Transrapid abgeschaut haben.

Statt an einem Seil nach oben gezogen zu werden, treiben wandernde Magnetfelder die Kabine an. In einem über 200 Meter hohen Turm, der zu Testzwecken nahe dem baden-württembergischen Rottweil gebaut wurde, erreichen die Kabinen eine Geschwindigkeit von 5 Metern pro Sekunde.

Eine Metro für Gebäude

Pro Schacht können gleich mehrere Kabinen unterwegs sein, was die Wartezeiten verkürzen soll. Im Testschacht sind sogenannte Exchanger eingebaut, an denen die Kabinen ihre Bewegungsrichtung ändern können. «Das ist wie eine Metro für Gebäude», sagte einer der leitenden Ingenieure zu Spiegel.de.

Gedacht ist der Lift, den Thyssenkrupp den Multi nennt, besonders für Wolkenkratzer mit über 300 Metern Höhe. Zurzeit sind weltweit etwa 180 dieser sogenannten Supertalls im Bau. Dort wird er nicht in jeder Etage halten, sondern nur alle 50 bis 100 Meter. Häufigere Halte lohnen sich aufgrund des Antriebssystems nicht.

Die Feinverteilung der Leute übernehmen dann konventionelle Lifte. Man kommt also ums Umsteigen, wie es in solchen Gebäuden auch heute schon nötig ist, auch mit dem neuen System nicht herum. Allerdings könnte man durch den Einsatz des Multis viel Zeit sparen und die Transportkapazität um 50 Prozent erhöhen.

Vierstufiges Bremssystem

Auch an die Sicherheit wurde gedacht. Bei einem Stromausfall soll ein vierstufiges Bremssystem die mit Batterien ausgestatteten Kabinen vor einem Absturz sichern. Zudem sorgt ein mechanisches Fangsystem für Sicherheit.

Nach Angaben des Unternehmens kann mit dem Multi auch der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Durch weniger und kleinere Schächte soll auch bis zu 25 Prozent mehr nutzbare Gebäudefläche zur Verfügung stehen.

Thyssenkrupp hofft, bis zum Ende des Jahrzehnts die Zulassung für das System zu erhalten. Ein erster potenzieller Kunde konnte schon gewonnen werden. Die Bauherren des geplanten East Side Tower in Berlin haben erklärt, in den 140 Meter hohen Büroturm Multis einbauen zu wollen.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Justus100 am 25.06.2017 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Ich frage mich ja echt was tamedia an das webvideo beigetragen hat um 10s werbung zu rechtfertigen

  • Patriot1291 am 25.06.2017 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schindler Aufzüge

    Ich wünsche in Zukunft weiterhin in Schindler Aufzüge fahren zu können. Bitte dem technologischen Fortschritt der Deutschen Ingenieurkunst am Fersen bleiben. Hopp Schwiiz!

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  • D. Düsentrieb am 25.06.2017 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autoliftroom

    Könnte diese Liftkabine auch als Auto benützt werden, wäre er vollkommen Perfekt. So quasi wie ein bestandteil einer Wohnung, vielleicht auch nutzbar als zusätzlicher Raum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • toschi am 26.06.2017 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Toll, aber der Energieverbrauch?

    Die 2000 Watt Gesellschaft lässt grüssen...

  • Stefan am 26.06.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Copyright

    Wieso wird hier das Logo von Thyssenkrupp am Ende entfernt, das ist deren Video. Schon fast eine Frechheit einfach noch das Tamedia Webvideo Logo hinzuklatschen.

  • Bakkar am 26.06.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Na endlich!

    Da sag noch mal einer Träume sind Schäume. Ich hab seit der Kindheit immer wieder von Träume gehabt, in denen ich auch quer Lift gefahren bin. War ich wohl nicht der Einzige.

    • Simone am 26.06.2017 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bakkar

      Genau. Habe auch Träume in denen ich kreuz und quer Liftfahre.

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  • Rodgar am 26.06.2017 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Klingt super

    In alle Richtungen bewegt werden, Mehrere Kabinen gleichzeitig? Das ist sicher Interessant für Flughäfen oder grössere Bahnhöfe: Auf dem Parkdeck Self-CheckIn, einsteigen, während der Fahrt gibt es den BodyScan, wenn bestanden gehts zum Terminal, sonst zum Zoll oder Polizei. Gepäck darf drin gelassen werden, fährt weiter zur Gepäckabfertigung. Ja, so könnte ich mir die Zukunft vorstellen.

  • Roman Schnyder am 26.06.2017 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Coole Sache

    Wow, der "Turbolift" aus Star Trek wird Realität. Ich habe mich immer gefragt, wie lange das dauert, bis eine Firma so ein Produkt auf den Markt bringt. Wie lange dauert es wohl, bis empfindliche Menschen nicht in solche Lifte einsteigen, weil sie sich nicht starken Magnetfeldern aussetzen wollen/können ? Oder ist die Kabine abgeschirmt ? Schade, dass die Schweizer Lifthersteller noch immer auf dem Stand von 1853, dafür hat man jetzt verspiegelte Innenwände und LED-Lämpchen....