Erstmals seit 75 Jahren

07. April 2011 16:35; Akt: 07.04.2011 16:44 Print

Riesen-Blume wird blühen und stinken

Eine blühende Sensation bahnt sich im Botanischen Garten Basel an: Die zwei Meter grosse Blüte eines Titanwurz' dürfte sich an Ostern öffnen.

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Die Titanwurz im Botanischen Garten der Uni Basel soll am Karfreitag 2011 blühen. Auf dem Foto ist sie 193 cm hoch und steht kurz vor der Blüte. Letztmals blühte eine Pflanze dieser Art in der Schweiz vor 75 Jahren. Allerdings ist nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um eine Titanwurz handelte oder eine Schwesterart (folgen in der Bildstrecke). Die Knolle der Basler Titanwurz erreichte im Sommer 2010 die 20-Kilo-Schwelle, welche für eine Blüte nötig ist. Im Januar 2011 begann die Blüte zu wachsen - hier ein Bild vom 29. März 2010. Die Pflanze ist sehr heikel: Sie benötigt feuchtwarmes Klima mit Temperaturen von mindestens 23 Grad, ideal sind 33. Bereits am siebten April hatte sie eine stattliche Höhe von 65 Zentimeter. Acht Tage später war sie bereits 152 Zentimeter hoch. Selbst mit den 185 Zentimeter bei der Blüte blieb das Basler Exemplar kleiner als dasjenige im Botanischen Garten von Bonn. Dort erreichte eine Titanwurz rund drei Meter. Bis die Pflanze wieder blüht dauert es drei bis vier Jahre. Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum; aus griech. ) gehört zu den Aronstabgewächsen. Sie ist die grösste Blume der Welt. Um Insekten zur Bestäubung anzulocken, sondern die Blütenstände Aasgeruch ab. Verantwortlich dafür sind schwefelhaltige Verbindungen wie Dimethyldisulfid, Putrescin und Cadaverin. Der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) gehört ebenfalls zu den Aronstabgewächsen. Er verbreitet – nur am Abend – einen Harngeruch, der winzige Schmetterlingsmücken anlockt. Ebenfalls ein Aronstabgewächs: die Gemeine Drachenwurz (Dracunculus vulgaris) oder Schlangenwurz. Sie lockt – nur bei der Blüte – einige Tage lang mit intensivem Aasgeruch Insekten an, die ihr zur Bestäubung dienen. Der Muskatellersalbei (Salvia sclarea) heisst auch Römischer Salbei oder Scharlei. Der Geruch erinnert stark an das Bouquet von Achselschweiss. Früher wurde die Pflanze verwendet, um faden Wein zu aromatisieren. Der in Nordamerika beheimatete Stink-Sumach (Rhus tribolata) wird dort auch Skunkbush (Stinktierbusch) genannt. Verdient hat sich das Gewächs die Bezeichnung mit seinen stark riechenden Blättern. Der Attich oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) gehört zur Gattung der Holunder. Die Pflanze verströmt nicht nur einen strengen, unangenehmen Geruch – sie ist auch in allen Teilen giftig. Der Stinkende Pippau (Crepis foetida; lat. ) verrät sich bereits in seinem Namen. Er soll nach Opium riechen. Auch der Stinkasant (Ferula assa-foetida), auch Teufelsdreck genannt, verkündet im Namen seinen Geruch. Aus dem abgeschnittenen Stengel tritt übelriechendes Harz aus, das früher getrocknet als Würzmittel verwendet wurde. Nomen est omen auch hier: Die Schwarznessel (Ballota nigra) wird auch Stink-Andorn oder Schwarzer Gottvergess genannt. Stängel und Laubblätter riechen widerlich. Die Blüten der Wildrose (Rosa foetida) entwickeln einen starken Duft, der oft als unangenehm empfunden wird. Der Geruch soll an einen nassen Fuchs erinnern... Die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) aus der Familie der Hahnenfuss-Gewächse verdankt ihren Namen dem Geruch ihrer Blüten. Die giftige Pflanze wurde früher als Heilmittel gebraucht. Der Sadebaum (Juniperus sabina) heisst auch Stink-Wacholder, wohl wegen seiner Blätter, die zerrieben unangenehm riechen. Die in allen Teilen giftige Pflanze spielte früher eine wichtige Rolle in der Volksmedizin. Das Ruprechtskraut (Geranium robertianum), auch Stinkender Storchschnabel genannt, ist eine unangenehm riechende, halbmeterhohe Pflanze. Der Ginkgo oder Ginko (Ginkgo biloba) bildet in seiner weiblichen Form Samen, die gereift unangenehm nach Buttersäure riechen. Aus diesem Grund werden in Europa vor allem männliche Ginkgobäume aus Stecklingen angepflanzt. Die Tagetes (Tagetes), auch Studentenblume oder Totenblume genannt, hat bei den älteren Sorten Blätter mit einem strengen Geruch, der oft als unangenehm empfunden wird. Neueren Sorten ist der Geruch weggezüchtet. Thymus comosus ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler. Das Gewächs soll nach Terpentin riechen. Das Dreiblatt (Trillium erectum) ist eine niedrige Staude, die bei feuchter Witterung so riechen soll wie ein nasser Hund. Die Blüten der Gewöhnlichen Berberitze (Berberis vulgaris) riechen intensiv. Verantwortlich dafür ist Trimethylamin, das sich auch in sich zersetzendem Sperma, Vaginalsekret und verdorbenem Fisch bildet. Mit dem für menschliche Begriffe üblen Duft lockt die Pflanze Insekten für die Bestäubung an. Der Stinkende Gänsefuss (Chenopodium vulvaria; lat. ) macht seinem Name alle Ehre; sein ebenfalls von Trimethylamin verursachter Geruch erinnert an jenen von faulem Fisch.

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Der Blütenstand der «Amorphophallus titanum» kann anderthalb bis drei Meter hoch werden, wie die Universität Basel am Donnerstag mitteilte. Er besteht aus einem langen gelblichen Kolben und einem braunroten trichterförmigen Hüllblatt. Die Blüte stinkt stark nach Aas oder Fisch, was bestimmte Insekten als Bestäuber anlockt.

Bis zur ersten Blüte muss die Knolle im Boden 20 Kilo erreichen - das hat in Basel 17 Jahre gedauert. Die Blüte steht dann nur wenige Tage. Heimisch ist der Titanenwurz im tropischen Regenwald auf Sumatra. Dessen feuchtheisses Klima ist hier nur mit viel Aufwand zu simulieren. Zudem ist die Pflanze anfällig für Parasiten.

Der Botanische Garten beobachtet bei seiner monströsen Rarität derzeit rund sechs Zentimeter Blütenwachstum pro Tag. Er erwartet die Blüten-Öffnung etwa an Gründonnerstag. Halten soll sie etwa zwei Tage. Der Botanische Garten richtet sich auf einen grossen Besucheransturm ein.

(sda)