Schwarzes Loch

07. November 2018 21:32; Akt: 07.11.2018 21:32 Print

Gewaltige Fontäne in Galaxienhaufen entdeckt

Astronomen haben eine riesige Fontäne, die eine Milliarde Lichtjahre entfernt ist, entdeckt. Sie wird von einem Schwarzen Loch gespeist.

Erstmals wurde beobachtet, wie so eine kosmische Quelle angetrieben wird. (Video: ESO)
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Eine Milliarde Lichtjahre – in dieser Entfernung befindet sich der ungewöhnlich helle Galaxienhaufen Abell 2597, der aus rund 50 einzelnen Galaxien besteht.

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Eine davon, die Abell 2597 Brightest Cluster Galaxy, liegt genau im Zentrum und ist der Ursprung einer gigantischen Fontäne aus molekularem Gas, wie Forscher um Grant Tremblay vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics nun erstmals nachweisen konnten.

Intergalaktische Sintflut

Angetrieben durch ein massereiches Schwarzes Loch im Herzen der Abell 2597 Brightest Cluster Galaxy wird kaltes, molekulares Gas ins All geschleudert, das in Form einer intergalaktischen Sintflut zurück auf das Schwarze Loch niederregnet, wie das Team im «Astrophysical Journal» schreibt.

«Dies ist möglicherweise das erste System, in dem wir klare Beweise für den Zustrom von kaltem, molekularem Gas in Richtung des Schwarzen Lochs zusammen mit ihrem Ausstoss oder Auswurf durch Jets (eng fokussierte Materieströme, Anmerkung der Redaktion) finden, die das Schwarze Loch auslöst», so Tremblay in einer Mitteilung. Das Schwarze Loch im Zentrum dieser riesigen Galaxie wirke wie «eine mechanische Pumpe in einem Springbrunnen».

US-Forschung mit europäischer Technik

Die Erkenntnisse wurden mithilfe des sogenannten Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) und dem MUSE-Spektrografen am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) gewonnen.

Mit ALMA erfassten die Forscher Position und Bewegung von Kohlenmonoxidmolekülen (CO) im Nebel. Diese kalten Moleküle mit Temperaturen von bis zu -260 Grad Celsius fallen nach innen auf das Schwarze Loch zu. Der MUSE-Spektrograf diente dazu, wärmeres Gas zu untersuchen, das in Form von Jets nahe dem Schwarzen Loch ausgestossen wird.

Wichtig für die Zukunft

Gemeinsam ergeben die beiden Datensätze ein vollständiges Bild des Vorgangs: Kaltes Gas fällt auf das Schwarze Loch zu, wird in seiner Nähe stark beschleunigt und durch die Reibung extrem aufgeheizt, bevor es unter hoher Geschwindigkeit mittels Jets als glühendes Plasma in die Leere des Alls zurückgeschleudert wird.

Diese Jets schiessen aus dem Schwarzen Loch wie ein beeindruckender galaktischer Springbrunnen hervor. Ohne jegliche Hoffnung, dem gravitativen Griff der Galaxie entkommen zu können, kühlt sich das Plasma ab und regnet schliesslich zurück auf das Schwarze Loch nieder, wo der Kreislauf erneut beginnt.

Die Erkenntnisse könnten Aufschluss über den Lebenszyklus von Galaxien geben. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Prozess nicht nur verbreitet zu sein scheint, sondern auch wesentlich für das Verständnis der Galaxienbildung sein könnte.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • luca am 07.11.2018 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grossartig

    uii. ein wissenswerter artikel! schnell lesen denn in zwei stunden muss dieser einem anderen "artikel" weichen, in dem es drum geht, welcher C-Promi sich das doppelkinm entfernen lässt

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  • MatteoElStriker am 08.11.2018 01:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lange hee

    Noch interessanter wenn man bedenkt dass das vor 1 Mia Jahren passiert ist. Wäre sicher geil zu wissen was genau jetzt dort ist. In 1Mia Jahren wissen wirs :D

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  • Giordano Bruno am 08.11.2018 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    am Anfang war die Tat

    Normalerweise sieht der Mensch etwas, fragt sich was es ist und geht seiner Wege, ganz gleich ob er es versteht. In der Wissenschaft hat man aufgrund mathematischer und physikalischer Überlegung gewaltige Spiegel an Weltraumsonden gebastelt um das entdecken zu können, was durch Berechnung zunächst nur ein logisches Gedankenkonstrukt war. Geil. Hoffentlich rotten wir Menschen uns nicht vorher aus, bis diese Erkenntnisse ihren Kern erreichen. Vom Feuer zum Fernseher haben wirs schonmal geschafft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hinkelstein am 08.11.2018 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrt

    Komisch Licht kann das schwarze Loch angeblich nicht verlassen aber diese Jets schon. Fliegt da Materie schneller als Lichtgeschwindigkeit? Was ja angeblich nicht möglich sein soll. Was habe ich falsch verstanden?

    • EMMM am 08.11.2018 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hinkelstein

      Das liegt wohl daran, dass die Gase am Rand vom Schwarzen Loch grosse Kräfte ausgesetzt sind. Sie werden durch starke Reibung erhitzt, und Strahlung entsteht, die nicht vom Zentrum sondern vom Rand kommt. Neben Strahlung werden die Partikel, dann im Weltraum beschleunigt. Gravitation können Objekte auch im Weltraum beschleunigen. Beispielsweise wird die Umlaufbahn anderer Planeten, benutzt, um Treibstoff zu sparen. Wird bei Mars Missionen oder der Erforschung unserer Sonnensystem schon lange angewendet.

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  • Pauline Jg 36 am 08.11.2018 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Bitte mehr davon. Das is spannend wie ein Krimi. Leider braucht das Licht xxx Jahre bis zu uns.

  • EMMM am 08.11.2018 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Der jemand hat in der Nacht, wohl zu früh den Vulkan gezündet :-)

  • Otto am 08.11.2018 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    ich kann mir vieles vorstellen

    seit ich denken kann habe ich nur eine Frage. Was ist genau dort wo es dann FERTIG ist... Denn irgendwo muss es fertig sein.

    • San Dan am 08.11.2018 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      Anfang

      Gibt es ein Fertig oder ist dort erst der anderer Anfang

    • otto am 08.11.2018 11:45 Report Diesen Beitrag melden

      welche dort sind werden es richtig mache

      Ach warum wollen wir das erfahren was vor einer Milliarde Lichtjahre dort passierte ist.... ist sooo lange her. ich glaube nicht, dass es uns was bringt wenn wir weit in der Vergangenheit forschen. Wir auf der Erde haben auch eine Vergangenheit.. und genau dort sollten wir anknüpfen und drauf achten, dass wir in der Zukunft nicht die vergangen Fehler wiederholen zB. Kriege, Hass, Eifersucht, und und und..... ich weiss ja nicht mal was jetzt vor meiner Haustüre abgeht oder passiert. wir sind nicht in der Lage auch nur 1 Minute im Voraus die Zukunft zu sehen.

    • Baselbieter am 08.11.2018 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      @ Otto: Alles ist relativ

      In der gekrümten Raumzeit gibt es kein Anfang und Ende.

    • EMMM am 08.11.2018 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @otto

      Das Leben strebt nach Expansion, und den rest kann man nur erraten.....

    • Dummschwätzer am 08.11.2018 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @otto

      Ein Lichtjahr ist eine Distanz und keine Zeit - nur so eine Bemerkung am Rande

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  • Kari.K am 08.11.2018 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Aber wie gross?

    Wow..ist der noch grösser als der Genfer Springbrunnen? Wie hoch ist der ..können Sie weitere Daten dazu liefern? Endlich etwas spannendes!