Forschung

09. März 2013 12:24; Akt: 09.03.2013 13:03 Print

Ronny Keller darf auf die Medizin hoffen

von M. Egger - Die Diagnose Querschnittlähmung bedeutet bis heute: Ein Leben im Rollstuhl. Doch Erkenntnisse aus den Labors der Paraplegie-Forscher wecken Hoffnung – gerade auch in der Schweiz.

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Zahlreiche vielversprechende Forscher in der Schweiz und im nahen Ausland beschäftigen sich mit der Heilung von Querschnittsgelähmten (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die Diagnose ist niederschmetternd. Am Dienstag noch jagte Ronny Keller dem Puck nach, bis zu diesem fatalen Sturz in die Bande. Keller blieb liegen – und ist seither querschnittgelähmt. Er wird nie mehr gehen können.

Doch die Forschung arbeitet daran, das Rätsel um die Heilung von verletztem Rückenmark und durchtrennten Nervensträngen zu lösen. Die Uniklinik Balgrist in Zürich hat im März 2011 mit der weltweit ersten Studie mit neuronalen Stammzellen bei Querschnittlähmung begonnen. Bei der neuartigen Therapie werden menschliche Stammzellen des Nervensystems ins Rückenmark der Patienten injiziert. Diese sollen bis zur verletzten Stelle wandern und sich dort zu Nervenzellen entwickeln und sich ins Rückenmark integrieren.

Krebsmittel regeneriert Nervenfasern

Derzeit befinden sich vier Personen im Forschungsprojekt und die Ergebnisse sind vielversprechend. «Bei den querschnittgelähmten Patienten reduziert sich die Lähmungshöhe», erzählt Armin Curt, Ärztlicher Direktor am Zentrum für Paraplegie der Uniklinik Balgrist. Und: Die Patienten haben keine Nebenwirkungen. Die Stammzellenbehandlung sei jedoch noch am Anfang. «Wir hoffen, in den nächsten fünf Jahren mehr über die Wirkung und die Möglichkeiten zu erfahren.»

Hoffnung kommt aber nicht nur aus dem Balgrist-Labor. Vor zwei Jahren sorgte das deutsche Max-Planck-Institut (MPI) für Aufsehen, als es einen Durchbruch bei der Querschnittlähmung vermeldete. Deutsche und amerikanische Forscher haben mit dem Krebsmedikament Taxol, das ursprünglich aus der Rinde der pazifischen Eibe gewonnen wird, beim Wachstum von Nervenfasern hoffnungsvolle Erfolge erzielt. Frank Bradke aus der Forschungsgruppe des MPI meinte gar: «Ich glaube, dass wir auf einem sehr vielversprechenden Weg sind.» Experimente mit Ratten zeigten, dass die Regeneration mit dem klassischen Krebsmittel begünstigt werden.

Mit Elektrostimulation wieder laufen

Martin Schwab von der ETH Zürich sagte damals zu Spiegel Online: «Diese Arbeit ist beeindruckend, und die Resultate sind auch unerwartet.» Das Lob kam von einem, der es wissen muss: Schwab forscht selbst intensiv an der Heilung von Nervenzellen. Der Neurobiologe hat zusammen mit Novartis einen Wirkstoff entwickelt, der die wachstumshemmenden Moleküle in der Rückenmarkswunde angreift. Gegen diese Nogo-Proteine hat er einen Antikörper entwickelt und an rückenmarksverletzten Primaten aufgezeigt, dass das Prinzip funktioniert. Aber: Dies betrifft nur weniger schwere Verletzungen, bei denen das Rückenmark nicht vollständig durchtrennt wurde.

Aus einer anderen Schweizer Forschungsküche kommt ein weiterer Forschungsansatz, der Querschnittgelähmte ebenfalls hoffen lässt. An der ETH Lausanne implantiert das Team rund um den Neurologen Gégoire Courtine rückenmarkverletzten Ratten Elektroden. Die Behandlung beginnt damit, dass den Ratten Substanzen ins Rückenmark injiziert werden, welche die Nerven anregen sollen. Kurz darauf stimulieren die Forscher das Rückenmark über die Elektroden mit elektrischen Signalen. Die Kombination der chemischen und elektrischen Signale soll den fehlenden Signal-Input des Gehirns ersetzen.

Eine Kombination der Methoden ist das Ziel

Courtines System hatte Erfolg: Dank Laufband-Training, Chemie und Elektrostimulation lernten die Ratten wieder gehen. Rund um die verletzte Stelle herum bildeten sich gar neue Nerven. Nur: Auch hier gibt es vor allem Hoffnung für Menschen, deren Rückenmark nicht vollständig durchtrennt ist. «Bei schwereren Verletzungen wären keine bedeutsamen Verbesserungen zu erwarten», so Courtine.

Den zahlreichen Forschern schwebt vor, die verschiedenen Methoden miteinander zu kombinieren und so eine neue Ebene im Bereich der Behandlung von Paraplegikern zu erreichen. Doch dies ist derzeit noch Zukunftsmusik. «Zuerst müssen wir die einzelnen Methoden genügend erforschen, bevor wir eine Kombination anwenden können», sagt Armin Curt von der Uniklinik Balgrist.

(Mitarbeit A. Hirschberg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fritz moser am 09.03.2013 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn

    ihr mediziner und forscher wirklich schafft einen querschnittsgelähmten wieder zum laufen zu bringen habt ihr mehr als nur einen nobellpreis verdient.

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  • Nick am 09.03.2013 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffung?

    Ich wünsche ronny und allen menschen die dasselbe schicksal teilen und den alltag neu erlernen müssen von herzen viel kraft mut und zuversicht!!! Jeder mensch hat die hoffnung und kämpft bis zur hoffnungslosigkeit.. Das schicksal annehmen zu sollen müssen ist für alle nicht vom schicksal betroffenen leuten kaum vorstellbar!doch hört bitte mal auf mit den tierversuchen... Viel viel kraft ronny!

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  • Jenny am 09.03.2013 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Beeindruckend

    Beeindruckend was die Menschheit durch jahrelange Forschung schon alles heilen konnte und hoffentlich noch heilen wird..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Angela am 12.03.2013 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medicine

    Svejsan.Vielen Dank fuer Ihren Beitrag betr.Forschung an der Universitaet Fribourg

  • Betroffener am 11.03.2013 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Diese Hoffnung hat man uns Querschnittgelähmten schon von 20 Jahren gemacht. Es ist falsch nach einem derartigen Unfall seine Hoffnung einzig auf ein Medizinisches Wunder zu setzen. Viel wichtiger ist es jetzt die Situation zu akzeptieren und das Beste aus Deinem Leben zu machen. Es ist allerdings schwierig dies alleine zu schaffen, doch Jesus Christus kann Dir dabei helfen und Dir einen neuen Halt im Leben geben. Suche Ihn, Du wist ihn finden. Setze Deine Hoffnung auf Ihn! Ich habe diese Situation auch mit ihm durchgestanden und bin heute auch als Rollstuhlfahrer ein glücklicher Mensch!

    • M.LEONE am 11.03.2013 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      Akzeptanz

      Danke, ich denke auch das der Durchbruch dieser Forschung noch weit von der Realität weg stehen. Die Para/Tetraplegie zu akzeptieren ist zwar sehr schwer aber momentan der einzige Weg in die Zukunft zu schauen. Alles Gute und viel Kraft Ronny Keller !

    • Senta am 11.03.2013 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Hoffentlich

      haben Sie diese Worte auch an Ronny Keller gerichtet und auch an alle anderen in Nottwil. Danke

    • sheri am 11.03.2013 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      jesus

      so einen schwachsinn von wegen jesus christus hilft dir dabei bla bla bla!!!

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  • Marco Schnyder, FR am 10.03.2013 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Danke an 20Min.

    Danke den 20Min.Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die all dien Sinn und Nonsens bearbeiten müssen - und das bis Mitternacht.

  • Renato Bern am 09.03.2013 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Ich hoffe, dass mehr in die Medizin, speziell für Patienten mit Lähmungen investiert wird, als unnötig für politische Streitereien, Kriege usw.

    • motivator am 10.03.2013 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      macht sinn

      den fortschritt in der medizin verdanken wir den kriegen im letzten jahrhundert.

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  • jetzt leider ein parakollege am 09.03.2013 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    ich hoffe für dich...

    dass du keine Schmerzen haben wirst, die Rückkehr ins normale Lebens schaffst, du fit und gesund bleibst. Für die restlichen wesentlichen Punkte toitoi, die gehen die Nichtbetroffenen nix an. Das für alle so wichtige Laufen: vergiss es, du wirst mit dem Rolli überall hinkommen wo du willst, Hauptsache die wirklich wichtigen Dinge verheben, dann wirst du ein glückliches Leben führen können... auch mit dem Rolli.