«Rosat»

28. Februar 2011 16:27; Akt: 28.02.2011 17:19 Print

Satellit könnte auf die Erde stürzen

Zwischen Oktober und Dezember 2011 könnte uns der deutsche Satellit «Rosat» auf den Kopf fallen. Dass er nämlich beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht, ist alles andere als sicher.

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Der 2,4 Tonnen schwere deutsche Forschungssatellit «Rosat» (von Röntgensatellit) wurde 1990 in eine Umlaufbahn in 580 Kilometern Höhe geschossen. Von dort lieferte er Daten, bis er am 12. Februar 1999 abgeschaltet wurde. Seither kreist «Rosat» ohne Sinn und Zweck um die Erde. Und sinkt dabei immer tiefer. Neueste Berechnungen sagen laut dem «Spiegel» voraus, dass der Satellit jederzeit zwischen Oktober und Dezember 2011 aus dem Weltraum abstürzen könnte. Da bei der Konstruktion von «Rosat» nicht an sein Ende gedacht wurde, ist es den Forschern nicht klar, ob er in der Atmosphäre komplett verglühen wird oder ob Trümmer die Erde erreichen werden.

Mittlerweile kreist «Rosat» nur noch auf einer Höhe von 370 Kilometern. Vor allem die optischen Systeme an Bord könnten den Flug durch die niedrigeren Schichten der Atmosphäre überstehen - und mit einer Geschwindigkeit von 400 Kilometern pro Stunde auf die Erde krachen.

Laut dem Nachrichtenmagazin geht die deutsche Bundesregierung davon aus, dass «Rosat» im besten Fall komplett verglüht oder Teile von ihm ins Meer fallen. Würden diese allerdings auf eine Stadt treffen, wären die Folgen verheerend.

Allerdings beruhigt der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch getroffen werde, sehr gering sei: «Dagegen ist ein Lottogewinn deutlich wahrscheinlicher.»

Satellitenabstürze bleiben meist folgenlos

Und auch die Statistiken des Center for Orbital and Reentry Studies zeigen laut dem «Spiegel», dass regelmässig Schrott-Satelliten auf die Erde stürzen, meist ohne grössere Schäden anzurichten. Der schwerste unkontrollierte Absturz war das 69 Tonnen schwere «Skylab» der Nasa. Es raste im Juli 1979 ins australische Niemandsland - ebenfalls weitestgehend folgenlos. Die Raumfahrtbehörde musste lediglich Finderlohn für ein paar Trümmerstücke berappen.

Und was, wenn doch?

Das europäische Satellitenzentrum Esoc in Darmstadt verfolgt den Schrottsatelliten zwar mit steigender Aufmerksamkeit, je näher er der Erde kommt. Aber der Ort des Aufschlags lässt sich höchstens einige Tage vorher eingrenzen. Auf seiner Bahn überfliegt das ausgediente Röntgenobservatorium übrigens auch Deutschland. Sollte «Rosat» tatsächlich über bewohntem Gebiet abstürzen, wären die Folgen wohl verheerend. Und aufgrund einer internationalen Vereinbarung würde Deutschland für alle Schäden haften, die weltweit entständen.

(lue)