Sensationsfund in Südamerika

12. Februar 2020 20:19; Akt: 12.02.2020 20:19 Print

Schildkröte war 3 Meter lang und hatte Hörner

Es könnte die grösste Schildkröte sein, die es je gab. Forscher der Universität Zürich haben in Südamerika ihre Überreste entdeckt.

Forscher der Uni Zürich haben in Südamerika spezielle Überreste der grössten bisher bekannten Schildkröte entdeckt. (Video: SDA)
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Tonnenschwer und gehörnt: Paläobiologen der Uni Zürich haben in Südamerika spezielle Überreste der grössten bisher bekannten Schildkröte entdeckt. Der Panzer von Stupendemys geographicus war bis zu drei Meter lang. Nun muss der Schildkröten-Stammbaum revidiert werden.

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Die Panzerschale der Männchen trägt Hörner – «eine Seltenheit bei Schildkröten», teilte das Paläontologische Institut und Museum der Universität Zürich (UZH) am Mittwoch mit.

Die Existenz der aussergewöhnlichen Schildkröte war seit längerem bekannt. Mit bis zu 3 Metern Panzerlänge ist sie «eine der grössten, wenn nicht sogar die grösste Schildkröte, die es je gab», sagt Marcelo Sánchez, Direktor des Paläontologischen Instituts und Museums der UZH. Sie war 100-mal schwerer als ihre nächste Verwandte, die im Amazonas lebende Grosskopf-Schienenschildkröte.

Land der Giganten

Die Stupendemys geographicus war in einem Gebiet heimisch, das seiner guten Bedingungen wegen so manchen tierischen Giganten gedeihen liess: Der tropische Norden Südamerikas - heute Kolumbien, Venezuela und Brasilien - war vor fünf bis zehn Millionen Jahren ein reichhaltiges sumpfiges Biotop, bevölkert unter anderem von Riesennagetieren und Panzerechsen (Krokodile, Alligatoren, Kaimane und Gaviale). Zu den damaligen Bewohnern gehörte eben auch die Stupendemys geographicus, die erstmals Mitte der 70er-Jahre beschrieben wurde.


So könnte die Schildkröte ausgesehen haben. (Quelle: Universität Zürich)

An neuen Fundorten in Venezuela und Kolumbien haben Forschende der UZH nun aussergewöhnliche Fossilienfunde gemacht. «Die beiden Panzertypen zeigen, dass es bei Stupendemys zwei Geschlechter gab: Männchen mit gehörnten und Weibchen mit hornlosen Panzern», sagt Sánchez.

Hörner als Novum

Es handelt sich um das erste Beispiel bei den sogenannten Halswender-Schildkröten, bei dem sich männliche und weibliche Individuen anhand der Hörner am Panzer unterscheiden. Halswender-Schildkröten sind eine der beiden grossen Gruppen von Schildkröten. Sie ziehen ihren Kopf nicht in den Panzer zurück, sondern legen ihn seitlich darunter.

Nun muss die Geschichte der Schildkröten neu geschrieben werden. «Nach der Analyse der Proben mussten wir die evolutionären Beziehungen dieser Art innerhalb des Schildkröten-Stammbaums grundlegend revidieren. Wir wissen nun, dass einige lebende Schildkrötenarten im Amazonasgebiet die nächsten lebenden Verwandten von Stupendemys sind», so Sánchez.

Zudem zeigen die Fossilien aus Brasilien, Kolumbien und Venezuela, dass die geografische Verbreitung der Riesenschildkröte viel breiter war als bisher angenommen: Sie lebte im gesamten nördlichen Teil des südamerikanischen Kontinents.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Moll am 12.02.2020 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Kommen und Gehen?

    Hm, toll. Als Kind liebte ich alle Bücher über die Höhlenbewohner und Urtiere, zu Land, Luft und Wasser - und natürlich die Dinosaurier! Heute sorge ich mich vielmehr darüber, wie wir die vorhandenen (finanziellen) Ressourcen - auch jene der Wissenschaft - in den Erhalt unserer heutigen Erde und Spezies investieren können.

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  • Alice am 12.02.2020 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist wirklich ein interessantes Thema

    die Klimawandel und das arte sterben gab es schon immer, das heisst aber nicht das wir nicht auf unsere Umwelt achten müssen. mal schauen ob es in tausenden Jahre der Mensch so wie wir in kennen es noch gibt.

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  • Mona aus Zug am 12.02.2020 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Facts of Life

    Es bleiben 2 Fragen: Erstens: Was hat dieses Tier gefressen? Zweitens: Von wem wurde das Tier danach selbst gefressen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Streichler am 13.02.2020 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • schon wieder Märchenstunde am 13.02.2020 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Uuuuuuuuu Märchenstunde

    Es gab vielleicht mal vor langer, langer Zeit eine Schildkröte die gewesen sein könnte...

    • Terry Pratchets am 13.02.2020 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @schon wieder Märchenstunde

      Lass dich nicht zu sehr beeinflussen hier. Diese Artikel sind vorallem für die weinerlichen Soldaten der Amis. Die brauchen animierte Bilder um die Realität auszublenden. Hätte man den Soldaten Dolfs einst erzählt sie kämen nicht weit und wie sie enden werden und warum, die wären niemals los gezogen für den Dolf sondern hätten ihn selbst gelyncht.

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  • Chris W am 13.02.2020 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sang- und klanglos ausgestorben

    Toll. Das waren noch Zeiten als man noch still und leise aussterben durfte, ohne dass man von Tierschützern und Hobby-Ökologen in den Zoo gesperrt wurde, um dort zur Paarung mit einem von den Zoodirektoren zugewiesenen Sexualpartner gezwungen zu werden!

  • Chris W am 13.02.2020 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super, aber das mit den Hörnern...

    Klingt spannend, aber seid Ihr sicher, dass die Panzer mit Hörnern den Männchen gehörten? Sind denn von der Wahrscheinlichkeit und von der Statistik her nicht die Weibchen weit öfter die Gehörnten?

  • Dave74 am 13.02.2020 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Viele fremde Federn

    Hmmm. Wenn man die Originalarbeit betrachtet, hat das wenig mit der Uni Zürich zu tun. Gerade mal ein Name erscheint da im Zusammenhang mit einem Bildnachweis. Die Uni wird auch nicht als Ressourcengeber erwähnt. Man kann so etwas doch auch teilen und die Zusammenarbeit von vielen erwähnen?

    • ZweiterAutor am 13.02.2020 11:19 Report Diesen Beitrag melden

      Weniger fremde Federn als vermutet

      Wie sie dem Originalartikel auch entnehmen können, sind vier der neun Autoren der Studie mit der Uni Zürich affiliiert, und es ist eher unueblich, die Arbeitsstätte nochmals extra als Resourcengeber zu erwähnen - hier beschränkt man sich in der Regel auf externe Unterstützung, wie etwa dem Funding durch National Geographic. Ich gebe Ihnen Recht, dass es eine grosse Zusammenarbeit war - in der Originalpressemitteilung der Uni Zh sind demnach auch die anderen Kollegen erwähnt, aber der Pressetext muss halt nicht 1-zu-1 übernommen werden...

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