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27. Februar 2018 15:50; Akt: 27.02.2018 15:50 Print

Schlechte Luft macht kriminell und asozial

Die Luftqualität hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf die Psyche – und damit auf das Benehmen.

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Bei Smog ist der Mailänder Dom kaum noch zu sehen. Luftverschmutzung ist nicht nur unschön mitanzusehen, sondern beeinflusst auch Körper und Psyche: Viele Menschen werden in einer solchen Umgebung ängstlicher, ... ... was die Betroffene wiederum unmoralischer handeln lässt. Das berichten Forscher um Jackson G. Lu von der Columbia University im Fachjournal «Psychological Science». (Im Bild: London im Smog, 2015) Schon länger bekannt ist, dass verschmutzte Atemluft zu einer verkürzten Lebenserwartung aufgrund von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen einschliesslich Lungenkrebs führt. Erste Anzeichen einer Belastung sind Atemnot, Husten, chronische Bronchitis und Atemwegsinfektionen. (Im Bild: Dehli im Smog, 2017) Auch in Peking ist Smog immer wieder ein grosses Thema. Am 26. Februar 2014 sprengten die Smogwerte dort den Grenzwert-Index. Pro Kubikmeter wurden 577 Mikrogramm Feinstaubbelastung gemessen. Wie es sich anfühlt, in verschmutzter Luft zu leben, haben Schweizer vor Ort damals 20 Minuten erzählt: ... «Das Atmen fällt schwer, der Hals und die Lunge schmerzen», schrieb Leser-Reporter David Tober (mit Zhou Xiaodong) Ende Februar 2014 aus dem Smog-verseuchten Peking. «Die Mehrheit der Masken im Umlauf sind nahezu nutzlos. Es handelt sich dabei eher um einen Spuckschutz», so Leser-Reporter Tobias Krummenacher. «Der Smog ist unvorstellbar», berichtete auch Jenny Kost. «Peking ist einer der wenigen Orte, wo man ohne Sonnenbrille direkt in die Sonne sehen kann, ohne zu blinzeln.» «Sogar mehr als eine Stunde Autofahrzeit entfernt an der Chinesischen Mauer sah es nicht wirklich besser aus», schrieb Jenny Kost. Peking im Smog-Nebel: Dieses Bild hat Leser-Reporter Daniel am 26. Februar 2014 in Peking aufgenommen. Für rund 400 Millionen Menschen in sechs Provinzen sowie in Peking und Tianjin galt 2014 die zweithöchste Alarmstufe Orange. Kinder und ältere Menschen sollten möglichst nicht mehr nach draussen gehen, Grillieren und der Sportunterricht waren verboten. Manche Schulen schlossen den Betrieb eigenständig. Wer auf die Strasse ging, musste eine Atemmaske tragen. Doch diese waren masslos überteuert und fast überall ausverkauft, genauso wie Luftreiniger. Wissenschaftler warnten damals vor Ernteausfällen, weil die dicke Smogwolke die Photosynthese der Pflanzen verhindert. Sie befürchteten einen ähnlichen Effekt wie bei einem nuklearen Winter, der zu einer Verdunkelung und Abkühlung der Erdatmosphäre führte. Das Autofahren wurde zunehmend eingeschränkt. Angesichts dieses Debakels formierte sich in der Bevölkerung Protest gegen die Regierung. Ein Einwohner der am schwersten betroffenen Provinz Hebei hatte die Behörden auf Schadenersatz im Wert von umgerechnet rund 1450 Franken verklagt. Die Luftverschmutzung machte vor den Landesgrenzen nicht Halt: Die Schadstoffe wurden bis in die südkoreanische Hauptstadt Seoul hinübergeweht. Doch so schnell wie der Smog im Februar gekommen ist, war er auch wieder weg: «Genosse Nordwestwind» säuberte die Luft und senkte den Smog-Index von «gefährlichen» 577 auf «ungesunde» 160. Screenshots einer Smog-App zeigen, wie schnell sich der Smog dank des Winds verzogen hat. Links die Daten vom 27. Februar, rechts diejenigen vom 26. Februar 2014.

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Mehr als 90 Prozent aller Menschen leiden laut der Weltgesundheitsorganisation WHO unter schlechter Luft. Rund sieben Millionen sterben jährlich weltweit an den Folgen (siehe Box). Doch nicht nur der Körper ächzt, wenn er von Schadstoffen wie Stickoxiden, Ozon und Feinstaub umgeben ist, sondern auch die Psyche. So ist schon länger bekannt, dass Menschen dadurch ängstlicher und auch depressiver werden.

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Neu ist aber, dass diese Angst dazu führt, dass die Betroffenen ihr Verhalten ändern und unmoralischer sowie krimineller vorgehen. Das berichten US-Forscher im Fachjournal «Psychological Science».

Viel schlechte Luft, viel schlechtes Benehmen

Das Team um Jackson G. Lu von der Columbia-Universität hatte für die Studie unter anderem die Daten zur Luftverschmutzung und zur Kriminalität aus 9360 US-Städten über einen Zeitraum von neun Jahren ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass die Luft in Städten mit hoher Kriminalität stärker von Schadstoffen belastet war als in friedlichen Orten.

Angst macht asozial

In weiteren Experimenten konnten die Wissenschaftler
einen kausalen Zusammenhang zwischen schlechter Luft und unmoralischem Verhalten nachweisen. Weil sie die Teilnehmer nicht unter realistischen Bedingungen den Schadstoffen aussetzen konnten, wendeten sie einen mentalen Kniff an. Die Probanden mussten sich vorstellen, entweder an einem Ort mit schlechter oder an einem mit guter Luft zu leben.

Das Ergebnis: Wann immer sich die Probanden einbildeten, von Schadstoffen umgeben zu sein, schummelten sie. Weiter zeigte sich, dass die Betroffenen auch viel ängstlicher waren als ihre Pendants, die sich gedanklich in reiner Luft bewegt hatten.

Lu und seine Kollegen weisen trotz der Eindeutigkeit der Resultate darauf hin, dass Angst zwar eine wichtige Rolle spiele, aber nicht die einzige psychologische Erklärung sei. Auch der Aspekt, dass ein nicht so schönes Umfeld asozial macht, könnte von Bedeutung sein.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Studer am 27.02.2018 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann aber Hopp!

    Sofort eine neue Lüftung ins Bundeshaus!

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  • Chupachup am 27.02.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt ist es also klar warum.

    In dem Fall ist Basel das neue Mumbai der Schweiz.

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  • Sven am 27.02.2018 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Korrekte Studien Analyse

    Was fürne wahrscheinlich (!) falsche Studie bzw. dessen Interpretation. Wie der letzte Abschnitt zeigt sind andere Faktoren wohl mehr von Bedeutung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 06.03.2018 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bennehmen

    Naja Schlechtes Benehmen ist immer wieder anzutrefffen

  • Mickey Blue am 04.03.2018 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Desinformation

    Immer wieder erhellend wie viel Scharfsinniges rauskommt, wenn man nach gewonnenen Datensätzen versucht von Korrelation zu Kausalität zu wechseln. Heute scheint jeder zu messen und kaum mehr einer zu denken. Stell dir vor du misst und kannst es nicht interpretieren. Dann machst du eine weiterführende Hokuspokus -Psychostudie und ab damit an die Medien. Ich weiss jetzt: Schmutzige Luft macht asozial = komplettes Müllwissen!

  • TS am 02.03.2018 02:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war klar!

    Darum kriegt die SP in den Städten auch mehr Stimmen als auf dem Land!

    • Mickey Blue am 04.03.2018 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Unklarkopf

      Wie jetzt, wegen den höheren Ozonwerten auf dem Land?!

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  • Stinke am 01.03.2018 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bude

    Dann sollte ich wohl dringend mal wieder lüften, nicht dass ich noch kriminel werde!

  • Julia am 01.03.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher doch.

    Irgendwo weit draussen im nichts kann man auch fast nichts kriminelles machen. Ausser man hat eine Leiche, die man verstecken muss.