15 Fakten

16. Juli 2016 09:58; Akt: 16.07.2016 09:58 Print

Schmieren Sie sich doch mal Chnobli auf die Füsse

Der Legende nach soll Knoblauch Vampire abwehren. Ganz so weit reicht die Wirkung der Knolle zwar nicht. Aber für die Gesundheit ist sie Gold wert.

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Seit Jahren wird auf Knoblauch ein Loblied gesungen. Doch erst nach und nach ergründen Forscher, wie gut die Lauchpflanze für Gesundheit und Sexualität wirklich ist. Im Handel sind rund 80 Knoblauchsorten erhältlich. Daneben existieren noch etwa 850 wilde Arten, von denen Schätzungen zufolge gut ein Viertel - vor allem regional - konsumiert wird. Die Produkte unterscheiden sich vor allem punkto Aussehen, Schärfe und Geschmack. Schon die Römer waren ausgesprochene Knoblauch-Fans: Kamen sie an einen neuen Ort, pflanzten sie Berichten zufolge zunächst einmal die Knolle an. Ihr Bedarf war gross. Denn sie konsumierten die Zehen nicht nur, sondern wendeten sie beispielsweise auch als Mittel gegen Fusspilz an. Gebräuchlich ist die Methode übrigens noch heute. Dafür einfach eine Knoblauchzehe pressen und den Brei auf die kranke Stelle aufgetragen und antrocknen lassen. Wer den Geruch aushält, kann die Paste den ganzen Tag tragen und dann abwaschen. Die Prozedur sollte so lange wiederholt werden, bis der Pilz verschwunden ist. 2010 fanden US-Forscher heraus, dass Milch den Knoblauch-Gestank abmildert. Eine Stunde nach dem Konsum hatte das Getränk die Schwefelverbindung im Atem der Probanden um mehr als die Hälfte reduziert. Noch besser war es, wenn Milch direkt zum Essen getrunken wurde. Doch auch Menschen mit Laktose-Intoleranz müssen nicht stinken: Zehn Gramm Minzeblätter, ein halber Liter Zitronensaft-Wasser-Gemisch oder 100 Gramm frischer Apfel - jeweils direkt nach dem Knoblauch konsumiert - wirken nach 60 Minuten ähnlich gut wie die Milch. Dass es sich lohnt, einen vorübergehend schlechten Atem zu riskieren, zeigt eine Studie von Forschern der Smell & Tast Treatment and Research Foundation in Chicago. Demnach hebt der Konsum von Chnobli-Brot die Stimmung und macht Menschen versöhnlicher. Auch der Gesundheit zuliebe sollte man Knoblauch essen. Denn die Zehen enthalten zahlreiche Vitamine (u. a. A, B und C) und Mineralstoffe (Kalium und Selen) sowie einige wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole oder Sulfide. Aber: Weil man von Knoblauch relativ kleine Mengen aufs Mal verzehrt, fallen nicht alle gesundheitsfördernden Aspeke gleichermassen ins Gewicht: So müsste man etwa 800 Gramm Chnobli essen, um den Tagesbedarf an Vitamin C zu decken. Der erste wissenschaftliche Nachweis der starken antibakteriellen Wirkung stammt aus dem Jahr 1858. Damals erklärte Mikrobiologe Louis Pasteur Knoblauch zu einem natürlichen Antibiotikum. Ersetzen kann Chnobli dieses jedoch nicht, da der keimtötende Stoff im Körper schnell zerfällt. 2015 ist es Zürcher Forschern gelungen, ein Substanz aus den Knoblauch - Ajoen - synthetisch herzustellen. Das neue Mittel ist in der Lage, Bakterien zu bekämpfen. Anders als Antibiotika, die die Erreger abtöten, blockiert es die Kommunikation zwischen den Bakterien. Dadurch werden sie angreifbarer und können vom Immunsystem leichter unschädlich gemacht werden. Die Schwefelverbindungen des Knoblauchs beeinflussen auch das Herz-Kreislauf-System positiv. So senken sie sowohl Blutfettwerte und Blutdruck als auch Cholesterin und schützen Herz und Gefässe. Wie die Knoblauch-Substanzen das anstellen, haben US-Forscher 2007 geklärt. Ihnen zufolge werden die Schwefelverbindungen von den roten Blutzellen des Menschen zu Schwefelwasserstoff H2S verwandelt. Dieser entspannt die Blutgefässe und verbessert so die Blutzirkulation im Körper. Knoblauch entgiftet und beruhigt den Darm, wirkt Blähungen entgegen und normalisiert den Stuhlgang. Doch das ist noch nicht alles: Ein intaktes Darmmilieu verbessert zudem die Aufnahme und Verwertbarkeit von Nährstoffen. Trotz des eindringlichen Geruchs sorgt Knoblauch auch für mehr Spass im Bett. Laut einer Untersuchung der Smell & Tast Treatment and Research Foundation steigert schon eine Zehe die Durchblutung im Genitalbereich und aktiviert so die Liebeslust. Ausserdem soll er das Sperma vermehren, so steht es zumindest im Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Studien der Universität Sheffield zufolge lässt Knoblauch Menschen strahlen: So wirkt Knoblauch dem Entstehen von Parodontose und anderen Mundschleimhauterkrankungen entgegen, weil er das Wachstum der Erreger hemmt. Wer sich die gesundheitsfördernde Wirkung von Knoblauch zunutze machen will, sollte ihn regelmässig konsumieren, am besten täglich. Experten empfehlen eine mittlere Dosis von rund vier Gramm. Wie diese konsumiert wird, ist jedem selbst überlassen. In manchen Gegenden Österreichs nennt man Knoblauch nicht bei seinem eigenen Namen, sondern spricht von der «Vanille des armen Mannes». Es handelt sich dabei um ein sprachliches Relikt aus jener Zeit, in der echte Vanille nur den obersten Gesellschaftsschichten zugänglich war. Ob das Entfernen des Keims die Entwicklung von Mundgeruch verhindert, wird zwar häufig diskutiert, aber wissenschaftlich untersucht wurde die Frage noch nicht. Fest steht aber, dass die Grösse des Keims auf das Alter der Zehe schliessen lässt. Je grösser er ist, desto länger wurde die Knolle gelagert.

Fehler gesehen?

Superfood liegt nach wie vor voll im Trend. Das wundert kaum, schliesslich versprechen die Produkte viel: So sollen Chiasamen gegen Blutzuckerstress wirken sowie das Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko senken. Gojibeeren hingegen gelten als Anti-Aging-Mittel. Ob die Produkte all das auch wirklich halten, ist allerdings nicht bewiesen.

Ganz anders verhält es sich da mit Knoblauch. Er kommt zwar ohne das Superfood-Label aus, hätte es aber mehr als verdient. Warum, das erfahren Sie in der Bildstrecke.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • It's me am 16.07.2016 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich wehrt Knoblauch Vampire ab!

    Oder haben Sie schon mal irgendwo einen Vampir neben einer Knoblauchknolle gesehen?

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  • Sandra B am 16.07.2016 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall hets Chnobli dra, ich liäbä das...

    Ich liäbä Chnobli... Chnoblibrot, Chnobli ide Salatsauce, Chnobli mit Tomate ade Spaghetti, Chnobli fürd Marinade, Chnobli ide Hacktätschli, Chnobli zum Fisch, Chnobli im Römertopf, Chnobli im Fondue, igleite Chnobli... Mmhhhhh

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  • Meri am 16.07.2016 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Wissen ergänzt

    Danke für diesen sehr informativen Artikel. Sehr gute Erklärungen zu der Wirkung von Chnobli z.B. im Bezug zu Antibiotika etc. Die Quellen sind sehr gut, da wissenschaftlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrik am 17.07.2016 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    und es macht einsam!

    Eine Wirkung spürt man fast augenblicklich. Chnobli macht nämlich sehr einsam. Sofort!

  • feinschmeker am 17.07.2016 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Knoblauch-Himmel

    Die besten Knoblauchprodukte habe ich an einem Stand an der Braderie Biel gefunden. Knoblauch so weit das Auge reicht. Das beste Knoblauchbrot das ich je gegessen habe gab es auch an diesem Stand. Musste 5 Minuten anstehen, jeeder wollte so ein Stinkbrötli!!!

  • Kai Chnobli am 17.07.2016 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fein, ... aber

    Ich würde gerne den ganzen Tag Chnobli essen. Aber aus Rücksicht auf meine Mitmenschen unterlasse ich das.

    • Chnoblibrot am 17.07.2016 11:00 Report Diesen Beitrag melden

      Einfach den

      Mittelteil rausschneiden und Du musst keine Milch oder Minzen/Citronen Wasser, wie oben beschrieben, trinken. Funktioniert perfekt.

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  • van Hellsig am 17.07.2016 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Knoblauch wirkt doch

    ich esse Knoblauch und wurde noch nie von einem Vampir gebissen.

  • Lara am 16.07.2016 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wochenende

    Chnoblibrot etc gibt es bei mir nur am Wochenende. Unter der Woche habe ich oft Arzt &Therapie Termine und ich denke es ist auch als Patient angebracht Rücksicht zu nehmen.