Mikroplastik

30. September 2019 18:51; Akt: 30.09.2019 18:51 Print

Wer Kleider so wäscht, kann der Umwelt schaden

Der Schonwaschgang bei Waschmaschinen verspricht, empfindliche Kleider besonders sanft zu reinigen. Doch für die Umwelt kann er eine Belastung darstellen.

Bildstrecke im Grossformat »
Die meisten Waschmaschinen verfügen über einen sogenannten Schonwaschgang. Dieser soll Kleidungsstücke besonders sanft waschen. Doch damit tut man der Umwelt keinen Gefallen, wie Wissenschaftler der Universität Newcastle und dem Waschmittelhersteller Procter & Gamble herausgefunden haben. (Im Bild die Forscher Grant Burgess, Max Kelly und Neil Lant.) Demnach werden im Schonwaschgang durchschnittlich 800'000 Mikroplastikpartikel mehr aus synthetischen Textilien herausgelöst als bei einem normalen Waschgang. Die Forscher empfehlen, auf auf den Schonwaschgang zu verzichten und nicht halbvoll zu waschen, da dabei das Verhältnis der Wasser- zur Kleidermenge das Herauslösen von Partikeln begünstigt. Was man beim Waschen sonst noch beachten soll, zeigt der folgende Blick auf die Waschanleitungen, die in unseren Kleidern stecken. Wir beginnen mit den einfachen Symbolen: Hier geht es ums Waschen. Die Temperatur ist angegeben und ein kleiner Strich unter dem Waschzubersymbol bedeutet Schonwäsche. Teile mit der Hand werden nur von Hand gewaschen und bei durchgestrichenem Waschzuber dürfen Sie überhaupt nicht gewaschen werden. Kommen wir zum Bügeln: Die Anzahl Punkte im Bügeleisen zeigen die Temperatur an. Je mehr Punkte, desto heisser. Dieses Symbol kennen Sie nicht? Kein Wunder: Es ist auch eher in den USA verbreitet und steht für «an der Luft trocknen». Hier wird es kompliziert: Dieses Symbol aus den USA bedeutet: «Nasse Wäsche liegend im Schatten trocknen». Bei Vierecken mit einem Kreis in der Mitte handelt es sich um die Tumbler-Symbole. Dieses hier bedeutet: Trocknen mit hoher Temperatur erlaubt. Auch hier stehen die Punkte für die Hitze, die das Kleidungsstück verträgt. Die Dreiecke stehen für «Bleichen». Kleider mit leeren Dreiecken dürfen gebleicht werden, solche mit Querstreifen nur mit chlorfreien Bleichmitteln. Durchgestrichene natürlich gar nicht. Hier steht also von links nach rechts folgende Waschanweisung: Wäsche bei maximal 30 Grad waschen, nicht bleichen, nicht heiss tumblern, nicht bügeln und nicht chemisch reinigen. Hier dürfen Sie nur chemisch reinigen, dafür bügeln bei mittlerer Temperatur – das macht die Reinigung hoffentlich gleich mit. Diese Jacke soll im Schonwaschgang bei höchstens 30 Grad gewaschen, nicht gebleicht und nicht im Tumbler getrocknet werden. Sie kann bei niedriger Temperatur gebügelt werden. Das «P» im Kreis betrifft die chemische Reinigung. Auf den Waschzetteln stehen manchmal auch noch andere nette Hinweise: Dieser Zettel fordert den Träger des Shirts auf, dieses gefälligst anzubehalten. Und dieses Shirt gibt ebenfalls klare Anweisungen: Waschen wenn dreckig. Oder hier: Für beste Ergebnisse kalt waschen, bei niedriger Temperatur trocknen und nicht bügeln. Für die miesesten Ergebnisse soll man das Teil durch eine Pfütze ziehen und anschliessend auf dem Dachträger trocknen. Diese Hose gibt nicht nur Waschanweisungen für die Kleidung, sondern auch für den Träger: Immer schön das Füdli waschen. Und sich von Feuer fernhalten. Diesem Zettel liegt etwas am Tierschutz: Nur kalt waschen, nicht tumblern, nicht bügeln, keine Pandas verhauen. «Diese T-Shirts wurden an Tieren gestestet – sie haben nicht gepasst.» Der Klassiker: Wenn du nicht weisst, wie man die Wäsche am besten macht, dann frag deine Mutter. Etwas anders sieht das dieser Zettel: Waschen ist Männer- UND Frauensache.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Finger weg vom Schonwaschgang! So lautet das Fazit einer Studie der Universität Newcastle. Die Forscher hatten untersucht, wie viel Mikroplastikpartikel pro Waschgang aus Kleidungsstücken mit synthetischen Fasern herausgewaschen werden.

Umfrage
Nutzen Sie den Schonwaschgang?

Dabei zeigte sich, dass der Schonwaschgang bis zu zweimal mehr Wasser verbraucht und durchschnittlich 800'000 Mikroplastikpartikel mehr aus Polyesterkleidung freisetzt, als Waschgänge, die weniger Wasser verbrauchen.

Grant Burgess, Mikrobiologe und Hauptautor der Studie, zeigte sich überrascht von den Ergebnissen. «Man würde annehmen, dass der Schonwaschgang Kleider schützt und weniger Mikrofasern freisetzt. Doch unsere Studien haben das genaue Gegenteil gezeigt», sagte er dem «Guardian».

Verbrauchte Wassermenge entscheidend

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Geschwindigkeit, mit der die Waschtrommel dreht, wie oft sie ihre Richtung ändert und wie lange die Rotationspausen sind, die wichtigsten Faktoren dafür sind, wie viele Mikrofasern aus den Kleidern gelöst werden.

Doch die neue Studie legt nahe, dass es die verbrauchte Wassermenge pro Waschgang ist, die hauptverantwortlich für die Menge herausgewaschener Mikropartikel ist. «Wenn die Wassermenge hoch ist, schlägt das Wasser die Wäsche mehr herum, als wenn die Menge klein ist», so Burgess. «Das Wasser wird durch die Kleider gedrückt und rupft die Polyesterteilchen aus den Textilien.» Frühere Studien hatten laut «Guardian» ergeben, dass das Waschen von synthetischen Textilien pro Waschgang zwischen 500'000 und 6 Millionen Mirkopartikel freisetzt.

Kein Schongang und halbvolle Maschinen

Mirkoplastik stellt eine zunehmende Belastung für die Umwelt dar, wo er heute allgegenwärtig ist. Partikel wurden in den Alpen, in Naturschutzgebieten, in Seen, im Meer und auch im Menschen nachgewiesen. So nehmen wir pro Woche Mikroplastik vom Gewicht einer Kreditkarte auf.

Für die im Fachjournal «Environmental Science and Technology» veröffentlichte Studie untersuchten die Forscher erst unter Laborbedingungen, wie viel Partikel aus schwarzen Polyester-T-Shirts herausgewaschen werden. Anschliessend führten sie Tests in herkömmlichen Waschmaschinen in einem Foschungszentrum des Waschmittelherstellers Procter & Gamble durch.

Co-Autor Max Kelly sagte dazu, dass es an jedem einzelnen liege, die Menge an Plastik in der Umwelt einzudämmen. Er empfiehlt deshalb, auf den Schonwaschgang zu verzichten und nicht halbvoll zu waschen, da dabei das Verhältnis der Wasser- zur Kleidermenge das Herauslösen von Partikeln begünstigt.

Kläranlagen als effiziente Filter

Die Ergebnisse der Studie haben auch Bernd Nowack, wissenschaftlicher Gruppenleiter an der Empa, überrascht. Er gibt allerdings zu bedenken, dass dabei nur ein einziges Kleidungsstück untersucht wurde. «Daraus können keine allgemeinen Rückschlüsse auf andere synthetische Textilien gezogen werden», sagt Nowack. Für eine Empfehlung zum Verzicht auf Schonwaschgänge sei es deshalb noch zu früh.

Ausserdem ist die Situation in der Schweiz laut Nowack anders als in Grossbritannien. Hierzulande würden gegen 99 Prozent der Mikropartikel im Abwasser in den Kläranlagen herausgefiltert. Der anfallende Klärschlamm müsse anschliessend verbrannt werden. Dadurch würden kaum Mikropartikel aus Waschmaschinen in die Gewässer gelangen. In Grossbritannien, wo Klärschlamm teilweise noch auf die Äcker ausgegeben werde, sei die Gefahr für die Umwelt grösser.

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni Maccaroni am 30.09.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kühner Vergleich

    Hört doch auf mit diesen WischWaschi Berichten. Wenn die 10 grössten Fabriken der Welt die Umweltbedingungen der CH freiwillig einhalten würden, anstatt in einem Land wo es solche gar nicht gibt die Abwasser einfach versickern zu lassen wäre schon viel mehr geholfen.

    einklappen einklappen
  • Auguste Renoir am 30.09.2019 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wäscherin

    Darf man überhaupt noch seine Kleider waschen? Was immer man tut, irgendjemand findet heraus, es ist falsch.

    einklappen einklappen
  • Resi am 30.09.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    greta machts

    greta Fragen, die reklamiert immer, nur Lösungen hat sie keine

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcher Ex-pat am 02.10.2019 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kunstfasern

    Ich habe nur Textile aus Baumwolle, Leinen oder Wolle. Somit gibt da kein Problem. Die Extrakosten sind mir die Umwelt wert.

  • Anatoll S. am 02.10.2019 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ariel und Co

    Und Ariel Waschsubstanz in Micro Plastik eingehüllt, gern von Kindern halten, und sich selbst auflösend ist weiterhin angesagt....?? Weiter so. Wie traurig.

  • Blubb am 01.10.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soso

    Procter&Gamble waren beteiligt. der Schongang braucht weniger Waschmittel. Ende des Berichtes habe ich mir geschenkt .

  • Lara am 01.10.2019 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Uebel an den Wurzeln packen

    Fangt doch zuerst mal an, den Microplastik in Zahnpasta und Kosemtika zu verbieten. Es gibt ja fast keine Sonnencreme ohne Microplastik. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und in der Drogerie ein ganzes Gestell mit Sonnencreme via der App CodeCheck zu testen. Zuerst mal die Ursache an den Wurzeln bekämpfen. Es ist eben einfacher dem kleinen Bürger Auflagen zu erstellen als den grossen Firmen.

    • Rolf Müller am 01.10.2019 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Lara

      Ganz genau. Das Hauptproblem sind die Hersteller. Wie soll man sich da noch ökologisch Verhalten. Mir fehlt schlichtweg die Zeit alles klein Gedruckte auf den Verpackungen zu lesen. Abgesehen davon ist es so klein geschrieben das ich es nicht mal mehr mit Brille lesen kann. Liegt ev. auch an meinem Alter.

    einklappen einklappen
  • Das Grosilein am 01.10.2019 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Der mensch wird Umweltsbewusst erzogen..

    Der Mensch ist für die Umwelt schädlich nichts neues denn er ist der Krebs des Planeten..