Fremdkörper

11. November 2019 21:22; Akt: 12.11.2019 08:36 Print

Mann stirbt fast wegen Schraubenzieher im Darm

Als ein 46-Jähriger wegen heftiger Schmerzen im Unterleib und einer Blutvergiftung in den Notfall kam, mussten die Ärzte blitzschnell handeln.

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21 Zentimeter lang war der Schraubenzieher, den die Ärzte des des Kendall Regional Medical Centers in Miami aus dem Unterleib eines 46-Jährigen entfernen mussten. Durch den riesigen Fremdkörper in seinen Eingeweiden bestand akute Lebensgefahr. Mit einem Schnitt durch die Bauchhöhle gelang es den Ärzten, den Schraubenzieher zu entfernen. (Hier abgebildet mit einem Stück der Darmwand, die das Werkzeug durchstossen hatte.) Der Schraubenzieher ist das jüngste Beispiel einer langen Liste von Gegenständen, die schon in menschlichen Körperöffnungen gelandet sind. Das zeigt Radiopeadia.org, eine Art Wikipedia für Röntgenspezialisten. Dort erfährt man, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich ein Instant-Kaffee-Glas einführen. Rektal, wohl gemerkt. Dieser Patient hat immerhin zu etwas nicht ganz so Absurdem gegriffen: einem Vibrator. Ebenso wie dieser Kandidat, der wohl darauf aus war, sich mit einem «besonders grossen Sex-Toy» zu vergnügen, wie der behandelnde Arzt berichtet. Ob sich dieser Betroffene aus Versehen auf die Orange gesetzt hat, die nun in seinem Darm feststeckt, ist hingegen nicht bekannt. Auch darüber, wie diese Zucchetti dorthin gekommen ist, wo sie nun steckt, herrscht Unklarheit. Gleiches gilt für diese beiden Eier. Damit keine Missverständnisse aufkommen, hat der behandelnde Radiologe die Fremdkörper sicherheitshalber angeschrieben. Auch Alltagsgegenstände scheinen auf wundersame Weise in den Darm gelangen zu können, so wie diese Dose Anti-Mücken-Spray. Ebenfalls schon gesichtet wurden Stössel, ... ... Getränkeflaschen und ... ... eine Packung Berocca, die der Betroffene aus unerfindlichen Gründen in diesem Fall mit einer Spraydose kombiniert hat. Auch Deos wurden schon im Darm gesichtet. Genauso wie Plastikfäuste. Wie es sich angefühlt hat, als dieses Monstrum den Weg dorthin fand, möchte wohl niemand so genau wissen. Schliesslich gibt es Männer, die sich offenbar gerne auch vorne etwas einführen. Ein Beispiel ist der Fall eines 22-Jährigen von 2019. Der Mann aus Grossbritannien hatte sich vier Jahre zuvor eine Pinzette in den Penis geschoben. Das Problem: Die Pinzette hatte sich in der Zwischenzeit geöffnet ... ... und bei jedem Versuch, sie zu entfernen, stiessen ihre Enden ins Fleisch. Um dem entgegenzuwirken, spannten mehrere Chirurgen zusammen. Während der eine den Fremdkörper vorsichtig herauszog, ging ein weiterer am Penisschaft ans Werk. Er drückte von aussen die Pinzette zusammen – ... ... mit Erfolg: Schon kurz danach konnte der Patient das Spital verlassen. Die Ärzte empfahlen ihm noch, sich einer psychiatrischen Untersuchung zu unterziehen. Weiter rieten sie ihm, Derartiges nicht noch einmal zu tun. Doch davon wollte er offenbar nichts wissen. Auch zum Nachsorgetermin erschien er nicht mehr. So ungewöhnlich der Fall klingt, so ungewöhnlich ist er gar nicht. In China hatten es Ärzte des Harbin-Kinder-Spitals 2018 mit einem ähnlichen Fall zu tun. Ein 13-Jähriger hatte sich ein USB-Kabel in seinen Penis eingeführt und bekam es nicht mehr heraus. Auch die Ärzte scheiterten zunächst beim Versuch, den rund 20 Zentimeter langen Fremdkörper aus der Harnröhre des Buben zu ziehen. Den Grund offenbarte eine Röntgenaufnahme: Das Kabel hatte sich im Körper des Buben verheddert. Nur eine Operation, bei der die Blase des Buben aufgeschnitten werden musste, konnte helfen. Allerdings lösten die Mediziner nur den Knoten. Das Kabel selbst entfernten sie dann auf dem gleichen Weg, auf dem es hineingelangt war. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass chinesische Ärzte mit einem derartigen Fall konfrontiert waren. So hatte 2018 ein 60-Jähriger ein Spital in der Millionenmetropole Dalian aufgesucht. Bei ihm griffen die Ärzte zum Laser, um den Mann aus seiner misslichen Lage zu befreien. Über den Fall berichtete im April das chinesische Portal «KNews».

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Mit einer Notoperation haben Ärzte des Kendall Regional Medical Centers in Miami einem Mann das Leben gerettet, der mit unerträglichen Schmerzen zu ihnen gekommen war. Zwar war zuerst unklar, was die Schmerzen verursachte, doch eine Computertomographie enthüllte schnell das wahre Ausmass der dramatischen Situation. Der namentlich nicht genannte Mann aus Florida hatte einen riesigen Fremdkörper in seinen Eingeweiden, es bestand akute Lebensgefahr.

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Wie die behandelnden Ärzte im Fachmagazin «Annals of Medicine and Surgery» berichten, hatte der 46-Jährige eine beinahe tödliche Perforation der inneren Organe erlitten, die einen septischen Schock zur Folge hatte. Ein Teil seiner Pobacken war durch die Blutvergiftung bereits abgestorben und musste entfernt werden, um die Infektion einzudämmen.

Auf dem OP-Tisch versuchten Ärzte den Fremdkörper, der im Rektum des Mannes vergraben war, zu entfernen. Wegen der grossen Menge an verhärtetem Kot war dies nicht ohne Operation möglich. Ein Schnitt durch die Bauchhöhle brachte schnelle Erleichterung: Mediziner konnten einen 21 Zentimeter langen Schraubenzieher mit geriffeltem Griff entfernen. Die Spitze hatte bereits die Darmwand durchstossen und sich in die Gesässmuskeln gebohrt.

In Spezialklinik verlegt

«Zwei Wochen später ging es dem Patienten wieder gut», so einer der Autoren, Youssef Shaban. Dazu, wie der Schraubenzieher in den Körper des 46-Jährigen gelangt war, machen die Ärzte keine Angabe. «Der bei Weitem häufigste Grund für das anale Einführen von Fremdkörpern ist sexuelles Vergnügen», erklärt Shaban. Aber auch «Drogen, Misshandlung, ‹Unfälle›, psychiatrische Gründe», oder der «Versuch, Dünnpfiff oder Verstopfungen zu lindern» seien als Motive bekannt. Oftmals sei es den Patienten aber «zu peinlich», darüber zu sprechen.

Was hier der Fall war, bleibt offen. Wie seine Krankenakte enthüllt, leidet der Mann an Schizophrenie und bipolarer Störung. Zudem soll er die verschriebenen Medikamente oft nicht genommen haben, aber gerade eine ambulante Opioid-Therapie wegen chronischer Rückenschmerzen erhalten. Der 46-Jährige wurde später in eine Spezialklinik zur Behandlung seiner psychiatrischen Störung verlegt.

(rcp/jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brain Bug am 12.11.2019 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    Ich könnte es noch verstehen, wenn vermehrt Leute mit Schraubenzieher im Ohr eingeliefert würden, weil man ihnen gesagt hatte, dass sie die Schrauben locker haben.

  • AsphaltMavic am 11.11.2019 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehm... wie Bitte?

    Also man vergisst ja ab und zu mal so einen Schraubenzieher im Hosensack resp. in der Arbeitshose... Aber warum im Füdli??! Soweit es mir bewusst ist, sitzen die lockeren Schrauben oben im Kopf und nicht da innen.....

  • George Kannenfeld am 11.11.2019 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Top die Wette gilt

    Es wird gemunkelt, dass der Herr sich für eine Wette bei "Wetten dass" vorbereitet hat, bei welcher er mehrere Schrauben mit Hilfe eines zwischen den Pobacken eingeklemmten Schraubenziehers zuschrauben sollte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • SonjaA am 12.11.2019 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unterschiedlich

    ...und mein Freund machte ein Riesen Theater, weil er einmal im Spital ein Zäpfchen einführen sollte...:/

  • Mike am 12.11.2019 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Warum sollte sich um Himmels Willen ein Mann einen Schraubenzieher hinten einführen???

  • Viktor am 12.11.2019 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Männer

    Fragt mal im Frauenspital in Bern nach, was Frauen so in sich vergessen haben. Mich hat es fast umgehauen was mir meine Freundin erzählt hat. Es soll da auch eine Vitrine mit Gegenständen gegeben haben.

  • Silberdistel am 12.11.2019 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Ideen

    Es gibt nichts, das es nicht gibt. Viele Leute haben komische Ideen.

  • Quiz am 12.11.2019 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gohts no?

    Frage mich echt, wie GAGA gewisse Leute sind. Wie kann man einen Schraubenzieher in sich solange vergessen, bis man fast drauf geht? Da waren wohl mehr als eine Schraube locker ?