Weltpremiere

13. Januar 2020 17:06; Akt: 13.01.2020 17:06 Print

Schweizer Maschine hält Leber 7 Tage am Leben

Erstmals können Spenderlebern länger als nur ein paar Stunden ausserhalb des Körpers am Leben erhalten werden. Die Forscher hoffen, so künftig Leben zu retten.

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Zürcher Forscher haben eine Maschine entwickelt, die dem menschlichen Körper so genau nachempfunden ist, dass darin eine Leber über mehrere Tage funktionieren kann. Das ermöglicht es den Ärzten, Spenderlebern ausserhalb des Körpers zu behandeln. So können auch mangelhafte Organe gerettet und transplantiert werden. Das ist ein entscheidender Durchbruch, warten doch in der Schweiz zwei- bis dreimal so viele Menschen auf eine Leber, als tatsächlich Organe transplantiert werden können.

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Um einer Leber optimale Bedingungen zu bieten, verfügt die Maschine über eine Reihe von Ersatzorganen. Eine Pumpe ersetzt das Herz, eine Dialyseeinheit die Nieren. Dazu kommt ein Oxygenator, der Blut mit Sauerstoff anreichert und Kohlenstoffdioxid aus diesem entfernt. Er dient als Ersatz für die Lunge. Hormon- und Nährstoffinfusionen übernehmen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Wie das Zwerchfell im menschlichen Körper bewegt die Maschine zudem die Leber im Takt der menschlichen Atmung.

Sechs von zehn Lebern erfolgreich regeneriert

Für die im Fachjournal «Nature Biotechnology» veröffentlichte Studie wurden zehn Spenderlebern in der Maschine aufbereitet. Sie alle waren wegen zu geringer Qualität nicht für eine Transplantation akzeptiert worden. Sechs Organe wiesen nach der Behandlung hervorragende Funktionsfähigkeit auf, wie ETH, Universität und Universitätsspital Zürich in einer Mitteilung schreiben.

«Der Erfolg unseres Systems eröffnet viele neue Möglichkeiten, Spenderlebern ausserhalb des Körpers zu überprüfen und zu behandeln und so den Patientinnen und Patienten mit schweren Leberkrankheiten zu helfen», erklärt Prof. Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich und Co-Leiter des Projekts Liver4Life.

Das Projekt Liver4Life ist unter dem Dach von Wyss Zurich entstanden, welches das hochspezialisierte technische Know-how und das biomedizinische Wissen von rund zehn Medizinern, Biologen und Ingenieuren der drei beteiligten Institute zusammenbrachte.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sila am 13.01.2020 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke an die Medizin

    Auch ich musste eine Lebertransplantation haben vor 7 Jahren. Hatte viel Glück dass alles so super geklappt hat. Das Team um Prof. Clavien ist super, vielen Dank. Es ist wahnsinn wie sich die Medizinischen möglichkeiten verbessen. Vielen Dank an alle die solche sachen möglich machen. Viele mehr leute sollten sich gedanken darüber machen ob sie evt. ein Organspendeausweis machen, denn die meisten Organe sind leider immer boch vom Ausland.

  • Lukas G. am 14.01.2020 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Organspender

    Viele dank an die Forscher&Ärzte die das ermöglicht haben! Bin Organspender seit ca. 10 Jahren, mein kleiner Beitrag. Dann wäre mein Pech wenigstens das Glück eines anderen...

  • Ein Spender am 14.01.2020 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Ich bin der Meinung, dass nur Leute ein Spender-Organ transplantiert bekommen sollten, die selber auch bereit sind zu spenden. Was will man mit den Organen nach dem Tod? Deshalb am besten spenden und jemandem vielleicht das Leben retten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Spender am 14.01.2020 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Ich bin der Meinung, dass nur Leute ein Spender-Organ transplantiert bekommen sollten, die selber auch bereit sind zu spenden. Was will man mit den Organen nach dem Tod? Deshalb am besten spenden und jemandem vielleicht das Leben retten.

  • Wulline am 14.01.2020 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartig

    Ich finde es eigenartig, wie der Mensch als Ersatzteillager eingesetzt wird. Vor allem auch deshalb, weil man gegen die Abstossung des Organs so viele Medis nehmen muss.

    • Aarauerin am 14.01.2020 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wulline

      Leben vs. Medis Wenn man die Wahl hat, entscheidet sich ein grossteil der Bevölkerung für das Leben. Natürlich birgt es Risiken, aber dennoch sind die Risiken wohl minim, wenn man schwer krank ist und weiss, dass das Leben bald vorbei ist

    einklappen einklappen
  • Lukas G. am 14.01.2020 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Organspender

    Viele dank an die Forscher&Ärzte die das ermöglicht haben! Bin Organspender seit ca. 10 Jahren, mein kleiner Beitrag. Dann wäre mein Pech wenigstens das Glück eines anderen...

  • OPS- Mädi am 13.01.2020 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Leber für Alkoholikern

    Wenn man aufhören würde, Alkoholikern eine Leber zu Transplantieren, weil sie ihre Leber kaputt gesoffen haben, gäbe es auch mehr Spenderorgane

    • Eli.be am 14.01.2020 07:56 Report Diesen Beitrag melden

      Sie kennen nie ihre Vorgeschichte

      Tut mir leid, aber man transplantiert eine Leber erst, wenn eine Nüchternheit von längerer Zeit nachgewiesen werden konnte. Klar ist eine Rückfallgefahr da, trotzdem müssen diese nüchtern sein. Gleiches könnten Sie ja auch von Rauchern sagen, die ein neues Herz benötigen.

    einklappen einklappen
  • roland moser am 13.01.2020 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich konserviere meine Leber...

    ...schon 30 Jahre mit Alkohol.