Ökobilanz

08. April 2014 17:37; Akt: 08.04.2014 18:17 Print

Schweizer Ware ist nicht immer gut für die Umwelt

Käse und Kartoffeln aus der Schweiz belasten die Umwelt weniger als Importware. Nicht so klar ist die Situation bei anderen Produkten.

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Schweizer Rindfleisch ist nicht unbedingt besser als solches aus Deutschland. (Bild: Keystone)

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Wie wirkt sich die Produktion von Brot aus Weizen, von Futtergerste, Speisekartoffeln, Käse und Rindfleisch auf die Umwelt aus? Und welchen Unterschied macht das Herkunftsland? Diesen Fragen sind Agroscope-Forscher im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft BLW nachgegangen. Dabei berücksichtigten sie die gesamte Wertschöpfungskette im In- und Ausland von der Produktion bis zur Verkaufsstelle.

Die fünf Produkte stammten jeweils aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich. Zusätzlich wurden niederländische Kartoffeln, italienischer Käse und brasilianisches Rindfleisch untersucht, wie die Agroscope am Dienstag mitteilte.

Die Resultate: Käse und Kartoffeln aus dem Inland schnitten überwiegend besser als Import-Produkte ab. Beim Käse sei dies den guten Standortbedingungen für die Milchproduktion zu verdanken. Das gute Graswachstum erlaube es, mit wenig Kraftfutter ökologisch effizient Milch zu erzeugen, schreiben die Forscher.

Transportwege bedeutsam

Bei Schweizer Kartoffeln fällt die Ökobilanz günstiger aus, da die Transportwege kürzer sind als bei Importware. Diese fielen bei Kartoffeln stark ins Gewicht, da die Erträge pro Flächeneinheit hoch und die Umweltwirkungen pro Kilogramm verhältnismässig tief sind, hiess es im Bericht.

Bei den übrigen Produkten fiel der Vergleich je nach Herkunftsland und Umweltwirkung unterschiedlich aus. Der Transport wirkte sich stark negativ aus, wenn er mit dem Flugzeug erfolgt wie beim Rindfleisch aus Brasilien. Ansonsten entschied vor allem die Art der landwirtschaftlichen Produktion über das Ergebnis.

Am besten schnitt die Schweiz bei allen Produkten puncto Wasserverbrauch ab. Dies dank hoher Regenfälle. Hingegen ist hierzulande der Flächenbedarf wegen der allgemein tieferen Erträge etwas höher. Brotweizen und Futtergerste aus Frankreich haben Vorteile bei mehreren Umweltaspekten wie der Überdüngung von Gewässern und dem Flächenbedarf.

Tiefere Erträge — hoher Flächenbedarf

Auch bei den tierischen Produkten waren die Resultate nicht eindeutig. Schweizer Tierhalter verfüttern meist Soja aus zertifizierter Produktion. Daher sind die Wirkungen von Schweizer Käse oder Rindfleisch auf die Abholzung von Regenwald geringer als bei importierter Ware.
Beim Rindfleisch schnitt das deutsche System betreffend Überdüngung und der Wasserbelastung besser ab als das schweizerische, jedoch schlechter in Bezug auf Pestizide an Land, den Wasserverbrauch und die Abholzung.

Fazit der Studie ist, dass die landwirtschaftliche Produktionsphase die Umweltwirkungen am stärksten beeinflusst. Deshalb sei auf eine standortangepasste Produktion zu achten — also dass Produkte erzeugt werden, die beim gegebenen Boden und Klima potenziell die höchsten Erträge einbringen.

So einen systematischen Standortvorteil hat aus Umweltsicht die Schweizer Milchproduktion. Dies weil das Land viel gutes Grasland besitzt.

Nur bei Milch eindeutig ökologischer

Den ökologischen Leistungsnachweis einzuhalten allein sei keine Gewähr für ein deutlich günstigeres Umweltprofil im Vergleich zu anderen Ländern, betonen die Forscher. Denn andere Faktoren wie die Mechanisierung, die Auswahl von Pestiziden und die Flächenerträge spielten ebenfalls eine Rolle.

Ihre Studie zeige Verbesserungspotenziale auf, mit denen noch bessere Ergebnisse bezüglich Nachhaltigkeit erzielt werden könnten, schreiben die Autoren. Sie schlagen vor, die agrarpolitischen Vorgaben je nach Region, Betriebstyp oder Ertragspotenzial des Standorts differenziert anzupassen.

Solche Anstrengungen seien notwendig, damit Schweizer Agrarprodukte gegenüber Importen ihre ökologische Konkurrenzfähigkeit halten oder verbessern könnten. Diese werde bei den untersuchten Produkten nur bei der Milch eindeutig erreicht.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick Soppelsa am 08.04.2014 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Auf die Gewichtung kommt es drauf an

    Na ja, was soll und diese Studie zeigen? Die Resultate so zu gewichten dass eine intensive, industrielle Landwirtschaft wegen des geringeren Flächenbedarfs pro Tonne Getreide schlechter dasteht als eine integrierte, naturschonende Landwirtschaft ist mindestens für eine schweizeische Forschungsanstalt starker Tabak. Zuerst öko fordern und dann intensive monokulturen besser bewerten, ist den hiesigen Bauern in den Rücken zu schiessen.

  • Thomas M. Kessler am 09.04.2014 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lug und Trug

    Was machen unsere Grossverteiler ? Kartoffeln aus der Region für die Region ? Ja, aber die werden zuerst nach Polen zum Waschen gekarrt und dann nach Italien zur Weiterverarbeitung. Die beiden orangen Greenwashing-Konzerne tragen dick mit ihren Öko-Lügen auf, aber dahinter ist nichts ausser reines Marketing. Noch ein Beispiel : Der stinknormale Salat würde auch beim Bauern um die Ecke wachsen, der wird aber aus China und Thailand importiert, steht ganz klein auf dem Label. Wir verlogen ist das ? Der CH-Bürger soll hier einkaufen, die Grossverteiler kaufen im Ausland ein ?

  • Susanne am 08.04.2014 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit:

    Wieso habe ich NICHTS gelesen von den Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft? Das ist mit ein Grund, warum ich partout keine Kartoffeln aus Israel esse und keine Äpfel aus Afrika..! Bananen sind etwas vom wenigen, dass man für mich importieren muss. Beim Fleisch erst recht! Hier haben wir strengere Vorschriften für die Tierhaltung.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas M. Kessler am 09.04.2014 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lug und Trug

    Was machen unsere Grossverteiler ? Kartoffeln aus der Region für die Region ? Ja, aber die werden zuerst nach Polen zum Waschen gekarrt und dann nach Italien zur Weiterverarbeitung. Die beiden orangen Greenwashing-Konzerne tragen dick mit ihren Öko-Lügen auf, aber dahinter ist nichts ausser reines Marketing. Noch ein Beispiel : Der stinknormale Salat würde auch beim Bauern um die Ecke wachsen, der wird aber aus China und Thailand importiert, steht ganz klein auf dem Label. Wir verlogen ist das ? Der CH-Bürger soll hier einkaufen, die Grossverteiler kaufen im Ausland ein ?

  • konsument am 09.04.2014 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    apfel

    es gibt noch mehre produkte die aus dem ausland ökologischer sind wie zum beispiel ein apfel aus australien ökologischer ist als die aus der schweiz da der australische nach der ernte verpackt und verschifft wird und der aus der schweiz bevor er in den laden kommt zuerst in einem kühlhaus gelagert wird das mer energie verbraucht als der transport

  • Christian R. am 08.04.2014 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    CH im Schnitt gar nicht schlecht

    Also wenn man den Artikel so durchliest, dann spricht das ganze doch für sehr einheimische Produktion. Und was soll das mit dem Flächenertrag? Nicht Weizen und Gerste brauchen zu viel Fläche sondern die über 8 Millionen Einwohner.

  • fritzli am 08.04.2014 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Kuh

    verursacht soviel co2 Ausstoss wie ein Mittelklassewagen. Nur darf man das nicht sagen sonst wird der Bauer sauer.

  • Ch. Gerber am 08.04.2014 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Milchbuben Rechnung...

    Schlussendlich kann man dies so nicht sagen. Ich kaufe nur noch Schweizer Produkte und die Import werden teils um die Halbe Welt verschifft. Geschweige von den Pestiziden und Co. Nein Danke...