Australopithecus sediba

08. April 2010 20:16; Akt: 08.04.2010 19:16 Print

Schweizer entdecken Urahnen

von Alice Kohli - Die Geschichte des Menschen muss neu geschrieben werden. Zürcher Forscher haben in Afrika eine neue Hominidenart entdeckt.

Interview mit Peter Schmid vom Anthropologischen Institut der Uni Zürich (Video: Mediadesk Uni Zürich)
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«Was wir gefunden haben, setzt einen Meilenstein», sagt Peter Schmid von der Universität Zürich. Die neu entdeckten menschenartigen Geschöpfe schliefen in den Bäumen und gingen aufrecht. Sie hatten lange Arme, einen relativ kleinen Schädel und ernährten sich hauptsächlich von Früchten. Ihre Füsse eigneten sich hervorragend zum Klettern. So viel kann Peter Schmid jetzt schon über seinen sensationellen Fund sagen – aber er vermutet noch viel mehr dahinter.

Die neu entdeckte Hominidenart Australopithecus sediba könnte die lang gesuchte Verbindung zwischen den Gattungen Australopithecus und Homo sein. Ihr Gehirn ist zwar kleiner als dasjenige eines Australopithecus africanus, doch es weist schon ein typisches Merkmal des Urmenschen auf: eine Ausweitung im vorderen Hirnbereich. Der Schädel und das Becken haben Ähnlichkeiten mit denen des heutigen Menschen.

Schon seit Januar 2009 leitet Peter Schmid sein Team von Masterstudenten an der Ausgrabungsstätte Malapa in Südafrika. Ab nächstem Dienstag werden die Abgüsse der Original-Fundstücke nun erstmals im Anthropologischen Museum Zürich gezeigt.

Zähne zeigen

Besonders gut erhalten sind die Zähne an den neu entdeckten Kieferknochen. Die Forscher vermuten, dass in der schlammigen Höhle die Zunge eines Hominiden lange intakt blieb. Sie könnte die Zähne vor Steinablagerungen geschützt haben – die gefundenen Beisserchen sind kaum zerkratzt. Jetzt spekulieren die Wissenschaftler sogar darauf, im erhaltenen Zahnstein noch Reste von Nahrung zu finden.

Tod im Wasserloch

Die Gegend nördlich von Johannesburg ist bekannt für ihre Knochenfunde. Dies dank der vielen Höhlen: In ihnen wohnten einst Leoparden und Hyänen, die jeweils ihre Beute in die Höhlen zerrten, um ihre Jungen zu füttern. So wurden einzelne Knochen von Menschenartigen zwar erhalten, aber meist beschädigt und nur unvollständig. Besser bewahrt sind die Überreste des neu entdeckten Australopithecus sediba. Die fünf Individuen sind nicht Opfer von Raubtieren geworden, sondern fielen wohl vor rund 1,8 Millionen Jahren in einen 30 Meter tiefen Schacht. Deswegen fanden die Zürcher Studenten derart viele Knochen an einem Ort. Die Fundstelle lieferte auch den Namen: «Sediba» bedeutet in der südafrikanischen Sotho-Sprache «Brunnen».

Weitere Interviews:

Anthropologisches Museum Zürich

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Stammbaum der Hominiden
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