Forscher sind besorgt

22. Mai 2019 06:46; Akt: 26.05.2019 04:11 Print

Schweizer haben schlechte Spermien

Genfer Forschende haben das Ejakulat junger Schweizer untersucht und stellen fest, dass es mit der Spermienqualität nicht gut aussieht.

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Die Spermienqualität der Schweizer lässt immer mehr nach. Dies haben Genfer Forschende herausgefunden. Sorgen um die Spermienqualität hatten schon die Simpsons-Macher. Auf den nächsten Slides folgen die spannendsten Fakten zu Spermien. Sperma besteht zu 91,8 Prozent aus Wasser. Weiter enthält es Proteine, Enzyme, Elektrolyte, verschiedene Hormone und Pheromone sowie Zink, Magnesium und Calcium. Es ist mit einem pH-Wert zwischen 7 und 7,8 leicht basisch, was die Samenzellen vor der sauren Umgebung der Vagina schützt. Nicht zu verwechseln sind Sperma und Lusttropfen. Bei Letzterem handelt es sich um ein Sekret, das dazu dient, Urin-Reste in der Harnröhre zu neutralisieren und die Gleitfähigkeit der Eichel zu verbessern. Dennoch können in ihm Spermien enthalten sein. Heisst: Eine Frau kann dadurch bereits schwanger werden. Es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen Sperma und Lusttropfen: Zu Ersterem gibt es ein Kochbuch, zum zweiten jedoch nicht. «Natural Harvest. A collection of semen-based recipes» von Paul «Fotie» Photenhauer ist 2008 erschienen. Im Schnitt beträgt die Menge eines menschlichen Samenergusses 2 bis 6 Milliliter, wobei 1 Milliliter durchschnittlich 20 bis 150 Millionen Spermien enthält. Das sind 0,5 Prozent des gesamten Ejakulats - der Rest ist Samenflüssigkeit. Viel und regelmässiger Sex verbessert die Qualität der Spermien. Das haben Forscher des Soroka Universtity Hospital nachgewiesen. Laut ihrer Studie bewirkt häufiges Kopulieren, dass die Spermien des Mannes beweglicher werden - was bei Kinderwunsch essenziell ist. Ebenfalls positiv auf die Beweglichkeit von Spermien wirkt sich Kaffeekonsum aus. Laut Wissenschaftlern der Universität Sao Paulo machen schon drei Tassen pro Tag einen Unterschied aus. Ganz anders sieht es bei Vegetariern und Veganern aus: Wissenschaftler der Loma Linda University Medical School in Kalifornien haben Hinweise darauf gefunden, dass deren Fruchtbarkeit unter ihrer Ernährung leidet. Die Spermien von Fleischessern sind wesentlich aktiver. . Ihrer Studie zufolge werden die Spermien durch das Rauchen von Cannabis kleiner und entwickeln mehr Fehlbildungen. (Im Bild: Promi-Kiffer Snoop Dogg) Auf dem Weg zur Eizelle der Frau liefern sich die Spermien des Mannes ein regelrechtes Wettschwimmen. Doch nicht alle haben die gleichen Chancen, wie spanische Forscher nun herausgefunden haben. Demnach sind die ersten Tropfen besser in Form als der Rest. . Forscher der State University of New York in Albany haben gezeigt, dass Sperma gegen Depressionen hilft. Der stimmungsaufhellende Effekt geht auf die im Ejakulat vorhandenen Hormone Testosteron und Östrogen zurück. Geschluckt werden muss das Sperma dafür übrigens nicht. Die Hormone werden auch durch die Schleimhäute in der Vagina aufgenommen. Auch Schwangeren kann Sperma helfen. Laut dem US-Biopsychologen Gordon G. Gallup lässt der Samen des biologischen Vaters die werdenden Mütter weniger anfällig für lästige Symptome wie morgendliche Übelkeit werden. Sperma-Allergiker sollten darauf jedoch verzichten. Denn bei einer leichten Form kann es beim Kontakt mit der Samenflüssigkeit zu Ausschlag am ganzen Körper, Schwellungen und Rötungen kommen. Ist die Allergie stärker, leiden die Betroffenen zusätzlich unter Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Im schlimmsten Fall droht ein anaphylaktischer Schock. Bei älteren Männern ist bei Kinderwunsch offenbar Vorsicht geboten. Gemäss Forschern des Karolinska Instituts gibt es einen Zusammenhang zwischen bipolarer Störung und dem Alter des Vaters: Nachwuchs, der von Männern über 55 Jahren gezeugt wurde, hat ein 1,37 Mal höheres Risiko zu erkranken, als Kinder, deren Väter bei der Befruchtung zwischen 20 und 24 Jahre alt waren. (Im Bild: Bruce Willis mit Tochter Mabel Ray) berichtete.

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Ein Forschungsteam um Serge Nef von der Universität Genf hat die Spermienqualität bei rund 2500 Schweizern zwischen 18 und 22 Jahren untersucht. Im Fokus standen Kennwerte wie die Konzentration, die Beweglichkeit und das Aussehen (Morphologie) der Samenzellen. Bei mindestens 60 Prozent der untersuchten Männer lag mindestens einer dieser Kennwerte unter der von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegten Norm, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte.

Gemäss dieser Normwerte sollte ein Milliliter Ejakulat mindestens 15 Millionen Samenzellen enthalten. 32 Prozent der Spermien sollte sich vorwärts bewegen und mindestens 4 Prozent sollten eine normale Form aufweisen.

Im Europavergleich stehen wir schlecht da

Laut der nun im Fachblatt «Andrology» veröffentlichten Studie hatte rund jeder Sechste der untersuchten Schweizer Männer weniger als 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat, jeder Vierte hatte weniger als 40 Prozent beweglicher Samenzellen und 40 Prozent der Männer hatte weniger normal geformte Spermien als die von der WHO festgelegten 4 Prozent. Insgesamt lag bei 60 Prozent der jungen Männer mindestens ein Wert unter der Norm, bei 5 Prozent waren sogar alle drei Kennwerte schlechter.

Frühere Studien hatten während der vergangenen Jahrzehnte bereits einen Rückgang der Spermienqualität in Industrieländern festgestellt. Während der letzten Jahrzehnte halbierte sich demnach die Spermienkonzentration von 99 Millionen auf 47 Millionen pro Milliliter. Bei letzterem Wert bewegte sich auch der Durchschnitt der nun vorgelegten Studie für die Schweiz. Im europäischen Vergleich liegen Schweizer Männer damit eher am unteren Rand des Spektrums, etwa gleichauf mit Deutschland, Dänemark und Norwegen.

Für die Studie wurden schweizweit junge Männer während ihrer Militäraushebung per Fragebogen zu Gesundheit, Lebensgewohnheiten, Ernährung und Ausbildung befragt und um eine Spermaprobe gebeten. Ausserdem wurden die Eltern zu Faktoren während der Schwangerschaft befragt, die einen Einfluss auf die spätere Spermienqualität des Sohnes hätten haben können.

Spermienqualität in kritischem Zustand

Studienautor Alfred Senn mahnte zur Vorsicht bei Aussagen zu einzelnen Spermienproben. Diese liessen keine genauen Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit einer Person zu. «Aber, gesamthaft gesehen, deuten die Resultate darauf hin, dass die Spermienqualität der jungen Männer in der Schweiz in einem kritischen Zustand ist und dass ihre künftige Zeugungsfähigkeit höchstwahrscheinlich beeinträchtigt sein wird.»

«Da Paare heutzutage zunehmend erst später Kinder bekommen, haben niedrige Spermienzahlen bei jungen Männern in der Schweiz - kombiniert mit einer Abnahme der Fruchtbarkeit bei älteren Frauen - eine Auswirkung auf die Empfängnisrate und ihre Nachkommen», so Senn. Was bedeutende soziale und finanzielle Auswirkungen auf die Gesellschaft haben werde.

Möglicher Zusammenhang mit Hodenkrebs

Besorgniserregend seien die Studienergebnisse auch deshalb, weil es einen Zusammenhang mit einer Zunahme von Hodenkrebs-Fällen in der Schweiz geben könnte, schrieb die Uni Genf. Diese Krebsfälle hätten in der Schweiz seit über 35 Jahren zugenommen und lägen im europäischen Vergleich sehr hoch, liess sich Nef zitieren. Der Zusammenhang zwischen Spermienqualität und Hodenkrebs solle weiter untersucht werden.

Einen klaren Zusammenhang zwischen verminderter Spermienqualität und Umweltfaktoren stellten die Forschenden bei Nikotinkonsum der Mutter während der Schwangerschaft fest: Rauchte die Mutter während der Schwangerschaft, wiesen die inzwischen erwachsenen Söhne eine geringere Samenqualität auf.

In weiteren Studien wollen die Genfer Forschenden nun den Einfluss von Lebensgewohnheiten und Umwelt weiter untersuchen. Gerne würden sie die Studienteilnehmer dafür zehn Jahre später noch einmal befragen, sagte Studienautorin Rita Rahban.

(fss/sda)