Clearspace

09. Dezember 2019 21:01; Akt: 09.12.2019 21:01 Print

Schweizer sammeln jetzt den Weltraumschrott ein

Weltraummüll ist ein grosses Problem. Ein Schweizer Start-up hat nun den Auftrag erhalten, auszuarbeiten, wie sich dieser beseitigen lässt.

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Im Weltall ist der Teufel los: Derzeit befinden sich fast 2000 aktive und 3000 inaktive Satelliten im Weltraum. Dazu kommen noch jede Menge kleinteiligere Dinge, laut der europäischen Weltraumagentur ESA rund 130 Millionen. Zudem wird die Zahl der Satelliten in den nächsten Jahren noch erheblich steigen, da mehrere Projekte mit Formationen von Hunderten bis Tausenden Satelliten für Telekommunikations- und Überwachungsdienste lanciert wurden. All das stellt für die Raumfahrt eine grosse Gefahr dar, wie unter anderem diese Aufnahme vom Solarpanel der russischen Raumstation MIR zeigt. Es war 2006 von einem winzigen Teil Weltraumschrott beschädigt worden. Auch der Nasa-Satellit Solar Maximum Mission (SMM) ist schon von einem Stück Weltraumschrott getroffen worden. Das dabei entstandene Loch hat einen Durchmesser von 0,5 Millimeter, wobei das eingeschlagene Stück laut der Nasa deutlich kleiner gewesen sein soll. Die von Weltraumschrott ausgehende Gefahr ist auch den Raumfahrern bewusst. Hier bringt ein Kosmonaut an der Internationalen Raumstation ISS Schutzschilder gegen herumfliegende Objekte an. Doch auch auf der Erde kann Weltraumschrott problematisch sein. Dieses Stück Schrott – vermutlich stammt es von einer Trägerrakete – stürzte 2008 in Australien auf die Erde. Abhilfe schaffen soll ein Schweizer Start-up namens Clearspace, das sich in einem Wettbewerb der europäischen Weltraumorganisation ESA durchgesetzt hat. Die Vorbereitungen dazu sollen im März 2020 beginnen, der Start der Mission ist für 2025 vorgesehen. Ziel ist, mit einer Art «Abschleppwagen» für die Erdumlaufbahn ein Überbleibsel der ESA-Trägerrakete Vega aus dem Orbit zu entfernen. Nach ihrem Erstflug im Jahr 2013 blieb ein Raketenteil, ... ... die sogenannte Vespa (Vega Secondary Payload Adapter) Oberstufe, auf einer Umlaufbahn von rund 730 Kilometern Höhe. Sie ist fast so gross wie ein Kleinsatellit und eignet sich wegen ihrer schlichten Form und robusten Konstruktion als erstes Zielobjekt, wie die ESA schreibt. Der sogenannte Chaser – der «Abschleppwagen» – hat vier Roboterarme, mit denen das Raketenteil eingefangen und herangezogen werden soll, um es anschliessend am Chaser zu fixieren. Chaser und Vespa sollen dann zusammen in der Atmosphäre verglühen.

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Ein Konsortium unter Leitung eines Schweizer Start-ups namens Clearspace hat sich in einem Wettbewerb der europäischen Weltraumorganisation ESA durchgesetzt und den Zuschlag für eine Abfallbeseitigungsmission im Orbit erhalten.

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Clearspace ist ein Spin-off der ETH Lausanne (EPFL), das sich der Entfernung von Weltraummüll verschrieben hat.

Erste Aufgabe im All

Die Vorbereitungen der Mission Clearspace-1 sollen im März beginnen, der Start der Mission ist für 2025 vorgesehen, wie die ESA am Montag mitteilte. Ziel ist, mit einer Art «Abschleppwagen» für die Erdumlaufbahn ein Überbleibsel der ESA-Trägerrakete Vega aus dem Orbit zu entfernen.

Nach ihrem Erstflug im Jahr 2013 blieb ein Raketenteil, die sogenannte Vespa (Vega Secondary Payload Adapter) Oberstufe, auf einer Umlaufbahn von rund 730 Kilometern Höhe.

Die Vespa hat eine Masse von 100 Kilogramm, ist damit fast so gross wie ein Kleinsatellit und eignet sich wegen ihrer schlichten Form und robusten Konstruktion als erstes Zielobjekt, wie die ESA schrieb. Danach sollen Folgemissionen auf die Jagd nach anspruchsvolleren Objekten gehen.

Vier Roboterarme auf Abfall-Fang

Der sogenannte Chaser von Clearspace – der «Abschleppwagen» – hat vier Roboterarme, mit denen das Raketenteil eingefangen und herangezogen werden soll, um es anschliessend am Chaser zu fixieren. Chaser und Vespa sollen dann zusammen in der Atmosphäre verglühen.


So soll der Chaser ans Werk gehen. (Video: Youtube/ClearSpace)

«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für solch eine Mission», liess sich Luc Piguet, Gründer und CEO des Start-ups in der Mitteilung zitieren. «Das Thema Weltraummüll ist dringender denn je. Derzeit befinden sich fast 2000 aktive und 3000 inaktive Satelliten im Weltraum.»

Die Zahl der Satelliten soll in den nächsten Jahren noch erheblich steigen, da mehrere Projekte mit Formationen von Hunderten bis Tausenden Satelliten für Telekommunikations- und Überwachungsdienste lanciert wurden, unter anderem von Unternehmen wie SpaceX und Oneweb. Umso wichtiger sei es, defekte Satelliten aus der stark frequentierten niedrigen Erdumlaufbahn zu entfernen, so Piguet.

Immer mehr Trümmer

Aber auch ohne weitere Satellitenstarts verschärft sich das Problem mit der Zeit: Kollisionen zwischen Objekten erzeugen neue Trümmer, die wieder kollidieren können und noch mehr Trümmer fabrizieren – ein Kaskadeneffekt, erklärte Luisa Innocenti, Leiterin der ESA-Initiative Clean Space. «Wir müssen Technologien entwickeln, um die Entstehung neuer Trümmer zu vermeiden und die bereits vorhandenen Rückstände zu entfernen.»

Die ESA will daher ihre Entwicklungen zu Leit-, Navigations- und Steuerungstechnologie sowie Rendez-vous- und Greifmethodik zur Entfernung von Weltraumschrott fortsetzen und in einem neuen Projekts namens Adrios (Active Debris Removal/In-Orbit Servicing) bündeln. Die Ergebnisse wolle man auf Clearspace-1 übertragen.

Erst kürzlich warf Nasa-Astronaut Andrew Morgan ein Schutzschild weg – weil es zu gross war, um es mit an Bord der Internationalen Raumstation ISS zu nehmen.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefen am 09.12.2019 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Uraltes Thema

    Ich habe im Studium vor 5 Jahren bereits einen Referat darüber gehalten, damals war das Projekt Clean Space One, und wir haben auch damals etliche andere Methoden aufgezeigt. Und auch damals waren die Firmen damit beauftragt... Was ist passiert? Gar nichts... Nur, alle Jahre wieder die gleiche Schlagzeile...

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  • Basler1974 am 09.12.2019 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müll im All

    Irgendwann wird sich das alles rächen. Das ist so.

  • Horber Sepp am 09.12.2019 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der Zukunft

    Hoffentlich hat das "Start Up" schon von Starlink, Kessler-Effekt und Amazon gehört, dann wird es ungehört im Hintergrund verschwinden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F.News am 10.12.2019 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geeenau

    Fake News würde ich mal sagen...Schweizer sammeln jetzt den Weltraumschrott ein...jetzt wird genau gar nichts von den Schweizer im Weltraum eingesammelt...

  • Ello am 10.12.2019 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe der schroot

    weltraumschrott.Die letzte hoffnung gegen die totalüberwachung.

  • Silvie am 10.12.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    wir schaffen das

    passt schon, schweiz räumt hinten den Weltmächten mal wieder auf... kriegen wir auch was dafür?

  • Kurt am 10.12.2019 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Superschlau

    Noch mehr Schrott produzieren um Schrott zu beseitigen. Erinnert mich ein wenig an Ocean Clean. Aber da finden sich sicher genug Sponsoren. Ist ja gerade voll in so zu tun als wär man grün.

  • Achso am 10.12.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Inovation?

    Wo genau? 1x Fanggerät hochschiessen und NUR 1 Teil einfangen und danach beides verglühen lassen? Eine grössere Verschwendung von Geld und Resourcen ist wohl kaum möglich und wie viele Jahre wollen die Dass so machen? Da wächst der Müll schneller als die Fangquote.