Interview

18. Februar 2020 17:15; Akt: 18.02.2020 17:15 Print

So läuft das Business der Klimawandel-Skeptiker

von L. Urban - Für 500'000 Euro kann man Studien kaufen, die einen von Menschen verursachten Klimawandel in Zweifel ziehen. Eine Reporterin erklärt, wie dies funktioniert.

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Pseudowissenschaftliche Thesen und Meinungsmache gegen Klimaschutzmassnahmen sind käuflich. Das belegen Recherchen der Reporter Katharina Huth und Jean Peters für «Correctiv» und die ZDF-Sendung «Frontal 21».

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Undercover drangen die Journalisten in die Kreise jener ein, die daran zweifeln, dass der Klimawandel von Menschen verursacht ist. Sie fanden heraus, wie diese Kreise arbeiten und damit auch noch viel Geld verdienen. Im Interview spricht Huth über ihre Recherchen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich undercover bei Klimawandel-Skeptikern einzuschleusen?
Katharina Huth: Es gibt bei Correctiv eine Faktencheck-Redaktion. Da werden täglich Falschmeldungen zu allen möglichen Themen auf den Wahrheitsgehalt geprüft und entsprechende Beiträge dazu veröffentlicht. Bei Klima-Faktenchecks fiel mir auf, dass gezielt gestreute Falschinformationen häufig auf das Eike-Institut zurückgehen. Wir wollten herausfinden, wie sich diese Menschen organisieren und finanzieren.

Was ist das Eike-Institut?
Eike steht für Europäisches Institut für Klima und Energie. Das ist eigentlich kein Institut, sondern ein Verein von Leuten, die am menschengemachten Klimawandel zweifeln. Und das macht es gefährlich. Leute, die nicht so geübt im Umgang mit Medien sind, können von der seriösen Aufmachung von Eike getäuscht werden. Auf der Website von Eike werden unter anderem Publikationen veröffentlicht. Dabei handelt es sich aber nicht um Wissenschaft, sondern um Meinungsbeiträge. Es gibt auch personelle Überschneidungen zur AfD, die Eike-«Experten» als Redner in den Bundestag holt.

Warum war eine Undercover-Recherche nötig?
Wir mussten undercover vorgehen, weil wir mit Eike eine Vorgeschichte haben. Der Verein fällt regelmässig bei unseren Faktenchecks durch und veröffentlicht teilweise beleidigende Gegenbeiträge auf seiner Website. Der Eike-Präsident Holger Thuss wurde schon aggressiv gegenüber Journalisten, die unangenehme Fragen stellten. Das belegen Aufnahmen, die uns vorliegen.

War es schwer, in die Kreise der Klimawandel-Leugner zu gelangen?
Nein, überhaupt nicht. Wir meldeten uns für die internationale Klimakonferenz des Eike-Instituts im November in München an. Nach der Spende von 220 Euro pro Person per Paypal gab es die Info über den Veranstaltungsort.

Dort entstand auch der Kontakt zum Heartland Institute.
Genau. Auf der Konferenz lernten wir James Taylor kennen, den Chefstrategen des Heartland Institute. Er hielt dort einen Vortrag über den «Umgang mit den Klima-Alarmisten in den USA». Generell wurden dort jene Menschen, die sich für wirksame Klimamassnahmen aussprechen, oft als Alarmisten oder Hysteriker bezeichnet. Und die Klimapolitik der deutschen Bundesregierung galt dort als «radikal». Mir würden ganz andere Worte einfallen, etwa «zaghaft». Sich selbst bezeichneten sie als Realisten oder Skeptiker.

Was ist das Heartland Institute?
Es ist ein libertärer Thinktank aus den USA, der laut eigenen Angaben ein jährliches Budget von ungefähr 6 Millionen Dollar hat. Das ist gar nicht so viel, es gibt auf jeden Fall grössere Organisationen. Allerdings ist Heartland recht aggressiv in seinen Themen und im Ton. Das Institut wurde hauptsächlich von der Mineralöl- oder Kohleindustrie finanziert. Das kann man relativ gut nachvollziehen, weil in den USA Organisationen ihre Spender offenlegen müssen.

Gibt es auch eine Möglichkeit zur Verschleierung?
Als wir Taylor als PR-Agenten getarnt erzählten, dass ein angeblicher Kunde aus der Autoindustrie 500'000 Euro in das Netzwerk schleusen möchte, schlug er, ohne zu zögern, den Donor’s Trust vor. Das ist eine US-Organisation, die Spendengelder weiterleitet. Nachher ist nicht mehr nachvollziehbar, woher die Zuwendungen kamen. Uns wurde damit bestätigt, dass man solche Kampagnen mit Industriegeld kaufen kann.

Was stand in dem Angebot, das Ihnen Taylor machte?
Wir fragten ihn am Telefon, ob er uns mit den Dieselfahrverboten in Deutschland unterstützen könnte. Er schickte uns zwei Stunden später einen Vorschlag. Bei der richtigen Spendensumme könne er uns mit Publikationen und Einschätzungen von Experten und Wissenschaftlern versorgen. Diese würden sich dann zugunsten der Autoindustrie und Diesel äussern. Ein Arzt hätte zum Beispiel gesagt, dass die gesundheitlichen Auswirkungen von Dieselmotoren gering seien. Da stand es Schwarz auf Weiss: Bei Heartland kann man wissenschaftliche Aussagen und Studien kaufen.

Ausserdem umfasste das Angebot, dass eine deutsche Youtuberin Videos in unserem Sinne machen könnte – über die Auswirkungen von überzogenen Umweltvorschriften. Im Telefonat sagte Taylor, dass man ihr eine Richtung und Buzzwords vorgeben könne. Sie müsse sich nur mit dem Gesagten wohlfühlen.

Wie viel Ideologie steckt in der Sache? Ist es für Heartland nur ein Geschäft oder Überzeugung?
Mein Eindruck auf diesen Konferenzen war, dass viele Menschen an diese Inhalte glauben. Vielleicht auch, weil sie ihr Leben lang in klimaschädlichen Industrien gearbeitet haben und sich durch die Klimabewegung in ihrem Schaffen kritisiert fühlen. Das ist eine Vermutung. Bei Taylor hatte ich mehr das Gefühl, dass er ein eloquenter Businessmensch ist, der Geschäfte macht. Ich weiss nicht, ob das sein Herzensprojekt ist. Er hatte am Anfang keine Ahnung von Diesel in Deutschland, zwei Stunden später kam das ausgearbeitete Angebot. So tief kann die Ideologie dann nicht gehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JonnyB am 18.02.2020 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gläubige gegen Ungläubig

    und bei Artikeln von Klimawandel-Befürwortern wird immer nur die Wahrheit übermittelt und überhaupt nicht übertrieben? Wer finanziert denn diesen Artikel und welche Lobby steckt dahinter?

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  • MAF am 18.02.2020 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachtrag

    Achso und ich selber zweifle immer wenn jemand von sich selber sagt dass er recht hat und die anderen lügen. Das gilt für alle die für sich die Wahrheit gross auf die Fahne schreiben....

  • EllenPage am 18.02.2020 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was wenn...

    ...es verkehrt rum ist und es den Klimawandel nicht gibt? Wie können Gebühren die Welt retten?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • T.J. am 21.02.2020 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exxon wusste es

    Laut internen Dokumenten warnten Exxon-Wissenschaftler schon 1977 vor den Gefahren des Klimawandels. Doch ihr Konzern ignorierte sie und verlegte sich aufs Täuschen und Verwirren. Dieses Abstreiten/Leugnen haben sie sich schon 30Millionen US-Dollar kosten lassen! Zusammen mit den Kochbrüder und Shell, haben sie das Institut mit Geld versehen, welches damals der Tabakindustrie verhalf, die Raucherschäden zu leugnen! Shell selber hat 1991 noch eine interne Dokumentation gedreht, welche vor dem Klimawandel warnt: "Climate of concern"! All dies lange bevor Greta Thunberg erneut davon warnte!

  • Thomas am 21.02.2020 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exxon wusste es 1977

    Laut internen Dokumenten warnten Exxon-Wissenschaftler schon 1977 vor den Gefahren des Klimawandels. Doch ihr Konzern ignorierte sie und verlegte sich aufs Täuschen und Verwirren. Dieses Abstreiten/Leugnen haben sie sich schon 30Millionen US-Dollar kosten lassen! Zusammen mit den Kochbrüder und Shell, haben sie das Institut mit Geld versehen, welches damals der Tabakindustrie verhalf, die Raucherschäden zu leugnen! Shell selber hat 1991 noch eine interne Dokumentation gedreht, welche vor dem Klimawandel warnt: "Climate of concern"! All dies lange bevor Greta Thunberg erneut davon warnte!

  • Bierwolf am 20.02.2020 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht!

    Das Klima ändert sich naturgemäss ständig! Eis an den Polen ist genauso eine Ausnahme wie die tiefen CO2-Werte. Unser Einfluss auf das Klima ist klein bis vernachlässigbar. Die Folgen des "Klimawandels" sind übertrieben. Die Welt ist noch nie untergegangen, obschon wir viel höhere CO2-Werte gehabt haben. Und die geforderten Massnahmen der Grünen bringen rein gar nichts!

  • Bruno Jäggi am 20.02.2020 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Beweise und Fakten Bitte

    Liebe Frau Huth, Lieber Herr Peters Ende der 70-en haben die heutigen IPCC-Wissenschaftler noch vor den Globalen Klimaabkühlung gewarnt wie z.B. der NASA Prof. James Hansen oder Herr Stephen Schneider der sogar ein Buch über Klimaabkühlung schrieb "The Genesis Strategy".Als Prof. Hansen endlich seine Berechnungen offenbarte, erwiesen sich diese als falsch. Heute hält die IPCC ihre Berechnungen auch geheim.Und Michael E.Mann der Vater der "Hockey-stick-Kurve" konnte vor dem Obersten Gericht der BC in Vancouver (Canada) seine Theorie nicht beweisen und hat den Prozess verloren! Klingt da etwas?

  • Josef am 20.02.2020 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Lüge?

    Es steht nur, dass die Person Studien bringen kann, die z.B. sagen, dass Dieselfahrzeuge nicht so schädlich sind. In der Wissenschaft ist es völlig normal, dass es zu einem Thema die unterschiedlichsten Studien gibt. Dies ist auch ein Grund, weshalb häufig viele Studien zu Metastudien zusammengefasst werden. Wenn ich da die Studien der Klimahysteriker sehe z.B. der Anstieg des Meeresspiegels. Da gibt es Unterschiede von 50 cm bis zu 20 Metern. Da können sie es sich auch aussuchen, was ihnen am Besten gefällt.