Thomas Duncan

13. Oktober 2014 10:17; Akt: 13.10.2014 15:54 Print

So qualvoll starb der Ebola-Patient in den USA

Die Krankenakte von Thomas Duncan, dem ersten Ebola-Patienten der USA, ist 1400 Seiten dick: Sie ist ein Protokoll des Schreckens.

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Thomas Eric Duncan reiste am 20. September von Liberia nach Dallas. Als er ein paar Tage später unter Fieber zu leiden begann und ein Krankenhaus aufsuchte, schickte ihn die Klinik zunächst mit Antibiotika wieder nach Hause – obwohl der Patient erwähnt hatte, aus dem Ebola-geplagten Land Liberia eingereist zu sein. Doch die Ärzte glaubten an eine Entzündung der Nasennebenhöhlen.

Zwei Tage später kam er mit 39 Grad Fieber erneut ins Spital, was dann geschah, lässt sich in einer Patientenakte auf 1400 Seiten nachlesen. Die us-amerikanische Nachrichtensite «The New York Post» fasste den Bericht zusammen. Trotz fünftägiger Intensivpflege verschlechterte sich der Zustand von Thomas Duncan immer mehr. Am Morgen des 2. Oktober bemerkten die Pfleger Blut im Urin des aus Liberia stammenden Mannes. Laborresultate bestätigten den Verdacht: Die Leber und die Nieren des Mannes versagten.

Akute Atemnot

Im Verlauf des Tages stellten seine Ärzte fest, dass der 45-jährige Schweisser an akuter Atemnot litt. Am Nachmittag ein kurzer Lichtblick: Duncan hatte Hunger. Der Patient bekam einen kleinen Snack mit Salzcrackern und etwas Sprite.

Doch sein hohes Fieber blieb. Er hatte extremen Durchfall, erbrach unter Krämpfen. Versuche, ihm feste Nahrung zu geben, scheiterten. Seine Nierenwerte verschlechterten sich dramatisch. Zwischendurch schien es ihm besser zu gehen – einmal verlangte er gar, einen Actionfilm zu sehen. Er habe starke Bauchschmerzen, sagte Duncan zu Krankenschwestern.

An der Schwelle des Todes

Am 4. Oktober trat multiples Organversagen beim geschwächten Patienten auf. Blutgerinnsel stoppten den Blutfluss, Duncan stand an der Schwelle des Todes. Er wurde künstlich beatmet, erhielt eine Dosis des experimentellen Medikaments Brincidofovir.

Seine Angehörigen durften ihn im Spital besuchen – allerdings nicht sein Zimmer aufsuchen. Die Mutter von Duncan konnte ihren Sohn nur über Monitore betrachten. Später sollten sie berichten, dass sein Gesicht wie «eine Maske» gewirkt habe.

Alle Bemühungen scheiterten: Sein Herz schlug immer langsamer, seine Werte verschlechterten sich dramatisch – hilflos mussten die Ärzte mit ansehen, wie Duncan am 8. Oktober um 7.51 Uhr den Kampf gegen das tödliche Virus verlor.

Seine Leiche – noch immer hochansteckend – wurde kremiert.

(ale/num)