Telharmonium

26. Dezember 2015 13:28; Akt: 26.12.2015 13:28 Print

So sah Spotify vor 100 Jahren aus

von Fee Riebeling, La Gomera - Musik-Streaming ist heute gang und gäbe. Den Anfang machte die Fernübertragung von Klängen bereits im letzten Jahrhundert.

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Das erste Spotify der Weltgeschichte war ein technisches Monstrum: Das sogenannte Telharmonium war 18 Meter lang und 200 Tonnen schwer. Kreiert vom Erfinder Thaddeus Cahill aus Washington wurde es im Jahr 1900 zum sagenhaften Preis von 200'000 Dollar (gegen 5 Millionen Dollar in heutigem Geld) erstmals gebaut. Seine Aufgabe war es, Musik zu erzeugen und in die Ferne zu übertragen. Und das rund um die Uhr.

Wer sie hören wollte, musste nur zum Telefon greifen. Von der Vermittlung liess man sich mit dem Gerät verbinden und konnte dann der Musik aus dem Hörer lauschen. Am besten ging das, wenn man den Hörer mit einem Papiertrichter zu einem primitiven Lautsprecher umfunktionierte. Pro Stunde kostete das 20 Cent. Um dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm bieten zu können, beschäftigte Cahill zwei Musiker, die auf der elektronischen Orgel ununterbrochen Stücke von Bach, Chopin oder Rossini spielten.

Technische Tücken

Bedarf für das Telharmonium war anfänglich tatsächlich vorhanden, weil es zwar Grammophone, aber noch keine Radios gab. Hin und wieder wurde es sogar für Konzerte durch die USA transportiert, wobei es bis zu 30 Güterwaggons füllte.

Trotz reger Nachfrage konnte sich das Telharmonium nicht durchsetzen. Einerseits, weil es immer wieder technische Störungen gab, andererseits, weil es dem Aufkommen des Radios
nichts entgegensetzen konnte. Um das Jahr 1920 herum wurde die riesige Maschine entsorgt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.G. am 26.12.2015 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Bitte mehr solche Artikel. Die Ressourcen könnt ihr bei People streichen :)

  • Lars2002 am 26.12.2015 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    1869? Wow, ich dachte damals gabs nur Pferde und Bauer.

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  • Realist am 26.12.2015 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Telefonrundspuch

    Wer erinnert sich noch? Bis etwa 1997 hatten wir in der Schweiz den Telefonrundspruch. Sechs Radioprogramme wurden über die Telefonleitung in die Haushalte übermittelt. 1931 in der Schweiz eingeführt, besaß früher beinahe jedes Hotel ein Telefonrundspuch Gerät auf dem Zimmer. Meist dieselben Holzkistchen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • vitaSvizra am 27.12.2015 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unseriös

    Seriöse Berichterstattung spricht nicht von einem einzelnen Dienst in Form von Schleichwerbung, sondern spricht neutral über die Dienstleistung...

  • Reto am 27.12.2015 02:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit

    Tja dann würde ich mir dringend ein Geschichtsbuch schnappen.

  • Marcel Fe/2 am 26.12.2015 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Geschichte der elektronischen Musik

    Wer sich mehr für solche Instrumente interessiert, dem sei diese Seiten empfohlen:

  • Sebastian am 26.12.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel

    Endlich, wieder mal ein guter Artikel. Interessiert mich wesentlich mehr als Bachelor und spiess-hegglin. Bitte mehr davon!

  • Ganjaflash am 26.12.2015 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergessene Zeiten

    Interessant aber aus heutiger Zeit kaum vorstellbar mehr. Zum Musik hören musste man telefonieren und hörte über das Telefon die Musik. Lustig wenn man sich das heute vorstellt.