Farbig statt Schwarz-Weiss

28. September 2018 21:37; Akt: 28.09.2018 21:37 Print

So sah das damals wirklich aus

Viele dieser Fotos kennen Sie bereits, doch so haben Sie sie noch nie gesehen: Erstmals wurden legendäre Schwarz-Weiss-Bilder koloriert.

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Der britischer Naturforscher Charles Darwin bei sich zu Hause im Down House in der englischen Grafschaft Kent, ca. 1880. So sah es im legendären Crystal Palace (Kristallpalast) aus, der für die erste Weltausstellung 1851 in London errichtet worden war. 1854 wurde er vom Hyde Park nach Sydenham Hill gezügelt und neu eingerichtet, unter anderem mit Artefakten aus Ägypten. Gerade einmal 20 Jahre alt war Lewis Powell, als er am 14. April 1865 den US-Aussenminister William H. Seward mit mehreren Messerstichen schwer verletzte. Er war einer der Mitverschwörer von John Wilkes Booth, der am gleichen Abend im Ford's Theatre in Washington D. C. den US-Präsidenten Abraham Lincoln tödlich verletzte. Hier ist Powell in Haft zu sehen. Am 7. Juli 1865 wurde er gemeinsam mit drei weiteren Verschwörern gehängt. Die chinesische Kaiserinwitwe Cixi auf einer Aufnahme von 1903. Die Nebenfrau von Kaiser Xianfeng übernahm nach dessen Tod 1861 im Hintergrund zusammen mit der ranghöchsten Kaiserinwitwe Cian die Regentschaft. Die Eröffnung des Suezkanals am 17. November 1869 bei Port Said. Julia Margaret Cameron (1815-1879) war die herausragende britische Fotografin der viktorianischen Zeit. Als sie zu fotografieren begann, war sie bereits 48 Jahre alt. Berühmt wurde sie besonders durch ihre Porträts. Diese Aufnahme von 1866 zeigt eine Interpretation der historischen Figur der Beatrice Cenci. Das Modell ist May Prinsep, ein Adoptivkind von Camerons Schwester Sarah. Im Winter 1882 entstand diese Aufnahme von den Arbeiten an der linken Hand der Freiheitsstatue. Ort ist die Werkstatt der Giesserei Gaget, Gauthier & Cie. in Paris. Die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1923) als Théodora auf einer Aufnahme von 1890. Bernhardt galt aufgrund ihrer gewaltigen Bühnenpräsenz und unvergesslichen Stimme als die berühmteste Darstellerin des 19. Jahrhunderts. Kurz vor dem Start zum Final über 100 Meter an den Olympischen Spielen 1896 in Athen. Es waren die ersten Spiele der modernen Zeit unter der Ägide des IOK. Das Rennen wurde vom Amerikaner Thomas Burke in 11,8 Sekunden gewonnen. Auf dem Foto sieht man ihn bei seinem für diese Zeit unüblichen Tiefstart. Am 22. Oktober 1895 ereignete sich am Pariser Gare Montparnasse ein spektakulärer Unfall. Ein aus Granville kommender Zug wurde nicht rechtzeitig gestoppt, so dass er zuerst den Prellbock überfuhr, dann die Aussenmauer durchbrach und schliesslich auf der Place de Rennes landete. Eine Zeitungsverkäuferin starb, als sie von herabfallendem Mauerwerk getroffen wurde. Die Kill Devil Hills nahe Kitty Hawk in North Carolina: Hier führten die Brüder Wright die ersten Motorflüge der Geschichte durch. Am 17. Dezember 1903 flog Bruder Orville Wright erstmals mit Unterstützung eines Motors. Zuvor absolvierten die Brüder hunderte Segelflüge, wie auf dieser undatierten Aufnahme. Der Physiker Albert Einstein (1879 - 1955) auf einer Aufnahme von 1929. 1909 spielte ein Zoowärter einem Löwen Musik von einem Grammophon vor. Die Fotografie wurde vom deutschen Fotojournalisten Philipp Kester in Anlehnung an das berühmte «His Master's Voice»-Bild des gleichnamigen Plattenlabels inszeniert. Der Löwe nahm dafür die Rolle des Hundes Nipper ein. Der Geologe Thomas Griffith Taylor und der Meteorologe Charles Wright vor dem Eingang einer Eishöhle während der Terra-Nova-Expedition unter der Leitung von Robert Falcon Scott. Die Aufnahme entstand in der Antarktis am 5. Januar 1911. Im Hintergrund: das Schiff Terra Nova. Kronprinz Franz Ferdinand, Thronfolger der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Seine Ermordung am 28. Juni 1914 in Sarajevo war einer der Auslöser für den Ersten Weltkrieg. (Aufnahme von ca. 1914) Das Foto «Migrant Mother» von Dorothea Lange wurde zum Symbolbild der Grossen Depression. Entstanden am 9. März 1936 zeigt es Florence Owens Thompson (32) und ihre drei Kinder in bitterer Armut. Adolf Hitler 1933 in Dortmund am Gautag der NSDAP und SA-Westfalentreffen. Eingeschlagene Schaufenster eines jüdischen Geschäfts in Berlin als Folge des Novemberpogroms 1938. Der indische Widerstandskämpfer Mahatma Gandhi am 23. April, 1930 in Dandi. Ein kleines Mädchen vor ihrem ausgebombten Zuhause in London während des Blitzkriegs, als deutsche Bomber im Herbst und Winter 1940 die britische Hauptstadt in 57 aufeinanderfolgenden Nächten angriffen. Warschau, 1943. Deutsche Soldaten holen jüdische Bürger aus ihren Häusern. Nach dem Sieg über Nazideutschland im Mai konnten die Alliierten am 14. August 1945 auch den Sieg über Japan feiern. Zum Symbol für den V-J Day (Victory over Japan Day) wurde dieses Foto von Alfred Eisenstaedt vom Times Square in New York. Die Bilder dieser Bildstecke stammen aus «Die Welt von gestern in Farbe» des Historikers und Journalisten Dan Jones und der Künstlerin Marina Amaral, die sich auf das Kolorieren historischer Fotos spezialisiert hat. Das Buch aus dem Münchener Riva-Verlag zeigt auf beeindruckende Weise 200 historische Fotos erstmals in Farbe.

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Wichtige Ereignisse und Personen werden zwar seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Fotografien für die Nachwelt festgehalten. Doch viele Jahrzehnte lang geschah das ausschliesslich schwarz-weiss. Und selbst als die Farbfotografie erfunden war, dauerte es noch einmal mehrere Jahrzehnte, bis sie die Schwarz-Weiss-Fotografie ablöste.

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In diesen Jahren entstanden weltberühmte Aufnahmen, denen aber – so eindrücklich sie auch sind – ein entscheidender Aspekt fehlt: die Farbe. Bei 200 historischen Aufnahmen haben der Historiker und Journalist Dan Jones und die Künstlerin Marina Amaral diesen Makel nun behoben. Für ihr Buch «Die Welt von gestern in Farbe» haben sie bedeutende Fotos von 1850 bis 1960 digital koloriert.

Eine neue Dimension

Dabei sind sie akribisch vorgegangen und haben jedes Detail genau recherchiert. Denn «die Originalfarben erkennt man nicht, indem man die Grautöne alter Fotos betrachtet», schreiben die Autoren. Ihre Anstrengungen haben sich gelohnt: Längst bekannte Bilder erhalten plötzlich eine ganz neue Dimension. Man fühlt sich den abgebildeten Ereignissen oder Personen plötzlich viel näher, als das beim Betrachten des schwarz-weissen Originalbildes jemals der Fall war.

Aber sehen Sie selbst. In der Bildstrecke oben haben wir für Sie 20 Aufnahmen aus «Die Welt von gestern in Farbe» zusammengestellt.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lulubell am 29.09.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Originalbilder

    ich fände es ganz schön, wenn auch die original Bilder als direkter Vergleich zu sehen wären.

  • Peter E. am 29.09.2018 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitlos

    Unglaublich, dass das Bild von Lewis Powell schon 150 Jahre alt ist. Sieht aus wie ein Filmstar aus dem Hollywood des 21. Jahrhundert... Kompliment zu diesem Artikel!

  • Swarley am 28.09.2018 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Erstaunlich, wie die Fotos auf einmal viel näher wirken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rahlini92 am 29.09.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    top

    sehr eindrücklich! danke für diesen Beitrag!

  • Manuel D. am 29.09.2018 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich

    Man könnte meinen Bild 3 sei ein Modelfoto heutiger Zeit....

  • Lulubell am 29.09.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Originalbilder

    ich fände es ganz schön, wenn auch die original Bilder als direkter Vergleich zu sehen wären.

  • Peter E. am 29.09.2018 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitlos

    Unglaublich, dass das Bild von Lewis Powell schon 150 Jahre alt ist. Sieht aus wie ein Filmstar aus dem Hollywood des 21. Jahrhundert... Kompliment zu diesem Artikel!

  • René Stamer am 29.09.2018 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll!

    Wirklich absolut faszinierend, danke hierfür! Ich werd das Buch mal suchen denke ich.