Klimaerwärmung

16. Dezember 2008 23:05; Akt: 16.12.2008 21:40 Print

Sogar die Zeit gerät aus den Fugen

von Nico Menzato - Weil sich die Erde langsamer dreht, als sie sollte, dauert diese Silvesternacht eine Sekunde länger. Wegen der globalen Erwärmung werden Schaltsekunden immer häufiger.

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Das Rotationstempo der Erde ist wegen Flut und Ebbe nicht konstant. Mal braucht die Erde ein bisschen länger als 24 Stunden, um sich um die eigene Achse zu drehen, mal ein bisschen weniger lang. Im Schnitt benötigt sie zwei Millisekunden weniger als 24 Stunden. Um diese Diskrepanz zwischen der astronomischen Zeit und der Weltzeit in Einklang zu bringen, müssen immer mal wieder Schaltsekunden eingeführt werden. Nach 1997, 1998 und 2005 ist es diesen Silvester wieder so weit. Damit beim Countdown keine Verwirrung aufkommt, wird die Sekunde erst um ein Uhr nachts eingefügt – und zwar folgendermassen: 00:59:59, 00:59:60, 01:00:00, 01:00:01.

In Zukunft werden solche Schaltsekunden häufiger notwendig werden – wegen der Klimaerwärmung: «Wenn das Eis an den Polarkappen schmilzt, gelangt mehr Wasser zum Äquator», erklärt André Stefanov, Leiter des Labors Zeit und Frequenz beim Bundesamt für Metrologie. Diese zusätzlichen Wassermassen drosseln laut Stefanov die Rotationsgeschwindigkeit, weshalb die Erde in Zukunft pro Tag mehr als zwei Millisekunden verlieren werde. Stefanov weiter: «Es ist wie bei einem Eiskunstläufer, der beim Pirouettendrehen die Arme vom Körper wegstreckt und so gebremst wird.» Wie viele Schaltsekunden in absehbarer Zeit nötig werden, könne noch nicht abgeschätzt werden.