ETH Zürich

14. Januar 2020 16:08; Akt: 14.01.2020 16:08 Print

Sternenstaub älter als die Erde entdeckt

Forscher konnten anhand eines speziellen Messgeräts 7 Milliarden Jahre alten Sternenstaub nachweisen.

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Fünf bis sieben Milliarden Jahre alten Sternenstaub haben Forscher an der ETH aus einem Meteoriten isoliert. Die extrahierten präsolaren Körner sind der älteste Feststoff, der je auf der Erde gefunden wurde, älter als das Sonnensystem –buchstäblich «vorsintflutlich».

Beteiligt waren Forschende mehrerer Hochschulen, unter anderem von der Universität Chicago. Ihre Untersuchungen führten sie an der ETH durch, weil das dortige Departement Erdwissenschaften über ein weltweit einzigartiges Messgerät verfügt, das Massenspektrometer «Tom Dooley», benannt nach dem zum Galgen verurteilten Mörder aus dem bekannten Country-Song.

In Meteoriten eingelagert

Das Gerät wurde spezifisch für die Messung von kleinsten Gasmengen konzipiert und ist das einzige Instrument, welches Edelgase in einzelnen präsolaren Körnern messen kann. Präsolare Körner sind Staubpartikel, die beim Tod von Sternen ins All geschleudert werden – Sterne, die schon vor der Geburt der Sonne gebildet wurden.

Der Staub, zu dem sie zerfallen, wird in Meteoriten eingelagert, so wie der sogenannte Murchison-Meteorit, in welchem die Forscher die steinalten Körner ausfindig gemacht haben.

Der Methusalem des Weltalls

Der nun analysierte Sternenstaub wurde schon vor Jahren im Murchison-Meteoriten entdeckt, der 1969 in Australien aufschlug. Neu ist seine Datierung. Und hier trat Tom Dooley auf den Plan: Er war in der Lage, die Spuren der seltenen Edelgase zu messen, die sich bei der langen Reise des Materials durch die kosmische Strahlung im All gebildet haben.

Die Forscher haben daraus für die untersuchten präsolaren Körner ein Alter von 4,6 bis 4,9 Milliarden Jahre errechnet, für einzelne sogar 5,5 Milliarden. Das bedeutet Rekord: Die Erde ist nur 4,5 Milliarden Jahre alt, die Sonne etwa 4,6 Milliarden.

Beweis für galaktischen Baby-Boom

Die Körner geben zudem Auskunft über Leben und Sterben von Sternen. Sie stammen gemäss Mitteilung der Forscher von Sternen, die vor sieben Milliarden Jahren geboren wurden und nach zwei Milliarden Jahren das Zeitliche segneten.

Ihr hohes Alter sorgte für ihre besonders hohe Masse und den besonders reichlich anfallenden Sternenstaub. Ausserdem haben die Forschenden herausgefunden, dass vor sieben Milliarden Jahren ausserordentlich viele Sterne entstanden – im Weltall herrschte damals sozusagen ein galaktischer Babyboom.

Die Einsicht, dass Sterne nicht mit einer konstanten Häufigkeit entstehen sondern schwankende «Geburtenraten» haben, ist neu und beendet eine alte Debatte. «Dank der Körner haben wir einen direkten Beweis, dass die Neubildung von Sternen vor sieben Milliarden Jahren überdurchschnittlich gross war», sagt Philipp Heck, der Erstautor der Studie.

«Die Geburtenrate von Sternen scheint also eher zu schwanken als konstant zu sein.» Die Resultate der Studie wurden im Fachmagazin PNAS veröffentlicht.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Genieser am 14.01.2020 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spannend

    Was mich fasziniert ist wenn eine andere Spezies mit einem Teleskop zb von einem anderen Planeten aus ca 65m Lj entfernt richtung Erde schaut sehen sie die Dinosaurier :D.

  • la am 14.01.2020 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wow

    wow, kann ich nur sagen, coole arbeit

  • Simi am 14.01.2020 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wissen

    Ja, denn alles Wissen, dass die Menschheit generiert ist per se hilfreich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • E.T. am 16.01.2020 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sensationsjournalismus

    Ich kenne nur die Carbon C Methode, wer weiss mit wieviel Toleranz da gemessen wurde. Wie will man die Genauigkeit nachweisen? Den Meteroriten befragen?

  • Thommy panhead am 15.01.2020 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh mein Gott!

    Noch mehr Staub! Neben dem Feinstaub jetzt noch Sternenstaub! Benzinmotoren sollten rückwirkend auf 1980 sofort verboten werden! Warum tut denn keiner was?

  • hpl am 14.01.2020 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ALT?

    "vorsintflutlich" bedeutet in diesem Fall nicht wirklich als alt!

  • Vali am 14.01.2020 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Leistung

    Armut, Klimawandel, Waldbrände, Ungleichheiten gewisse länder, Krebs, diese studie bringt uns nicht weiter, Hauptsache Steuergelder einsacken irgendwie. Gute Leistung trotzdem.

  • SZ am 14.01.2020 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdig?

    Zweifle immer bei solchen Angaben Auch über Entfernungen von Galaxien von zum Beispiel 30 Millionen Lichtjahren. Ists überhaupt möglich so eine Entfernung zu berechnen?

    • divinemothertree am 16.01.2020 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SZ

      Wenn du dich etwas mit der Thematik beschäftigen würdest, könntest du dir diese Frage ganz leicht selber beantworten. :-)

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