Mon810

30. Juni 2011 19:43; Akt: 30.06.2011 19:49 Print

Streit um Gentech-Mais und tote Marienkäfer

von Fee Riebeling - Gentech-Mais schädigt Marienkäfer. Gentech-Mais schädigt Marienkäfer nicht. So die widersprüchlichen Resultate zweier Studien aus der Schweiz. Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit hat nun Stellung bezogen.

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Uneinig: Angelika Hilbeck und Jörg Romeis.

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Der gentechnisch veränderte Mais der Sorte Mon810 (siehe Info-Box) tötet den Zweipunktmarienkäfer – einen Nützling. Das stellte Angelika Hilbeck vom Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich 2008 in einer Studie fest. Prompt verbot die deutsche Regierung den Anbau dieser Maissorte. Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS), ein deutsches Experten-Gremium, überprüfte Hilbecks Arbeit Punkt für Punkt.

Sie fand punkto Vorgehen und Interpretation der Resultate «erhebliche Mängel, die die Korrektheit der Ergebnisse beziehungsweise der Aussagen grundsätzlich in Frage stellen». So liesse sich beispielsweise kein Zusammenhang zwischen der im Experiment angewendeten Gift-Konzentration und der Todesrate bei den Marienkäfern erkennen. Zudem waren die überlebenden Tiere kerngesund. «Zu erwarten wäre, dass sie zumindest eine Schädigung erleiden, wie beispielsweise ein geringeres Gewicht», sagt Jörg Romeis von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon. Er hat gemeinsam mit Co-Autoren letztes Jahr eine Studie veröffentlicht, die Hilbecks Ergebnis widerlegt. «Ihre Experimente sind nicht reproduzierbar. Das geht nicht in der Wissenschaft», so der Experte. «Das ist alberner Unfug», kontert die Forscherin. Und fügt hinzu, es brauche keine überdurchschnittliche Intelligenz, um ihre Studie nachzuvollziehen und zu wiederholen.

Die ZKBS sieht das anders. Das zeigt ihre neuste Stellungnahme vom Juni 2011: Erneut hat das Gremium alle verfügbaren Studien zum Thema analysiert und befindet, Mais der Sorte Mon810 sei nicht schädlich. Hilbeck akzeptiert das nicht und kündigt an, demnächst neue Daten zu publizieren, die bestätigten, was sie schon 2008 herausgefunden habe. «Wenn die ZKBS das immer noch anders sieht, dann konstruiert sie sich einfach ihre Wahrheit», sagt sie. Der Streit der Schweizer Forscher geht in eine weitere Runde.