E-Zigaretten

06. November 2018 14:56; Akt: 06.11.2018 14:56 Print

Suchtgefahr bei Juul grösser als bei Zigaretten

In den USA boomen E-Zigaretten der Marke Juul bei Jugendlichen. Kein Wunder: 60 Prozent derjenigen, die sie einmal probiert haben, nutzen sie weiter.

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Die E-Zigarette Juul ist bei Teenagern in den USA extrem populär – obwohl sie eigentlich gar nicht für diese gedacht ist, sondern erwachsenen Rauchern beim Aufgeben ihres Lasters helfen soll. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert hat, das Produkt anschliessend weiter nutzt, wie die Forscher in Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler. 68 gaben an, Juul schon einmal ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weiter genutzt Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versucht hatten, nur 30 Prozent weitergedampft. 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent in den letzten 30 Tagen geraucht. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, «dass kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte». Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirken als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten. Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat.» Für ihn liegt das daran, dass die Aromen klar auf Jugendliche ausgerichtet sind und sich die E-Zigarette dank der Form eines USB-Sticks gut vor Lehrern und Eltern verstecken lässt.

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Sie sehen aus wie etwas zu gross geratene USB-Sticks und erfreuen sich in ihrem Herkunftsland USA enormer Beliebtheit: die E-Zigaretten von Juul, mit denen eine nikotinhaltige Flüssigkeit in leicht austauschbaren Kapseln, sogenannten Pods, verdampft wird. Und obwohl Juul in Europa offiziell erst in Grossbritannien erhältlich ist, hat die neuartige E-Zigarette auch hierzulande bereits Schlagzeilen gemacht, denn ihren grössten Erfolg feiert sie ausgerechnet bei Jugendlichen.

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E-Zigaretten sind ...

Eine neue Studie zeigt nun, dass Teenager, die Juul ausprobieren, eher regelmässige Konsumenten werden als diejenigen, die andere E-Zigaretten oder herkömmliche Zigaretten probieren. Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler.

Grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit

16 Prozent der Befragten, also 68 Personen, gaben an, schon einmal Juul ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weiter genutzt, wie die Forscher im Fachjournal «Jama Network Open» berichten. Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versuchten, nur 30 Prozent weitergedampft. 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent im Monat vor der Befragung geraucht.

Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, «dass kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte».

Nikotinsalze wirken schneller

Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirkten als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten.

Laut Meury wird bei einem Markteintritt in der Schweiz wohl die europäische Regulierung zur Anwendung kommen, die das Nikotin auf 20 Milligramm pro Milliliter limitiert. Dies bedeute aber immer noch das ganze Nikotin von 6 bis 7 Zigaretten pro Kapsel, so Meury. «Die Abhängigkeit wird deshalb auch erheblich sein.»

«Klar auf Jugendliche ausgerichtet»

Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat. Kein Wunder, denn die Aromen sind klar auf Jugendliche ausgerichtet und dank der Form eines USB-Sticks lässt sich die E-Zigarette gut vor Lehrern und Eltern verstecken», so der Suchtexperte.

Sollte Juul dereinst auch in die Schweiz kommen, fordert Meury eine Altersbeschränkung auf 18 Jahre, die auch im Internet durchgesetzt wird. Gleichzeitig brauche es Informationskampagnen über das hohe Abhängigkeitspotenzial und ein Werbeverbot.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Juul Myle am 06.11.2018 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Nic Salt Systeme!

    Man man man... So eine "Kapsel" (Liquid Pod) mag gleich viel Nikotin beinhalten wie eine Schachtel Zigaretten. SIE HÄLT ABER AUCH SO LANGE WIE EINE PACKUNG ZIGARETTEN! Wer vorher eine Packung Zigaretten geraucht hat, dampft jetzt einen Pod. Wo ist also das Problem? Dafür inhaliert man keinen Teer, Benzol oder Blausäure. Hört mal auf mit dieser Angstmacherei und informiert die Leute richtig! Alle Nichtraucher sollten sich über jeden Juul Benutzer freuen. Die Juul entwickelt wenig Dampf und dieser ist praktisch geruchslos.

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  • Dampfer am 06.11.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dampf

    100x Besser als Normale Zigaretten. Zigaretten haben über 2000 Schadstoffe. Zusätzlich ist Nikotin nicht auf der Liste der Krebsverursachenden Stoffe.

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  • Lapos am 06.11.2018 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Schon klar mit 40mg nikotin, das ist doch nicht normal. Gleichzeitig wird wieder mal übertrieben! Ich als erwachsener mag den tabak geschmack nicht mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schlosser am 06.11.2018 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke juul dass es dich gibt

    Dank der juul nach 22 jahren aufgehört zu rauchen. Vielen dank juul dass es dich gibt

  • Vapestore am 06.11.2018 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zum reflektieren.

    Komisch bei Juul mit 50 mg drehen alle durch, ein Nikotinpflaster mit 52.5mg ist aber i.O. Hmmmm

    • Cedric Loup am 07.11.2018 06:02 Report Diesen Beitrag melden

      Zum reflektieren

      Sorry, aber der Nikotingehalt von der E-Zig und Plaster, als gleich zu vergleichen hinkt gewaltig.

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  • Daniel Schlosser am 06.11.2018 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juul wird immer schlecht gemacht

    Hört mal auf mit dieser schlechtmacherei der E-Zigis. Seit doch eher froh dass soviele raucher nun dampfen. Die juul macht nicht mehr süchtig als andere E-Zigis. Die juul hat wegen seiner grösse eine extrem geringe leistung. Deswegen muss sie auch so hoch dosiert sein. Sonst ist sie kein zigaretten ersatz. Die juul gibt es schon länger in der schweiz und hat schon vielen geholfen vom rauchen weg zu kommen. Gleich viel nikotin wie ein päckchen zigi. So ein blödsinnn. Beim dampfen ist die konzentration des nikotins nicht vergleichbar wie bei einer zigi. Fördert doch diese statt schlecht machen

  • Wendyyyy am 06.11.2018 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    .....

    Lange schon bekannt. Juul hat auch diverse Klagen in den USA und es ist ungesunder und gefährlicher als normale zigaretten.

    • Chris am 06.11.2018 21:23 Report Diesen Beitrag melden

      ....

      Ungesünder und gefährlicher ist eine ganz schlimme Aussage! Bitte ihre Begründung zur Schlussfolgerung!

    • Vapestore am 06.11.2018 22:05 Report Diesen Beitrag melden

      Arbeitest du bei einer Tabakfirma?

      Bei dem Amerikanischen Rechtssystem: Gibt es eine Firma die keine Klagen am Hals hat? Ungesünder als normale Zigaretten? Inhaltsstoffe Juul: PG, VG, Nikotin, Aroma. (Also 4 Stk.) Inhaltsstoffe Zigarette. Ca. 3000! Ca. 300 davon sind Krebsverursachend.

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  • Vapestore am 06.11.2018 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Bevormundung

    Weil verschiedene Studien belegen, dass es keinen Gateway Effekt von der E-Zigi zur Tabakzigarette gibt, wird immer wieder von den auf Jugendliche abzielende Geschmäcker geschrieben. Gut mit meinen 46 lenzen bin ich nicht mehr so taufrisch, aber es schmeichelt mir schon, dass ich als Jugendlicher bezeichnet werde. Ich dampfe am liebsten: Caramel, Banane (von Atmos) oder Cherry Coke. Blaubeeren mit Vanille sind auch der Hammer. Soll ich mir jetzt ernsthaft vorschreiben lassen, was ich zu dampfen habe und was nicht.