Öko-Desaster

31. März 2013 20:10; Akt: 01.04.2013 22:39 Print

Tausende Fische in Stauanlage verendet

Bei der Stauanlage Punt dal Gall im Schweizerischen Nationalpark (SNP) hat es ein technisches Problem gegeben. Die Folgen für die Fauna sind katastrophal.

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Bei der Stauanlage Punt dal Gall im Schweizerischen Nationalpark ist es am Samstag zu einem Zwischenfall bei den Engadiner Kraftwerken AG (EKW) mit gravierenden ökologischen Folgen gekommen: Tausende von Bachforellen und andere Wasserlebewesen verendeten kläglich im Schlamm.

Wie die Engadiner Kraftwerke, der Nationalpark, sowie das Amt für Jagd und Fischerei am Sonntag in einer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben, ist im Bereich der Stauanlage Punt dal Gall aufgrund technischer Probleme die Restwasserversorgung lahmgelegt worden.

Die nachfolgende Erhöhung der Wassermenge führte zu einem hohen Schlammeintrag auf der Strecke zwischen Punt dal Gall und dem Ausgleichsbecken Ova Spin im Nationalpark. Durch die hohe Sedimentfracht wurde die Lebensgemeinschaft im Spöl weitgehend ausgelöscht, wie es in der Medienmitteilung weiter heisst.

Blockiertes Dotiersystem

Zum Unfall beigetragen haben dürfte der ausserordentlich tiefe Wasserstand im Staubecken Livigno. Der tiefe Wasserstand hatte zur Folge, dass im Bereich der beiden Zuflüsse Spöl und Aqua del Gallo die in Staumauernähe abgelagerten Feinsedimente mobilisiert wurden.

Diese Tatsache hat nach Ansicht der Fachleute vermutlich dazu geführt, dass eingetragener Schlamm das Dotiersystem blockierte. Da durch den Schlammeintrag offenbar auch die zugehörigen Überwachungssysteme ausfielen, konnte die rund um die Uhr besetzte Leitstelle der EKW diese Fehlfunktion nicht feststellen.

Das fehlende Wasser im Spöl wurde erst durch dort patrouillierende Parkwächter festgestellt, die Alarm schlugen. In der Folge musste die so genannte Grundablassschütze am Fuss der Staumauer partiell geöffnet werden, um den Fluss wieder mit Wasser zu versorgen.

Gravierende Folgen

Dies hatte allerdings den Effekt, dass eine unkontrollierbare Menge Schlamm in das Bachbett des Spöls unterhalb der Staumauer Punt dal Gall ausgetragen wurde, was für die Bachflora und -fauna im betroffenen Bachabschnitt gravierende Folgen hatte.

Nach ersten Erkenntnissen verendeten auf einer Strecke von etwa sechs Kilometern Tausende von Fischen, und die Bachsohle wurde auf derselben Strecke mit Schlamm zugedeckt.

Unabhängig vom geschilderten Unfall verendeten zusätzlich Tausende von Fischen, nachdem sie in Punt dal Gall in das Triebwassersystem gerieten und die Turbinen des Kraftwerks Ova Spin passierten.

Wieso diese Fische in das Triebwassersystem gerieten, ist noch nicht klar, wie es im Communiqué weiter heisst. Eine Quantifizierung des Schadens ist noch nicht möglich.

Als betriebliche Sofortmassnahme seitens der EKW wurde der Turbinenbetrieb in Ova Spin bis auf Weiteres eingestellt, so dass sich der Wasserspiegel im Staubecken Punt dal Gall erholen kann.

Die Engadiner Kraftwerke AG bedauern diesen Vorfall «ausserordentlich». Sie wollen «alles daran setzen, die Ursachen dieses Vorfalls aufzuklären und die Folgen möglichst rasch und unbürokratisch zu beseitigen».

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Katja Baumann am 01.04.2013 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Darf nicht sein!

    So etwas darf einfach NICHT passieren!!!!!! "die Folgen möglichst rasch und unbürokratisch beseitigen"...gehts noch? Es sind tausende Lebewesen gestorben, die lassen sich nicht so einfach "unbürokratisch ersetzen" oder was auch immer. Solche Dinge machen mich soooo wütend!

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  • Alfred Goppenstein am 01.04.2013 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Stromverbraucher...

    Bei einem Atomkraftwerk wäre das nie passiert, sofort alle Stauseen stilllegen und ein Atomkraftwerk bauen!

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  • Vorfall meint Katastrophe! am 01.04.2013 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Folgen rasch und unbürokratisch

    beseitigen? Wie gedenken die Verantwortlichen, tausende tote Fische unbürokratisch wieder lebendig zu machen? Oder war mit beseitigen die Meinung eher: Aus dem Auge aus dem Sinn?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Toto am 01.04.2013 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Kritiker

    Versucht mal ohne Strom zu leben...! Niemant will das. Und übrigens, es gibt keinen grünen Stom. Jede stromart hat eine graue Energie.

  • Fabio am 01.04.2013 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch essbar?

    Will nicht taktlos klingen aber kann man die Fische wenigstens noch essen?

  • Cello am 01.04.2013 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Aber, aber..

    Da ist doch sicher wieder die SVP Schuld... :-)

    • zoologin am 02.04.2013 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nein Nein

      Die sind nur für bissige Affen zuständig.

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  • Mainhart Schmid am 01.04.2013 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direktor Quo Vadis?

    Eine ökologische Katastrophe woe diese reicht wohl nicht aus um die Meinung des Direktors zu hören! ist das jetzt nicht Chefsache herr Haller? Sie wussten doch vo dieser Gefahr? Warum haben sie nicht gehandelt? Untragbar sowas!

  • Belinda Mülchi am 01.04.2013 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AKW

    Aber ja keine Neuen Akw stellen. nein dan lieber solches Theater!!

    • Daniel H. am 01.04.2013 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      Warmes Wasser

      Preisfrage zu einem AKW , warum liegen fast alle AKws an einem Fluss?

    • Hans am 01.04.2013 18:43 Report Diesen Beitrag melden

      Ja ja AKW

      Wenn ein AKW leckt dann sterben nicht nur ein paar Fische sondern sind ganze Landstrich für viele Jahre Sperrgebiet.

    • Dinu am 01.04.2013 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig....

      @ Hans Ja genau! Bei AKW's ist ja jeder Sensor nur einmal vorhanden und es wird nur alle 14 Tage ein Kontrollgang gemacht!! Wenn sie wirklich glauben, das ein AKW direkt mit Flusswasser gekühlt wird, tun sie mir leid! Und für alle Besserwisser: Nirgendwo wird der Primärkreislauf eines KKW's direkt mit Flusswasser gekühlt!

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