Reliquie

20. November 2009 15:14; Akt: 20.11.2009 15:23 Print

Text auf Turiner Grabtuch?

Es ist eine der umstrittensten Reliquien: das Grabtuch von Turin, das den Abdruck von Jesus tragen soll. Eine Forscherin will jetzt auf dem Tuch einen fast unsichtbaren Text entdeckt haben.

storybild

Verehrt und umstritten: Turiner Grabtuch (Bild: Keystone/AP/Antonio Calanni)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Fund beweise die Authentizität des Stücks, in dem der Überlieferung zufolge Jesus von Nazareth nach der Kreuzigung beigesetzt wurde, erklärte die Wissenschaftlerin Barbara Frale. Sie forscht in den Archiven des Vatikans. Die blassen Schriftzüge seien bei einer Computeranalyse des Tuchs entdeckt worden.

Skepsis

Der Text sei eine Mischung aus Griechisch, Lateinisch und Aramäisch und enthalte die Wörter «Jesus von Nazareth» und erwähne, dass er zum Tod verurteilt worden sei. Frale vermutet, dass der Text von einer Schreibkraft auf ein Dokument geschrieben worden sei, um den Leichnam zu identifizieren. Dabei sei die Tinte in das Tuch gesickert. Die Angaben Frales stiessen bei anderen Wissenschaftlern auf Skepsis, die das Leinentuch für eine von Menschen hergestellte Fälschung halten.

Schon 1997 hatten die Wissenschaftler André Marion und Anne-Laure Courage mit modernen Methoden der Computeranalyse angeblich Inschriften auf dem Tuch sichtbar gemacht. Dabei handelt es sich um rund einen Zentimeter grosse griechische und lateinische Buchstaben.

Umstrittene Datierung

1988 wurde das Tuch mit Hilfe der Radiokarbon-Methode — unter anderem von der ETH in Zürich — auf das 13. oder 14. Jahrhundert datiert. Freilich ist auch diese Datierung umstritten; Anhänger der Echtheit des Tuches behaupten, das verwendete Probematerial sei kontaminiert gewesen.

(dhr/ap)