Sauerstoffmangel

01. April 2014 10:54; Akt: 01.04.2014 12:52 Print

Todeszonen in der Ostsee dehnen sich extrem aus

In der Ostsee hat sich die Fläche der sauerstoffarmen Zonen im vergangenen Jahrhundert mehr als verzehnfacht. Damit wird es eng für Fische und andere Meerestiere.

storybild

Das Satellitenbild zeigt das Ausmass der Algenblüte auf der Ostsee vor dem Danziger Becken, Kaliningrad und Litauen. (Bild: ESA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In den letzten 110 Jahren sind in der Ostsee die Gebiete mit extremen Sauerstoffmangel von 5000 auf 60'000 Quadratkilometer angewachsen. Schuld sei vor allem der starke Zufluss von Düngemitteln, aber auch der Temperaturanstieg, berichten die Forscher um Jacob Carstensen von der Universität Aarhus in den «Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of Amerika».

Die Wissenschaftler untersuchten östlich der dänischen Insel Bornholm und um die schwedische Insel Gotland, wie sich Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoffwerte in den vergangenen 115 Jahren entwickelt hatten. Dabei stellten sie fest, dass die Wassertemperatur in beiden Gebieten um etwa zwei Grad Celsius gestiegen war.

Von Menschen gemachte Probleme

Das hat Folgen für den Sauerstoffgehalt. Denn je höher die Temperatur des Wassers, desto weniger Sauerstoff kann sich darin lösen. Noch gravierender aber wirken sich Nährstoffe etwa aus der Landwirtschaft aus, die mit Flüssen in die Ostsee gespült werden.

Sie lassen etwa Cyanobakterien und Algen spriessen, die sich stark vermehren und Sauerstoff verbrauchen. Die Forscher bezeichnen die Ostsee als die weltweit grösste Sauerstoffmangelzone menschlichen Ursprungs.

Vorübergehende Erholung

Überraschend gut sah es im Untersuchungsgebiet 1993 aus: Damals waren die Todeszonen etwa auf das Mass von 1931 geschrumpft. Die Ostsee schien sich nach schwierigen Zeiten erholt zu haben. Doch die Studie zeigt, dass dies einem seltenen Ereignis geschuldet war: Zwischen 1982 und 1993 floss mehr Wasser aus der Ostsee in die Nordsee hinaus als auf umgekehrtem Weg hinein. Tiefen- und Oberflächenwasser tauschten sich stärker aus, mehr Sauerstoff gelangte in die Tiefe.

Seit 1993 dehnten sich die sauerstoffarmen Zonen dann wieder aus und sind heute grösser als je zuvor. Fische und andere Meeresbewohner haben dadurch einen kleineren Lebensraum, was etwa die Fangmengen schrumpfen lässt. Die Wissenschaftler sehen nur eine Möglichkeit, die Ostsee wieder gesünder zu machen: Die auf Felder ausgebrachten Düngemittel müssten verringert werden.

(fee/sda)