Expertenrat

19. Oktober 2019 17:19; Akt: 19.10.2019 17:26 Print

Tote nach E-Zigi – das sollten Vaper beachten

E-Zigis gelten als weniger schädlich als Zigaretten. Doch Tote in den USA werfen Fragen über die Sicherheit auf. Das raten Experten.

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Nachdem in den USA Hunderte Menschen im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten lungenkrank geworden sind, sind auch Vaper in unseren Breitengraden verunsichert. Für sie haben Experten vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen wichtigen Rat: Sie empfehlen Dampfern, auf das Selbstmischen von Liquids zu verzichten, da dabei die Gefahr bestehe, dass Mineral- und Pflanzenöle in die Flüssigkeit geraten. Ebenfalls gemieden werden sollten E-Zigis und Liquids unklarer Herkunft und Zusammensetzung. Dann drohten Vapern in unseren Breitengraden nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen Regelungen entsprechen, so BfR-Präsident Andreas Hensel. Der Experte rät E-Zigi-Konsumenten weiter, auf Symptome wie Atembeschwerden oder Schmerzen im Brustbereich zu achten, «besonders nach einem Produktwechsel». Bei den Krankenfällen in den USA hatten alle Betroffenen zuvor E-Zigaretten konsumiert. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. Acht Menschen verstarben in der Folge. Trotzdem ist nach wie vor unklar, was genau die Gesundheitsprobleme auslöst. Doch es scheint eine Spur zu geben. Laut der «Washington Post» haben Untersuchungen der gerauchten Liquids einen Stoff in den Fokus gerückt ... (Im Bild: einige der untersuchten Liquids) ... der die Atemwegserkrankungen auslösen könnte: Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt. Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Doch der Stoff kann wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden. Es ist nicht das erste Mal, dass über die Gefährlichkeit des E-Zigi-Konsums diskutiert wird. Studien zeigten, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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Dampfer sollten darauf verzichten, das Gemisch für ihre E-Zigaretten selbst herzustellen. Das teilt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit, nachdem gehäuft schwere Lungenerkrankungen bei Vapern in den USA auftraten.

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So bestehe beim Selbstmischen etwa die Gefahr, dass Mineral- und Pflanzenöle verwendet werden. Dabei sollten Öle unter keinen Umständen in Liquids enthalten sein. Unter anderem weil sie bei Inhalation zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Ebenfalls gemieden werden sollten E-Zigaretten und Liquids unklarer Herkunft und Zusammensetzung.

Konsumenten von E-Zigaretten in unseren Breitengraden drohten nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen und deutschen Regelungen entsprechen, so BfR-Präsident Andreas Hensel. «Dennoch sollten E-Zigi-Konsumenten auf Symptome wie Atembeschwerden oder Schmerzen im Brustbereich achten, besonders nach einem Produktwechsel.»

Nikotinfreie Liquids nicht unbedingt besser

In der E-Zigarette wird eine Flüssigkeit erhitzt, sodass sie verdampft und eingeatmet werden kann. Bei bestimmungsgemässem Gebrauch seien E-Zigaretten nach heutigem Wissen weniger gesundheitsgefährdend als konventionelle Tabakerzeugnisse, heisst es in der Mitteilung. Unzureichend untersuchte Inhaltsstoffe, Verunreinigungen oder neue Liquid- und Verdampferprodukte können jedoch die gesundheitlichen Risiken erhöhen.

Bei leistungsstarken Sub-Ohm-Modellen (Verdampfer der E-Zigi hat einen Widerstand von unter einem Ohm) gelangen zudem grosse Mengen des Dampfes direkt in die Lunge. Wie sich das auswirkt, ist noch gemäss dem BfR weitgehend unerforscht.

Problematisch können auch nikotinfreie Liquids sein. Sie fallen nicht unter das Tabakrecht und müssen daher keine tabakrechtlichen Bestimmungen einhalten, wie die Verwendungsverbote für gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe und die geltenden Meldepflichten. Bei Meldungen und Nachfragen an die Giftinformationszentren sind häufig selbst gemischte E-Liquids die Ursache.

Detaillierte Aufklärung von US-Fällen

In den USA wurden innerhalb kurzer Zeit eine Reihe schwerer Lungenerkrankungen mit Atemnot, Husten und Brustschmerzen gemeldet. Es wurde über Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen aber auch Todesfälle berichtet. Die betroffenen Nutzer sind laut einer Studie im Fachblatt «New England Journal of Medicine» im Mittel 19 Jahre alt.

Sie verwendeten zum überwiegenden Teil Cannabis-Produkte, die nicht aus dem regulären Handel stammten. Welche Substanz oder welche Faktoren die Lungenleiden auslösten, ist noch ungeklärt.

Dass die Probleme innerhalb eines kurzen Zeitraums auftraten und vor allem junge Menschen betroffen sind, spricht aus Sicht des BfR dafür, dass eher ein begrenztes Problem vorliegt. Eine detaillierte Aufklärung der Ursachen des Geschehens in den USA ist notwendig, um weitere Empfehlungen geben zu können.

Wie schädlich E-Zigis sind, hängt auch vom Aroma ab

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Damorand am 19.10.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kugelfisch

    Täglich sterben xTausende an den Folgen von Alkohol und Tabak, doch die Welt schreit ab jenen Einzelfällen auf, bei welchem Ezigi Raucher nicht geprüfte Substanzen vom Internet bestellen, die man im Handel nicht mal bekommen könnte. Etwa so wie wenn jemand nicht sachgerecht zubereiteten Kugelfisch isst und daran stirbt, und man anschliessend das Fischessen als Ursache sieht

  • Mulder am 19.10.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt

    Endlich ein guter Artikel dazu! Danke

  • Sepp am 19.10.2019 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ungesund

    was soll dieses Theater, Rauchen ist ungesund ob E-Zigaretten oder Tabak Punkt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nick am 19.10.2019 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ich fasse es nicht

    Da rühren Leute offenbar Sachen zusammen, von denen sie keine Ahnung haben, verdampfen das Zeug, atmen diesen Dampf freiwillig ein und wundern sich, wenn sie krank werden? Was hatten die erwartet?

  • VitaminBert am 19.10.2019 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nüsse

    Wenn ich viel nüsse esse, kriege ich oft auch schwerer luft.. finde diesen genannten vitamin-e-aspekt interessant.

  • jaylo am 19.10.2019 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Lawn-Mower-Man am 19.10.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    srsly?

    Was sind das für seltsame Kommentare?

  • theorie am 19.10.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gewagte

    ich hätte einen Vorschlag es ist gewagt, ich weiss, aber wie wärs einfach kein Öl zu vapen? es wär einen Versuch wert!