Erstmals nachgewiesen

14. August 2019 17:41; Akt: 14.08.2019 17:41 Print

Zecke überträgt erstmals gefährliches Fleckfieber

In der tropischen Riesenzecke der Art Hyalomma, die einen Pferdehalter aus dem Raum Siegen (D) gestochen hat, ist ein Fleckfieber-Erreger nachgewiesen worden.

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Die Negativnachrichten um die Superzecke der Art Hyalomma reissen nicht ab: Hiess es im Juni 2019 noch, der ursprünglich aus den Tropen stammende Blutsauger habe ... teilen Forscher der Universität Hohenheim nun mit, dass die Hyalomma-Zecke erstmals Fleckflieber in Deutschland übertragen hat. Die Ansteckung soll im Raum Siegen in der Nähe von Köln stattgefunden haben. Betroffen sei ein Pferdehalter. Sein Fall wird offiziell als Verdachtsfall behandelt, weil ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nach Angaben der Experten nicht möglich war. Dennoch sind sie sich sicher, dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelt. Der Mann konnte mithilfe von Antibiotika behandelt werden. (Im Bild: typischer Fleckfieberausschlag bei einem Mann aus Burundi) Die Superzecke wird von Experten als Jagdzecke bezeichnet, da sie anders als hier heimische Zecken nicht einem potenziellen Wirt auflauert, sondern aktiv nach einem solchen sucht. (Im Bild: Hyalomma marginatum) Die Universität Hohenheim schreibt dazu, dass Warmblüter aus einer Entfernung von bis zu zehn Metern mit den Augen oder chemischen Sinnen der Zecken wahrgenommen und dann über mehrere hundert Meter verfolgt werden. (Im Bild: Hyalomma rufipes) Die Hyalomma-Zecken stammen ursprünglich aus den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und Südeuropa - von Spanien über Italien bis zur Türkei. Fachleute gehen davon aus, dass der Rekordsommer 2018 den Superzecken geholfen hat, sich in unseren Breitengraden zu etablieren.

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Erstmals soll Ende Juli in Deutschland ein Mensch durch den Stich einer tropischen Riesenzecke an Fleckfieber erkrankt sein. In der Zecke, die den Mann gestochen hatte, sei der betreffende Erreger nachgewiesen worden, teilte die Universität Hohenheim in Stuttgart am Mittwoch mit.

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«Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch Menschen sticht», sagte Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. «Nun ist auch deutlich, dass eine Übertragung des Zecken-Fleckfiebers durch die Tiere möglich ist», sagte die Forscherin der Nachrichtenagentur DPA.

Der Fall des Pferdehalters aus dem Raum Siegen (Nordrhein-Westfalen) wird aber offiziell als Verdachtsfall behandelt, weil ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nach Angaben der Experten nicht möglich war. Dennoch sind sie sich sicher, dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelt. Der Mann konnte konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

Fleckfieber führt beim Menschen zu Hautausschlag und dem Gefühl erhöhter Temperatur, zu Kopf- und Muskelschmerzen und extremen Gelenkschmerzen. Die Infektionskrankheit ist jedoch nicht die einzige, die von Zecken der Art Hyalomma übertragen werden können. So wird sie auch als Überträger des Krim-Kongo-Fiebers (siehe Box) gefürchtet.

Auffällig anders

Die Hyalomma-Zecken stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und Südeuropa – von Spanien über Italien bis zur Türkei. Von den einheimischen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimeter Länge wesentlich grösser und haben auffällig gestreifte Beine (siehe Video unten).

Auch hierzulande wurde die tropische Zeckenart seit 1975 vereinzelt nachgewiesen. Damals war sie vom Biologen und Parasitologen André Aeschlimann von der Universität Neuenburg erstmals in der Schweiz beschrieben worden. Systematisch erfasst wird das Vorkommen dieser Zeckenart hierzulande bisher jedoch nicht.

«Tropen-Zecken kommen auch in der Schweiz vor»

Mit Vögeln eingereist

Erst vergangenes Frühjahr hatten finnische Forscher nachgewiesen, dass die Tropen-Blutsauger von Zugvögeln eingeschleppt werden. Für ihre im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» hatten die Wissenschaftler in den Frühjahren 2010, 2014 und 2015 mehr als 30'000 Zugvögel an Überwachungspunkten in Griechenland, Spanien, Italien, der Türkei und Israel eingefangen und auf Zecken untersucht – und wurden insgesamt 1771-mal fündig.

Die Hyalomma-Zecken können aber auch beim Import von Heu und Futtermitteln eingeschleppt werden.


Der Aufruf von Parasitologin Ute Mackenstedt richtet sich zwar nur an Menschen in Deutschland, doch die Infos zur Hyalomma-Zecke sind auch für Personen in der Schweiz wichtig. (Video: Youtube/Universität Hohenheim)

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • iwan am 14.08.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeckenbiss

    tragisch, aber Zecken stechen nicht, sie beissen! wurdest Du gebissen, vergiss nicht, die im Geschäft als Unfall anzugeben. Gilt als Tierbiss!

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  • Silvester am 14.08.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zieht euch warm an...

    Nun haben wir den Salat. Was kommt noch alles in unsere Breitengraden was hier nicht hingehört? Immer werden neue Tiere und damit verbundene Krankheiten eingeschleppt.

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  • Scorpius am 14.08.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will es wissen

    Gibt es irgend etwas, wofür diese Zecken Viecher gut sind? Sonst hat doch alles irgend eine Existenzberechtigung in der Natur, aber Zecken?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Henni am 15.08.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Befallen

    Mich hat so eine grosse Zecke vor 4 Wochen gebissen und hatte bis jetzt kein Fiber. Diese machen mir aber weniger Angst als unsere Kleinen unscheinbaren. Die sieht man ja sofort sind fast so gross wie eine kleine Fliege. Wärend in ganz Spanien in den letzten Jahren an Krim Kongo glaub 1er gestorben ist sind in nächster Umgebung nur in einem Jahr schon mehrere korrektfarende Velofahrer todgefahren worden. So wie Berichtet, waren immer Drogen, Alkohol oder Altersschwäche im spiel. Dies nur so als Risikovergleich.

  • Tyrael am 15.08.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird nicht besser.

    Ein Hoch auf die Globalisierung.

  • Aufruf Uni Hohenheim, ernst nehmen am 15.08.2019 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    mein Respekt für diese Forschung

    Dieser Video-Beitrag von der Professorin ist interessant und ich würde ihr Bescheid geben wenn ich diese Art von Zecken bei uns erspähe.

  • Filou am 14.08.2019 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Reise

    Zugvögel mit Zeckenbefall ? Wären die auf der langen Reise nicht schon längst abgefallen ?

  • Andreas am 14.08.2019 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    Das einzige was uns helfen könnte wäre einmal ein richtiger kalter Winter mehrere Wochen Minusgrade und das Ungeziefer wäre abgetötet.