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12. Juni 2019 11:10; Akt: 12.06.2019 14:58 Print

Tropische Superzecke überwintert in der Schweiz

Die Superzecke, die im letzten Jahr vereinzelt in der Schweiz gefunden wurde, hat wohl einen Weg gefunden, die kalten Winter zu überstehen.

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Der Fund mehrerer tropischer Zecken in Deutschland alarmiert Fachleute. Die Forscher der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr wiesen im Jahr 2018 sieben Exemplare der Gattung Hyalomma nach, die ursprünglich aus Afrika stammt. (Im Bild: ein Hyalomma-Weibchen mit der typischen Streifung der Beine) Die vergleichsweise grossen Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen waren in diesem Jahr im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau aufgetaucht und damit in zwei Bundesländern. (Im Bild: links die hierzulande bekannte Ixodes-Zecke, rechts eine Hyalomma-Zecke). Gefunden wurden die Zecken allesamt an Nutztieren, an Pferden und einem Schaf. Die Wissenschaftler befürchten, die Blutsauger könnten in unseren Breitengraden sesshaft werden. Wegen der Klimaerwärmung sei in Deutschland mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen. Nun ist es klar: Einige haben den Winter überstanden. Die Hyalomma-Zecken bevorzugen eine geringere Luftfeuchtigkeit als die in unseren Breitengraden heimischen Arten. Doch das ist nicht das Einzige: So trug eines der Exemplare den Erreger des Zecken-Fleckfiebers in sich, das Bakterium Rickettsia aeschlimannii. (Im Bild: Patient mit Fleckfieber) Generell spielen viele Hyalomma-Vertreter als Krankheitsüberträger eine wichtige Rolle, vor allem für das Krim-Kongo-Fieber. Die deutschen Forscher vermuten, dass die Blutsauger von Zugvögeln eingeschleppt worden sind. Dass das tatsächlich möglich ist, zeigte kürzlich eine im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» publizierte Studie von finnischen Forschern. Für diese hatten die Wissenschaftler in den Frühjahren 2010, 2014 und 2015 mehr als 30'000 Zugvögel an Überwachungspunkten in Griechenland, Spanien, Italien, der Türkei und Israel eingefangen und auf Zecken untersucht – und wurden insgesamt 1771-mal fündig. In der Schweiz sind die Zecken der Gattung Hyalomma alte Bekannte, wie Alexander Mathis, Parasitologe an der Universität Zürich, sagt. «Hyalomma-Zecken wurden schon 1975 vom Biologen und Parasitologen André Aeschlimann der Universität Neuenburg hier in der Schweiz beschrieben», so der Experte auf Anfrage. Seither seien sie hierzulande immer mal wieder angetroffen worden. (Im Bild: André Aeschlimann) Mathis vermutet ebenfalls, das die exotischen Blutsauger mit Zugvögeln eingereist sind. Doch auch die zunehmende Globalisierung spiele dabei eine Rolle, sagt er: «Es werden Waren hin- und hergeschickt, Menschen reisen in den Süden und Tiere werden mit in die Ferien genommen. Das führt zu einer Häufung dieser Fälle.» Dass sich die exotischen Zecken in unseren Breitengraden etablieren könnten, hält er aber für ausgeschlossen – zumindest solange es richtige Winter hat: «Die Kälte macht ihnen den Garaus.» Nun haben sie aber wohl in Ställen überlebt.

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Eine neu eingewanderte tropische Zeckenart scheint erstmals in Deutschland und der Schweiz überwintert zu haben. Fachleute der Universität Hohenheim und der Bundeswehr fanden sechs Exemplare der Gattung Hyalomma, die offenbar nicht neu von Zugvögeln eingeschleppt wurden.

2018 wiesen die Expertinnen und Experten bereits mehrere Exemplare der tropischen Zecke in Deutschland nach. Bisher wurden sie vermutlich von Zugvögeln eingeschleppt. Nun wurden fünf Zecken auf einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen und eine auf einem Pferd in Niedersachsen gefunden, die offenbar überwintert haben: Laut den Forschenden müssten diese Individuen zu einem Zeitpunkt eingeschleppt worden sein, als die Zugvögel noch nicht wieder da waren.

Die Hyalomma-Zecke ist an ihren auffällig geringelten Beinen und ihrer Grösse leicht zu erkennen. Sie ist zwei- bis dreimal so gross wie ihre europäischen Verwandten. Anders als diese jagt die Hyalomma-Zecke zudem aktiv und verfolgt Warmblüter über Dutzende Meter.

Die Gattung Hyalomma ist eigentlich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas heimisch. Beispielsweise kommt sie in der Türkei, in Spanien, Italien und Südfrankreich vor. Im eurasischen Raum gelten die zu den Milben zählenden Tiere zudem als Überträger des auch für den Menschen gefährlichen Krim-Kongo-Virus.

Vereinzelt auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz wurde die tropische Zeckenart seit 1975 vereinzelt nachgewiesen. Forschende der Universität Neuenburg hatten damals festgestellt, dass Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln in die Schweiz kommen. Systematisch erfasst wird das Vorkommen dieser Zeckenart hierzulande bisher jedoch nicht.

Obwohl nun in Deutschland einige Exemplare entdeckt wurden, die offenbar überwintern konnten, bedeute das noch lange nicht, dass sich die tropische Zeckenart in diesen Breiten etablieren könne, betonte der Parasitologe Alexander Mathis von der Universität Zürich gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Winter in der Schweiz seien zu kalt. Solange es noch einige richtig kalte Tage gebe, sei es sehr unwahrscheinlich, dass Hyalomma hierzulande im Freien überwintern könne.

Anders sehe es in geschützten Bereichen wie Ställen aus, so Mathis. Insofern sei es nachvollziehbar, dass die tropische Zeckenart auf Pferdehöfen überwintern konnte. «Es ist auch möglich, dass Hyalomma-Zecken beim Import von Heu und Futtermitteln eingeschleppt werden. Diese Art ist extrem trockenheitsresistent, anders als die einheimischen Arten», sagte der Parasitologe.

Keine explosionsartige Vermehrung

Ausserdem paare sich die tropische Zeckenart auf den Wirtstieren beim Blutsaugen, es müssten sich also Männchen und Weibchen auf dem gleichen Tier finden, damit sie sich vermehren könnten. Und selbst wenn dies per Zufall einmal vorkomme, so gebe es bei dieser Zeckenart nur einen Vermehrungszyklus pro Jahr - es gebe somit keine explosionsartige Vermehrung wie beispielsweise bei Stechmücken.

Dass mit der Hyalomma-Zecke auch das für den Menschen gefährliche Krim-Kongo-Fieber eingeschleppt werde und sich hier etablieren könnte, hält Mathis für äusserst unwahrscheinlich. «Die Zecken tragen den Erreger nicht automatisch in sich. Sie müssten zunächst in einem Juvenilstadium ein mit dem Krim-Kongo-Erreger infiziertes Tier stechen; erst dann könnte das nächste Entwicklungsstadium der Zecke die Krankheit übertragen.»

(fss/sda)