20 Dollar plus Porto

03. Oktober 2018 19:25; Akt: 03.10.2018 19:25 Print

Warum nicht einfach ein wenig Mars-Erde kaufen?

Kein Witz: US-Forscher produzieren im grossen Stil Mars-Erde und verkaufen diese jetzt. Das Ganze hat einen seriösen Hintergrund.

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Der Mars ist der erklärte nächste Schritt für die bemannte Raumfahrt, doch bis es so weit ist, gibt es noch einige wichtige Aspekte zu klären. Unter anderem, wie sich dort oben ... ... Lebensmittel produzieren lassen. Fest steht bislang nur: Einfach wird es nicht, denn der Mars-Boden enthält eine Vielzahl chemischer Verbindungen, die auf die meisten irdischen Organismen toxisch wirken. (Im Bild: Szene aus dem Film «Der Marsianer – Rettet Mark Watney», 2015) Deshalb haben Forscher der University of Central Florida nun ein standardisiertes Verfahren entwickelt, mit dem sich Mars-Erde künstlich erzeugen lässt. Diese nutzt das Team um Physiker Dan Britt nicht nur selbst, sondern verkauft sie auch für 20 Dollar pro Kilogramm plus Versandkosten. Das Angebot kommt offenbar an: Laut Angaben der Hochschule sind bereits 30 Bestellungen eingegangen. Darunter auch eine der Nasa, die eine halbe Tonne für das Kennedy Space Center geordert hat. Die Formel der Forscher basiert auf der chemischen Zusammensetzung der Mars-Böden, die der Mars-Rover Curiosity analysiert hat. (Im Bild: ein Selbstporträt von Curiosity) Die Lebensmittelbeschaffung im All ist jedoch bei Weitem nicht die einzige Herausforderung, mit der es Forscher im Hinblick auf bemannte Mars-Reisen zu tun haben. Viele ungelöste Fragen haben mit der lange Dauer der Reise zu tun. Von der Erde bis zum Mars würde der Flug mit der heutigen Technik zwischen sechs und acht Monaten dauern. (Im Bild: Curiosity auf dem Weg zum Mars, 2011) Zu den grösseren Schwierigkeiten zählt die , der die Astronauten im Weltall ausgesetzt sind. Laut Oliver Ullrich, Leiter des Space Hub an der Universität Zürich, führt das zu einem höheren Krebsrisiko oder ... ... im schlimmsten Fall zum Tod. Und das innert kürzester Zeit. Bei kürzeren All-Aufenthalten falle dies weniger stark ins Gewicht. Und auch auf der ISS sei die Gefahr deutlich geringer, weil die Raumstation durch das Magnetfeld der Erde gegen die Strahlung abgeschirmt ist. Diesen Schutz gibt es auf dem Weg zum Mars nicht. Während der Reise und des Aufenthalts wären die Astronauten der kosmischen Strahlung schutzlos ausgeliefert. Entsprechend suchen die Nasa und andere Organisationen nach Materialien, die die Strahlen aufhalten. (Im Bild: Szene aus «Red Planet», 2000) Doch die kosmische Strahlung bereitet der Nasa auch noch aus einem anderen Grund Bauchschmerzen: In einer Studie mit Mäusen zeigte sich nämlich, dass sie das empfindliche Magen-Darm-Gewebe schädigt, was die Nährstoffaufnahme behindern und ebenfalls Krebs auslösen kann. Neben der Strahlung wirft auch die Fragen auf. Zwar ist bekannt, dass sie Muskel- und Knochengewebe schwinden lässt, weshalb Astronauten während ihrer Einsätze regelmässig dagegen antrainieren müssen ... (Im Bild: Nasa-Astronautin Karen Nyberg beim Joggen im All) ... Aber niemand kann sagen, wie gross das Ausmass des Schwunds bei Mars-Reisenden wäre. Schliesslich würden sich diese weit über ein Jahr in der Schwerelosigkeit aufhalten. Den bisherigen Rekord für den Aufenthalt in der Schwerelosigeit hält der Kosmonaut Waleri Poljakow mit 437 Tagen (Im Bild: Szene aus dem Film «Der Marsianer – Rettet Mark Watney», 2015) Doch nicht nur der durch die Schwerelosigkeit ausgelöste Muskel- und Gewebeschwund ist problematisch, wie das Team um Oliver Ullrich (Bild) bei Parabelflügen herausgefunden hat. Dabei zeigte sich, dass schon nach wenigen Sekunden wichtige molekulare Funktionen im Körper gestört werden. Beispielsweise wird die Freisetzung von Sauerstoffradikalen in Fresszellen beeinträchtigt. «Dabei handelt sich um einen Zellprozess, der eigentlich der Abwehr von Bakterien dient», sagt Oliver Ullrich. Finde der nicht statt, Eine weitere grosse Herausforderung stellen auch dieauf dem Mars dar, die von minus 133 Grad Kälte bis 27 Grad Celsius Wärme reichen können. Auch die kann aus Sicht von Experten Probleme bereiten: Wann immer mehrere Menschen über einen langen Zeitraum auf engstem Raum zusammen sind, ist mit Schwierigkeiten zu rechnen, so die Nasa. Deshalb ... (Im Bild: Szene aus «Approaching the Unknown», 2016) ... arbeite man an Methoden zur Überwachung der Besatzung, mit denen sich Risikofaktoren frühzeitig Auch die immense Distanz zur Erde und das Wissen, dass man nicht einfach dorthin zurückkomme, würde den Astronauten zusetzen. Denn auch die Kommunikation zum Heimatplaneten ist nur mit einer rund 20-minütigen Verzögerung möglich. (Im Bild: der Mond und die Erde, l. vom Mars aus gesehen) Ebenfalls offen ist die Frage, ob – und wenn: wie – die Besatzung wieder zur Erde zurückkehren kann. (Im Bild: die Wiedereintrittskapsel des chinesischen Satelliten Shenzhou-9 bei der Landung in der Mongolei, 2012)

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Bemannte Flüge zum Mars liegen noch in weiter Ferne, aber schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Denn bis es so weit ist, muss noch viel geforscht werden. Zunächst muss geklärt werden, ob Technik und Menschen zu einem solchen Unternehmen überhaupt in der Lage sind. Die offenen Fragen haben vor allem mit der langen Dauer der Reise zu tun (siehe Bildstrecke oben).

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Doch es gibt auch bereits konkrete Projekte, die sich mit der Situation nach dem Ankommen auf dem roten Planeten beschäftigen. So haben etwa Forscher der University of Central Florida damit begonnen, Mars-Erde herzustellen, die dem echten Sediment nachempfunden ist. Und sie verkaufen sie sogar.


Essen auf dem Mars züchten

Was verrückt tönt, hat einen seriösen – und wichtigen – Hintergrund: Es soll Möglichkeiten des Überlebens in mehreren Millionen Kilometern Entfernung vom Heimatplaneten ausloten (siehe Box). Denn: «Wenn wir zum Mars wollen, werden wir Essen, Wasser und andere wichtige Dinge brauchen», erklärt Physiker Dan Britt in einer Mitteilung.

Mit der eigenhändig erschaffenen Mars-Erde sei es möglich, zu testen, welche Pflanzen und Tiere unter welchen Bedingungen im All gedeihen würden. Irdischer Boden ist dazu aufgrund seiner Beschaffenheit nicht geeignet. So enthält er deutlich weniger toxische Verbindungen als sein Pendant vom Mars.

Vorlage stammt von Curiosity

Damit künftige Mars-Reisende nicht wie im Film «Der Marsianer – Rettet Mark Watney» (2015) erst auf dem roten Planeten mit den Schwierigkeiten der Lebensmittelproduktion im All konfrontiert werden, haben Britt und seine Kollegen eine Methode entwickelt, mit der sich die Mars-Sedimente auf der Erde erzeugen lassen.

Die Formel der Forscher basiert auf der chemischen Zusammensetzung der Mars-Böden, die der Mars-Rover Curiosity analysiert hat.

Auf dem Mars Nahrung zu produzieren, ist gar nicht so einfach, wie der Film «Der Marsianer – Rettet Mark Watney» (2015) zeigt. (Video: Youtube/KinoCheck)

Erstes standardisiertes Verfahren

Es ist nicht das erste Mal, das Wissenschaftler künstliche Mars-Erde erschaffen, doch bislang hatte jedes Team mit seiner eigenen Simulation gearbeitet. Dadurch waren die Ergebnisse wenig bis kaum miteinander vergleichbar.

Das soll sich mit dem standardisierten Verfahren der University of Central Florida nun ändern, wie es im Fachjournal «Icarus» heisst. Damit alle mit dem gleichen Ausgangsmaterial arbeiten können, verkaufen es die Forscher der University of Central Florida – für 20 Dollar pro Kilogramm plus Porto.

Das Angebot kommt offenbar an: Laut Angaben der Hochschule sind bereits 30 Bestellungen eingegangen. Darunter auch eine der Weltraumagentur Nasa. Eine halbe Tonne von dem auf der Erde geschaffenen Marsboden geht ans Kennedy Space Center.

Mit ihrer Methode können die Forscher können Bodenarten herstellen, die auf dem Mars vorkommen. (Video: University of Central Florida)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • p. meier am 03.10.2018 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Mars-Erde ist für mich Erde vom Mars und nicht Erde von der Erde, egal wie diese bearbeitet wird vleibt es Erde von der Erde.

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  • Der Untergang ist nah am 03.10.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Besser wäre es,

    wenn man sich um die Probleme auf unserem Planeten kümmern würde...

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  • René am 03.10.2018 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wozu?

    Und was soll ich damit? Wachsen meine Tomaten darin besser?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bartli am 05.10.2018 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch

    Noch vor Monaten hiess es, dass Leute sich auf dem Mars niederlassen wollen und dies ohne Rückkehr. Alles nur blublub? Der Mensch kann nicht mal hier all die Probleme lösen, wie dann im All erst. Auch das mit den Strahlungen weiss man doch schon längst. Die Ersten sind jedenfalls immer und mit Grantie reine Versuchskarnikel, daher als Helden hochstilisiert. Bin gespannt, ob es der Mensch schafft. Nun ich werde es nicht mehr erleben, denke ich. Und wenn er es schafft, wie wird die Lebensqualität wohl sein. Unser Planet ist ein Traum, geben wir ihm Sorge, solange es ihn gibt in der Form.

  • Pius K. am 04.10.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt euer Geld doch aus

    Wäre es ECHTE Marserde wäre es noch eine Sache, aber hier zusammengesetzt "wie auf dem Mars" kann's einfach nicht sein. Auf was für Ideen kommen die Leute noch alles? Der Witz ist dabei : es gibt immer Leute die solchen Mist dann auch noch kaufen! Nun, gebt euer Geld doch aus wenn ihr wollt. Ich muss diese Fake-Mars-Erde auf jeden Fall nicht haben.

  • Julian G. am 03.10.2018 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Matura Arbeit über dieses Thema gemacht

    Vor einem Jahr habe ich zusammen mit einem Freund eine Matura Arbeit über dieses Thema gemacht und selbständig Mars-Erde hergestellt und darin Kartoffeln gezüchtet. Interessant war, dass die Kartoffeln in der Mars-Erde besser gewachsen sind als in der Normalen. Lustig nun dieses Thema in den News zu sehen

    • schweizer Q am 03.10.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Julian G.

      Haben Sie die Mars-Kartoffeln auch gegessen? ;-)

    • Bartli am 05.10.2018 00:30 Report Diesen Beitrag melden

      Tatsächlich

      @Julian G. Das ist allerdings interessant und warum wissen wir nicht mehr darüber? Hab da etwas verpasst? Können Sie mehr darüber berichten? Oder ich will mal selber nachrecherchieren unter selbstgemachte Marserde und Kartoffeln. ,-)) Wehe Sie verheizen mich.

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  • Cilitan am 03.10.2018 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Doktor

    einfach nicht den wasserfilter vergessen

  • René am 03.10.2018 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wozu?

    Und was soll ich damit? Wachsen meine Tomaten darin besser?

    • Dani Mano am 03.10.2018 21:15 Report Diesen Beitrag melden

      Steht doch im Artikel

      Echt jetzt, steht doch alles klar und deutlich im Artikel. Es ist auch ersichtlich, dass die Erde zu FORSCHUNGSZWECKEN dient und nicht dass irgendwelche Komiker einen Vorwand haben um von Tomaten zu reden.

    • Patrick am 03.10.2018 21:19 Report Diesen Beitrag melden

      Umgekehrt

      Nö, schlechter oder gar nicht.

    • Bartli am 05.10.2018 00:34 Report Diesen Beitrag melden

      Frage

      Kann man das giftreie Plagiathäufchen bei Amazon bestellen? .-))

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