Überraschende Erkenntnis

10. April 2019 21:51; Akt: 10.04.2019 21:51 Print

US-Kriegsheld war wohl eine Frau

Einer der grössten Helden der US-Geschichte war möglicherweise nicht wie angenommen ein Mann. Das ergab eine Analyse des Skeletts von Casimir Pulaski.

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Kazimierz Michal Wladyslaw Wiktor Pulaski wurde am 6. März 1745 in Warschau geboren. Der polnische Landadelige kämpfte von 1768 bis 1772 in der Konföderation von Bar gegen die Russen. 1772 musste er Polen verlassen und liess sich in Paris nieder. Dort traf er Benjamin Franklin (Bild), einen der Gründerväter der Vereinigten Staaten. Franklin ermöglichte es dem Polen mit einem Empfehlungsschreiben, der amerikanischen Armee beizutreten. Diese befand sich damals im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht. In der Schlacht von Brandywine soll Pulaski am 11. September 1777 George Washington vor der Gefangennahme bewahrt haben. George Washington wurde 1789 der erste US-Präsident. Während der Belagerung von Savannah wurde Pulaski im Oktober 1779 tödlich verletzt. Als Held des Unabhängigkeitskriegs wird Casimir Pulaski in den USA bis heute verehrt. (Im Bild: Historische Aufnahme des Reiterstandbilds an der Kreuzung Pennsylvania Avenue / 13. Strasse in Washington.) Auch auf Briefmarken war Pulaski abgedruckt. Seine Gebeine waren beim 1854 errichteten Casimir-Pulaski-Denkmal auf dem Monterey Square in Savannah, im US-Bundesstaat Georgia, beerdigt worden. Bei der Restauration des Denkmals 1995 wurden sie exhumiert und untersucht. Die Untersuchung ergab, dass Pulaski möglicherweise eine Frau oder intersexuell war. Nach einer DNA-Analyse steht nun zweifelsfrei fest, dass es sich um die Gebeine von Pulaski handelt. (Im Bild: Die jährliche Parade zum polnischen Tag der Verfassung in Chicago)

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General Casimir Pulaski wird in den USA als Held des Unabhängigkeitskrieges verehrt. Er gilt als Vater der US-Kavallerie und soll George Washington 1777 in der Schlacht von Brandywine gerettet haben. Jedes Jahr findet in New York zu seinen Ehren eine Parade statt, während der Geburtstag des Polen im Bundesstaat Illinois ein Feiertag ist.

Nun wirft die Analyse seiner Gebeine ein neues Licht auf den Kriegshelden. Wie Forscher in einer aktuellen Doku des Smithsonian Channel berichten, dürfte Pulaski eine Frau oder intersexuell gewesen sein.

DNA-Abgleich nötig

Als sein Skelett in den 1990er-Jahren exhumiert worden war, stellten die Forscher fest, dass die Form des Beckens eindeutig weiblich ist. Doch war es wirklich Pulaski? Bekannte Verletzungen und körperliche Eigenschaften deuteten darauf hin. Gewissheit brachte jedoch erst Jahre später ein Abgleich seiner DNA mit jener einer Grossnichte, wie Guardian.com schreibt.

Pulaski, der in einer polnischen Adelsfamilie als Mann erzogen worden war, hat sich selber wohl nie als Frau gesehen. Charles Merbs von der Arizona State University sagte gegenüber ASU Now: «Ich denke, er hielt sich für einen Mann, bei dem etwas nicht stimmte.» Pulaski hatte nie geheiratet und keine Kinder.

Gegen Zwangsoperationen

Kimberley Zieselmann von der amerikanischen Intersexuellen-Organisation Interact sieht die Entdeckung als starkes Argument gegen Zwangsoperationen bei intersexuell geborenen Kindern. «Was heute passiert, ist so falsch», sagte sie der «New York Times». «Man löscht Personen wie diese aus, die unberührt zu einem Kriegshelden geworden war.»

Wäre Pulaski heute geboren, hätte man ihn vielleicht zu einem Mädchen gemacht. Wäre das damals passiert, wäre er nie General geworden und hätte den USA nicht helfen können. «Wenn Urologen damals Pulaskis Körper ‹repariert› hätten, wären die USA wohl noch heute eine britische Kolonie.»



(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.G. am 11.04.2019 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nur wenige Frauen fanden Anerkennung

    Frauen die sich in die Armee unter falscher Identität einschlichen gab es viele. Bekannt sind Katharina Lanz aus Tirol die 1797 gegen napoleonische Truppen kämpfte. Die russische Offizierin Nadeschda Durowa war wie ein Bub erzogen worden und stieg unerkannt zum Offizier auf. Der Zar erlaubte ihr nach ihrer Entdeckung 1807 weiter in der Armee zu bleiben. Friederike Krüger schlich sich 1812 in die preuss. Armee ein, durfte nach ihrer Entdeckung unter ihrer echten Identität weiter kämpfen und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das waren aber immer Einzelfälle.

  • Karl-Maria am 11.04.2019 02:47 Report Diesen Beitrag melden

    Da wird wohl etwas vermischt

    Also ich fände es auch ohne dieses Kriegshelden- und USA-Gäbs-Sonst-Nicht-Gerede gut, die heutige Praxis zu überdenken. Intersexuell geborene Kinder müssen sich nicht als Kriegshelden beweisen müssen, um so sein zu dürfen, wie sie die Natur geschaffen hat. Capice?

  • djsage am 11.04.2019 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar...

    Ist doch logisch, dass die USA heute noch eine britische Kolonie wäre, nur wenn eine Person nicht mitgewirkt hätte. Ich lach mich kaputt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. Anderson am 11.04.2019 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Matrix spinnt ein Wenig

    Wahrscheinlich war schon Adam eigentlich eine Frau und die Schlange war eigentlich eine Maus und und der Apfel war ein Kürbis und die Pyramieden sind Riesenhäuffchen und AncorWatt wurde vom Regen herausgespuhlt

  • Chris Ritter am 11.04.2019 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und

    so zerbröselt nunmal der Keks...grins

  • Lisa am 11.04.2019 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Capisco

    Ganz einverstanden. Aber nicht urteilsfähigen Kindern soll auch nicht voreilig das "passende" Geschlecht operativ verpasst werden, bevor sie nicht auch mit dem Kopf überlegen können wer sie sind.

  • djsage am 11.04.2019 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar...

    Ist doch logisch, dass die USA heute noch eine britische Kolonie wäre, nur wenn eine Person nicht mitgewirkt hätte. Ich lach mich kaputt!

    • romanmeyer am 11.04.2019 09:05 Report Diesen Beitrag melden

      schöne Geschichte

      der flügelschlag eines schmetterlings kann die welt verändern

    • Carly I. am 11.04.2019 09:24 Report Diesen Beitrag melden

      Schmetterlingseffekt

      Natürlich ist es möglich, dass eine kleine Abweichung die komplette Geschichte ändert. Stell dir vor, hätte diese Person nicht mitgewirkt, hätten wir allenfalls das Glück gehabt von deiner eingeschränkten Sichtweise verschont zu bleiben.

    • Napoleon am 11.04.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      @djsage

      Für jede tiefgreifende Veränderung benötigt es eine Hauptfigur. Man muss natürlich auch was Weltbewegendes leisten um als einzelne Person dann auch für den Erfolg einer Sache erwähnt zu werden.

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  • Meredith am 11.04.2019 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre wäre

    Was für eine an den Haaren herbeigezogene Argumentationskette: hätte man sie damals zu einem Mädchen gemacht wäre man vielleicht auch so modern gewesen SIE als eine Kriegsheldin anzuerkennen!

    • ClaLa am 11.04.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Meredith

      Ganz sicher nicht, weil sie gar nicht ins Militär gekommen wäre. Sie wäre in jener Zeit als polnische Adlige, die KEINE Erben zeugen konnte, nichts wert gewesen und hätte wohl keinen Platz in der Gesellschaft( ihrem Umfeld) finden können. Wahrscheinlich kein glückliches Leben so ohne Anerkennung.

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