Neue Studie

25. September 2018 17:45; Akt: 25.09.2018 17:45 Print

Glyphosat soll doch schuld am Bienensterben sein

Bisher hat es geheissen: Für Bienen stellt das Unkrautvernichtungsmittel kein Problem dar. Doch das ist falsch, wie US-Forscher vermelden.

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Die Biene ist aufgrund ihrer Bestäubungsleistung nach Rind und Schwein unser drittwichtigstes Nutztier. Doch die Zahl der Insekten nimmt dramatisch ab. Auch wenn die Auslöser vielzählig sein dürften: ... ... Ein Schuldiger ist laut Forschern der University of Texas in Austin identifiziert: das umstrittene Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat. Wie das Team im Fachjournal «Pnas» schreibt, schädigt das Pestizid die Tiere indirekt – über die Darmflora. Für die Studie setzten sie Honigbienen solchen Glyphosatkonzentrationen aus, denen die Tiere auch in ihrem Alltag – auf Feldern, in Gärten und am Strassenrand – begegnen können. Je nach Dosis wurden die Insekten mit einem bunten Punkt auf dem Rücken markiert, um sie später den Pestizidkonzentrationen zuordnen zu können. (Anmerkung der Forscher: Die Farbe ist für die Tiere nicht giftig!) Der Vergleich mit unbehandelten Bienen zeigte: ... ... Bei den behandelten Bienen waren bei vier von acht untersuchten Darmbakterienarten starke Verluste zu verzeichnen. Am stärksten betroffen war dabei die Art Snodgrassella alvi, die den Bienen hilft, Nahrung zu verarbeiten und sich gegen Krankheitserreger zu schützen. Diese Veränderung der Darmflora wirkt sich für die Insekten negativ aus. Das zeigte ein weiteres Experiment. In diesem konfrontierten die Forscher die Bienen mit dem Erreger Serratia marcescens. Von den zuvor nicht dem Glyphosat ausgesetzten Honigbienen lebte nach acht Tagen noch rund die Hälfte. Die markierten Tiere aber starben zu 90 Prozent. Die Forscher appellieren daher an alle Landwirte, Gärtner und Hausbesitzer, Glyphosat keinesfalls auf blühenden Pflanzen einzusetzen, um Honigbienen und andere heimische Bienenarten ... ... wie Hummeln oder ... ... Wildbienen zu schützen, deren Darmflora der der untersuchten Tiere ähnelt.

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Wenige Chemikalien sind dieser Tage so umstritten wie der Unkrautkiller Glyphosat, der in der Landwirtschaft grossflächig eingesetzt wird und so seinen Weg in unsere Lebensmittel findet.

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Das Problem: Das Pestizid steht in Verdacht, für den Menschen krebserregend und für das weltweite Bienensterben mitverantwortlich zu sein. Doch stichhaltige wissenschaftliche Beweise fehlten dafür – zumindest bisher.

Zu einem Umdenken könnte nun eine im Fachjournal «Pnas» veröffentlichte Studie von Forschern der University of Texas in Austin sorgen. Darin kommt das Team um Nancy A. Moran und Erick S. Motta zu dem Schluss, dass Glyphosat die Bienen – indirekt zwar – sehr wohl schädigt.

Deutlicher Rückgang schützender Darmbakterien

Für die Studie hatten die Forscher Honigbienen Glyphosatkonzentrationen ausgesetzt, denen die Tiere auch in ihrem Alltag – auf Feldern, in Gärten und am Strassenrand – begegnen können. Je nach Dosis wurden die Insekten mit einem bunten Punkt auf dem Rücken markiert, um sie später zuordnen zu können.

Nach drei Tagen fingen die Wissenschaftler sie wieder ein, analysierten ihre Darmflora und verglichen die Daten mit denen unbehandelter Bienen.

Für die Studie wurde eine Vielzahl von Honigbienen untersucht. (Video, ohne Ton: Vivian Abagiu/University of Texas at Austin)

Ergebnis: Bei den behandelten Bienen waren bei vier von acht untersuchten Darmbakterienarten starke Verluste zu verzeichnen. Am stärksten betroffen war dabei die Bakterienart Snodgrassella alvi. Das ist laut Moran und ihren Kollegen besonders problematisch, weil diese den Bienen hilft, Nahrung zu verarbeiten und sich gegen Krankheitserreger zu schützen.

90 Prozent überleben gängigen Erreger nicht

Dass sich die Veränderung der Darmflora für die Insekten negativ auswirkt, zeigte ein weiteres Experiment. In diesem konfrontierten die Forscher die Bienen mit einem gängigen Erreger: Serratia marcescens.

Von den zuvor nicht dem Glyphosat ausgesetzten Honigbienen lebte nach acht Tagen noch rund die Hälfte. Die markierten Tiere aber starben zu 90 Prozent. «Das belegt, dass Glyphosat den Schutzeffekt der Darmflora verringert», so die Forscher in einer Mitteilung. Weiter zeige es, dass das Glyphosat den Bienen indirekt schadet – indem es ihre Darmflora und ihre Infektionsabwehr stört.

Glyphosat keinesfalls auf blühende Pflanzen sprühen

Die Forscher appellieren daher an alle Landwirte, Gärtner und Hausbesitzer, Glyphosat keinesfalls auf blühenden Pflanzen einzusetzen, um Honigbienen und andere heimische Bienenarten wie Hummeln oder Wildbienen zu schützen, deren Darmflora der der untersuchten Tiere ähnelt.

Zwar sei Glyphosat sicher nicht die einzige Ursache für das Bienensterben und den Rückgang vieler Bestäuberinsekten, so Motta. «Aber es ist definitiv etwas, über das sich die Leute Gedanken machen sollten, denn Glyphosat ist inzwischen überall.»

Nebenwirkungen der Pestizide

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam am 25.09.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Und unsere Regierung arbeitet parallel dazu fleissig an der Erhöhung der Grenzwerte.

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  • Didi Weidmann am 25.09.2018 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Bundesrat kuscht vor Industrie!!

    Und unser Bundesrat will in verantwortungsloser Kriecherei vor der Industrielobby die Grenzwerte für dieses Gift erhöhen!

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  • Honigbiene am 25.09.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Echt?

    Ach ja...? Das ist jetzt aber ganz neu... Wir wissen es schon lange, aber sogar dem Bundesrat ist es egal, da er höhere Werte tolerieren möchte...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Willllllliammmm am 26.09.2018 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie die alte Fasnacht

    Ein Ich hab es doch schon immer gesagt trifft es hier irgendwie nicht so ganz!! (Zitat Will Smith aus I, Robot)

  • Oje am 26.09.2018 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pestizidefreie Schweiz

    Denkt alle daran, wenn wir wieder abstimmen dürfen.

  • Oecologista am 26.09.2018 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wünsche Bayer viele Schadenersatzklagen

    Der Bayer Konzern hat Monsanto aufgekauft und ich hoffe, die werden in Zukunft mit Tausenden von Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe eingedeckt, so dass selbst dem treuesten Aktionär die Lust auf Aktienpakete vergeht und die sich endlich mal überlegen müssen, mit welch unethischen Mitteln sie sich auf Kosten der ärmsten Teile der Weltbevölkerung bereichern!

  • nina am 26.09.2018 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach auf einmal doch

    einfach mal den gesundenmenschenverstant einsetzen das volk wuste das schon lange nur die gross konzerne und in bern wollte man das nicht akzeptieren.

  • Enmarta am 26.09.2018 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Och jetz doch

    Och nö. Dabei hat das Bundesamt für Umwelt doch eine hundertfache Erhöhhung als ungefährlich eingestuft. Wer lügt denn nun? Nachdem nun die zwei Initiativen letztes Wochenende entweder vom Volk abgeschmettert oder schlicht Wahlfälschung betrieben wurde : Nur weiter so. Wer Glyphosat sät wird Karma ernten.