Neuer Klimaschock

16. Oktober 2018 20:21; Akt: 16.10.2018 20:21 Print

Und jetzt macht das Klima auch noch das Bier teurer

Wird es wärmer auf der Welt, bricht die Gerstenernte ein. Und das hat Folgen für Millionen Biertrinker. Ihr Lieblingsgetränk dürfte massiv teurer werden.

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Bier ist ist beliebt. Doch nicht alle wissen so genau, was sie sie da eigentlich trinken. Diese Bildstrecke soll das ändern. Erfunden haben das Bier vor rund 6000 Jahren die Sumerer. Das zeigen Abbildungen biertrinkender Personen aus der Zeit von etwa 3000 vor Christus. Die älteste überlieferte Bierschankordnung der Welt enthält der sogenannte Codex Hammurapi , der auf den sechsten König der 1. Dynastie von Babylon zurückgeht. Ein Punkt darin: «Bierpanscher werden in ihren Fässern ertränkt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken.» Bis ins Mittelalter war das Brauen Frauensache. Die ersten männlichen Brauer waren Mönche. Sie wollten ein nahrhaftes Getränk zu ihren Mahlzeiten. Denn Trinken war auch in der Fastenzeit erlaubt. Als ältestes Braukloster gilt das in St. Gallen, das ganze drei Brauhäuser unter seinen Fittichen hatte. Im Jahr 1516 erliess Herzog Wilhelm IV. von Bayern das deutsche Reinheitsgebot. Dies besagte, dass zum Brauen von Bier einzig Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden durften. Es sollte den Weizen als Getreide für Brot schützen. Die Hefe kam erst später hinzu. Um 1885 hatte in der Schweiz das Bier den Wein als Nationalgetränk endgültig verdrängt und unter den 530 Brauereien begann sich mit den technischen Errungenschaften ein harter Konkurrenzkampf auszubreiten. Die kleinen Brauereien hatten gegenüber den grossen aus Kostengründen das Nachsehen. Vor 200 Jahren wurde London von Bier überflutet: In der Brauerei Horse Shoe Brewery brachen am 16. Oktober 1814 riesige Bierfässer mit fast 1,5 Millionen Litern Inhalt. Das Bier strömte auf die Straße und zerstörte einige Häuser, mindestens sieben Menschen kamen damals ums Leben. Der Biergarten entwickelte sich aus den Bierkellern des frühen 19. Jahrhunderts. Das damals verbreitete untergärige Bier war wärmeempfindlich. Es musste bei niedrigen Temperaturen gebraut und gelagert werden. Um auch im Sommer Bier ausschenken zu können, stellten die Brauer Bänke und Tische auf die Wiesen direkt vor ihren Keller - der Biergarten war geboren. Im Sommer 1922 wurde das erfunden, was hierzulande Panaché heisst. Der Münchner Wirt Franz Xaver Kugler erwartete rund 13'000 Velofahrer. Weil er befürchtete, dass seine Biervorräte nicht reichen würden, streckte er das Bier für die durstigen Radler mit Limonade. Das Gemisch kam an und das Radler war erfunden. Die erste Bierdose - die erste Getränkedose überhaupt - wurde 1933 in den USA vorgestellt. Abfüller war die Brauerei Gottfried Krueger Brewing Company. Weil die Resonanz positiv war, kamen die Büchsen am 24. Januar 1935 in den Handel. Diese hatten noch keinen integrierten Verschluss, sondern mussten mit einem spitzen Werkzeug angestochen werden. Wer schnell beruflichen Erfolg haben möchte, sollte ab und an mit dem Chef ein sogenanntes Karrierebier trinken gehen. Denn Arbeitnehmer, die das regelmässig tun, verdienen laut schottischen Forschern rund ein Sechstel mehr als ihre enthaltsamen Kollegen. Das stärkste Bier der Welt hat einen Alkoholgehalt von 67,5 Prozent und heisst «Snake Venom». Es kommt von der schottischen Brauerei Brewmeister. Trotz des hohen Alkoholgehalts schmeckt es vor allem hopfig und malzig. Probieren kann man es nicht mehr: Es ist ausverkauft. Wie jedes Getränk lindert auch Bier Erkältungssymptome - wenn es aufgewärmt wird. Hinzu kommt, dass es müde macht und beim Einschlafen hilft. Aber sobald die Wirkung nachlässt, entsteht eine Art Entzug. Man schläft schlechter, wacht immer wieder auf und ist am nächsten Tag gerädert. Deshalb besser: Finger weg! Stillende Mütter, die nicht genug Milch produzieren, sollten es mal mit einem alkoholfreien Bier versuchen. Denn die Gerste fördert die Produktion von Porlaction, einem Hormon, das die Milchproduktion in Gang setzt. Zudem sorgt der hohe Hopfenanteil für mehr Ruhe und Gelassenheit. An den oft dicken Bäuchen von fleissigen Biertrinkern ist das Bier nur bedingt schuld. Es besitzt zwar Kalorien, aber nicht so viele, dass es ins Gewicht fallen würde. Schuld daran ist einzig das Essen. Denn Bier regt den Appetit an.

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Der Kilmawandel ist real. Das sagen nicht nur Menschen, die etwas davon verstehen, sondern inzwischen auch US-Präsident Donald Trump. Und der Klimawandel wird unser Leben verändern. Doch es sind nicht nur der ansteigende Meeresspiegel, verheerendere Unwetter und katastrophale Waldbrände, auf die wir uns einstellen müssen. Auch mit manch einer liebgewonnenen Gewohnheit könnte es für manche bald vorbei sein.

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So dürften die steigenden Temperaturen das Bier künftig verteuern, denn Hitze und Dürre werden sich negativ auf den Anbau von Gerste auswirken, wie es in einer im Fachjournal «Nature Plants» veröffentlichten Studie heisst. Weltweit gehen rund 17 Prozent der Ernte in die Bierproduktion. Die meiste Gerste wird als Tierfutter gebraucht. Und sollte sie knapp werden, dürfte mehr vom Bierkontingent in die Futterproduktion verlagert werden, sind die Forscher überzeugt.

Unerreichbar für Millionen

Eine Verknappung der Gerste, aus der das für die Bierproduktion nötige Malz erzeugt wird, wird zu einem höheren Bierpreis und damit zu einem Rückgang des weltweiten Konsums führen. «Zukünftige Klima- und Preiskonditionen dürften Bier für hunderte Millionen Menschen rund um die Welt unerreichbar machen», sagt Co-Autor Steven Davis von der University of California Irvine in einer Mitteilung.

Die Forscher rechneten verschiedene Szenarien durch. Lässt sich die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf unter zwei Grad beschränken, was immer unwahrscheinlicher erscheint, dürfte jedes zehnte Jahr Extremwetter mit sich bringen. Im schlimmsten untersuchten Szenario würde jedes zweite Jahr extrem sein. «Hitze und Dürren würden dann mehr oder weniger zur Norm werden», so Davis.

Bis zu 38 Prozent weniger Bier

Für 23 Anbauregionen berechneten sie anschliessend die Verluste. Je nach Szenario würde der Ernteeinbruch demnach 3 bis 17 Prozent betragen. Die Bierpreise würden sich im Durchschnitt verdoppeln und der Bierkonsum würde weltweit zwischen 4 und 16 Prozent zurückgehen. In den traditionellen europäischen Bierländern wie Tschechien, Belgien und Deutschland könnte die Bierproduktion in Extremjahren um 27 bis 28 Prozent einbrechen.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Bierpreise in wohlhabenderen, bierliebenden Ländern am meisten ansteigen würden, und nennen dabei Belgien, Kanada, Dänemark und Polen als Beispiele. Für Irland sagt Davis voraus, dass ein Sechserpack in Dürrejahren im Laden rund 20 Franken aufschlagen könnte. Nicht jeder wird sich dann noch ein Feierabendbier leisten können, was doppelt gemein ist, wie Davis schreibt: «Am Ende eines der immer häufiger werdenden heissen Tagen kein kühles Bier mehr zu haben, macht das Ganze nur noch schlimmer.»

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven am 16.10.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5vor12

    Beim Bier hört der Spass auf. Ab jetzt laufe ich die 30km zur Arbeit.

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  • hopfenmeister am 16.10.2018 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nun kämpfe ich auch dagegen

    ok, jetzt nehm auch ich die klimaerwärmung ernst, das muss aufhören !!!!! nicht unser bier !!!!!!

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  • urschweizer am 16.10.2018 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wer's glaubt ...

    Wozu solche "Studien"? Wer finanziert solchen Schrott? Die Branche braucht scheinbar "Gründe" um das Gesöff zu verteuern - und das jetzt schon ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 11.11.2018 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Soso, Bier wird teurer

    Wenn wundert's? Es ist eben alles eine Frage von Angebot, Nachfrage und der hohlen Hand des Staates der die Preise zunehmend mehr administrieren will.

  • Vuito am 22.10.2018 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Mineral billiger als Bier

    Kein Drama wenn das Bier teuerer wird wegen dem Gersten, der zudem ca. 17% beinhaltet. Bier ist für mich kulturlos also rauf mit den Preisen. Ist eine Schande dass Mineal billiger als Bier ist.

  • Daniele C am 18.10.2018 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sag's ja...

    ....der Klimawandel macht alles teurer! Ein Schelm wer böses denkt :-))

    • Ein Schelm, der böses denkt. am 18.10.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daniele C

      Nach der EU-Wirtschaftsdiktatur kommt die Klima-Diktatur.

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  • Mann28 am 18.10.2018 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Weil's knapp wird...

    Haben wir überall gerade -33% oder 50% Aktionen auf Bier laufen, gell? Wer glaubt euch den Blödsinn? ;p

  • Berner Bär am 18.10.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Reisserischer Titel,...

    ... gefolgt von einem reisserischen Artikel. Nun versucht man es wohl auf diese Art und Weise! Klimaschwankungen hat es schon immer gegeben, egal über welchen Zeitraum. Als die These vom Waldsterben nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte, benötigte man etwas Neues - auch wenn man noch Jahre zuvor von einer neuen Eiszeit sprach.