Bericht des Weltklimarats

25. September 2019 09:22; Akt: 02.10.2019 13:40 Print

Meeresspiegel steigt dramatisch an

Während in Europa die Gletscher massiv zurückgehen, bedroht ein Anstieg des Meeresspiegels um 43 bis 84 Zentimeter bis 2100 hunderte Millionen Menschen.

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Der neu veröffentlichte Bericht des Weltklimarates (IPCC) zeichnet ein düsteres Bild. Demnach wird der Meeresspiegel bis 2100 um 43 bis 84 Zentimeter steigen. Gletscher weltweit verlieren zwischen 2015 und 2100 bis 36 Prozent ihrer Masse, jene in Europa gar über 80 Prozent. Bis Ende 2100 gelangen Dutzende oder gar Hunderte von Gigatonnen als Kohlendioxid oder Methan in die Atmosphäre und heizen das Klima weiter auf. Allein die Schäden durch Überschwemmungen werden jährlich auf das 100- bis 1000-fache ansteigen. Bei weiterhin hohen Treibhausgas-Emissionen könnten bis 89 Prozent der wenig tiefen Permafrostböden auftauen und damit an Stabilität einbüssen. Im gesamten Alpenraum wird seit den 1980er-Jahren ein starker Gletscherschwund beobachtet. Dieser steht in direktem Zusammenhang mit den erhöhten Treibhausgasemissionen und dem dadurch verursachten globalen Temperaturanstieg. Seit 1870 ist der Aletschgletscher bereits um drei Kilometer zurückgegangen. Wegen der Gletscherschmelze werden im Aletschgebiet Hänge instabil. Auf der italienischen Seite des Mont Blanc drohen wegen Erwärmung Teile eines Gletschers einzustürzen. Wo zur Jahrtausendwende noch der Silvrettagletscher im Kanton Graubünden die Landschaft bedeckte, hat sich durch den Gletscherschwund ein See gebildet. Eine Tafel beim Morteratschgletscher im Kanton Graubünden weist auf den Rückgang des Gletschers seit 1900 hin. Der Findelgletscher im Kanton Wallis hat seit 1850 rund einen Drittel seiner Masse verloren. Der Rhonegletscher dürfte Berechnungen zufolge 2100 nicht mehr existieren. Für den Pizolgletscher im Kanton Sankt Gallen fand im September 2019 eine Trauerfeier statt. Die Gletscherzunge mit dem Namen Unterer Grindelwaldgletscher im Kanton Bern ist seit wenigen Jahren komplett verschwunden.

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Die Eiswelten und Ozeane der Erde verändern sich durch den Klimawandel markant. Die gesamte Erdbevölkerung ist direkt oder indirekt davon betroffen, warnt der Weltklimarat in einem am Mittwoch in Monaco veröffentlichten Sonderbericht.
Der Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zeigt die Veränderungen auf, die die Ozeane und weltweiten Eis- und Schneevorkommen (Kryosphäre) im Zuge des Klimawandels durchlaufen haben und wahrscheinlich noch durchlaufen werden. Und die damit verbundenen Risiken, die je nach Grad der Klimaerwärmung zunehmen.

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Je nach Szenario wird der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 43 bis 84 Zentimeter steigen. «Machen wir weiter wie bisher, steigt der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um fast einen Meter an. Das ist deutlich mehr als bisher abgeschätzt», sagt Nicolas Gruber von der ETH Zürich und Mitautor des IPCC-Berichtes. Gebiete werden dadurch unbewohnbar, in denen heute Hunderte Millionen Menschen leben.

Gletscher dürften von 2015 bis 2100 zwischen 18 und 36 Prozent ihrer Masse verlieren, in Europa sogar über 80 Prozent. Ohne Klimaschutz werden bis Ende des Jahrhunderts 49 bis 89 Prozent der wenig tiefen Permafrostböden tauen.

«Die Hänge in den Alpen und anderswo werden durch die immer wärmeren Permafrostböden instabil und setzen in den Polarregionen Kohlenstoff-Reservoire frei, die dort seit Tausenden von Jahren ruhten», liess sich Konrad Steffen, Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und Autor des IPCC-Berichtes, in einer Mitteilung der Akademie der Naturwissenschaften SCNAT zitieren. Dadurch gelangen bis Ende 2100 Dutzende oder gar Hunderte von Gigatonnen als Kohlendioxid oder Methan in die Atmosphäre.

Schäden durch Überschwemmungen

Das Schmelzen der Eisschilde und Gletscher beschleunige den Anstieg des Meeresspiegels, sagte Nicolas Gruber von der ETH Zürich, ebenfalls Autor des Berichts. Zwischen 2006 und 2015 lag der Anstieg bereits bei 3,6 Millimetern pro Jahr und damit 2,5 mal höher als der durchschnittliche jährliche Anstieg zwischen 1901 und 1990, wie der «Summary for Policymakers» des Sonderberichts zu entnehmen ist.

Bei den bisherigen Prognosen des Meeresspiegelanstiegs wurde gerade der Anteil des schmelzenden Eises in der Antarktis bisher unterschätzt, schrieb die SCNAT. Mit dem steigenden Meeresspiegel nehmen in diesem Jahrhundert Risiken wie Fluten oder Küstenerosion deutlich zu. Alleine die Schäden durch Überschwemmungen werden jährlich auf das 100- bis 1000-fache ansteigen.

Der Bericht, an dem über 100 Forschende aus über 37 Ländern mitarbeiteten, unterstreicht die Dringlichkeit von Klimaschutz- und Anpassungsmassnahmen. Die Treibhausgas-Emissionen müssten «dringend und ambitioniert» gesenkt und die Folgen des Klimawandels auf die lebenserhaltenden Ozeane und die Kryosphäre gemindert werden, z.B. durch den Ausbau des Küstenschutzes durch Bauten oder Bepflanzungen.


Wie weit der Aletschgletscher bis 2100 zurückgehen könnte, zeigt dieses dreidimensionale Computermodell der ETH Zürich.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Orakel am 25.09.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    drastische Geburtenregelung

    Eine drastische Geburtenregelung, und zwar für sämtliche Nationen dieser Erde, ist das einzige sinnvolle und nachhaltige für Fauna, Flora und Klima. Aber davon will ja die Mehrheit nichts wissen.

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  • Spannung pur am 25.09.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant ist, dass niemand

    Die 30000 Schweröl Tanker anprangert dir täglich auf dem Meer rumtuckern und die Luft verpesten!

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  • Win67 am 25.09.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gletscher

    Die kommen wieder,die nächste Eiszeit kommt zu 100% vielleicht ohne uns. Spielt ja keine Rolle. Die Erde wird sich schon selber retten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gretbert Thunfisch am 13.10.2019 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    Brünzle ich immer rein.

  • Tackle am 03.10.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder panik

    Schon wieder ein Klimahyp bericht. Nein ich werde nicht Grün wahlen im gegenteil egal was ihr schreibt.

  • Costa.02 am 26.09.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerische Parteien

    Vor 10 Jahren warnte der Ex-Präsident der Malediven schon vor dem steigenden Meeresspiegel. Damals wurde er auch von den Grünen Parteien belächelt und plötzlich jetzt vor den Wahlen wird das zum Hauptthema. Ihr Grünen und Grünliberalen seid so etwas von heuchlerisch und das alleine ist schon ein Grund Ihre Parteien nicht zu wählen. Boykott gegen Eure Parteien ist die Einzig richtige Reaktion.

  • W. Erni am 25.09.2019 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdgeschichte

    Dies ist in der ganzen Erdgeschichte nicht der erste Klimawandel. Es gab schon immer Eiszeiten und wärmere Phasen. Dieses sind durch nichts und niemanden aufzuhalten. Also hört endlich au mit den ganzen Endzeiten Theorien.

  • K.Lima am 25.09.2019 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun mal langsam:

    1. Es ist bewiesen, dass die Eisdecke am Südpol sowie die Gletscher im nördlichen Teil von Grönland zunehmen. 2. Was drastisch schmilzt ist die Masse der übrigen Gletscher insbesondere in der nördlichen Hemisphäre sowie die meisten Packeisgebiete ( schwimmendes Eis ). 3. Schwimmendes Eis führt zu keiner erhöhung des Meeresspiegel. Das restlich abschmelzende Eis ist zwar drastisch, jedoch prozentual vernachlässig bar. Fazit: Wenn überhaupt, steigt die mittlere Meereshöhe nur minim !